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Notfall Schülersuizid Risikofaktoren - Prävention - Intervention von Bründel, Heidrun (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.12.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
23,99 €
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Notfall Schülersuizid

Für die Schule ist der Schülersuizid der schlimmste anzunehmende Notfall. Er löst eine Krise aus, alle Betroffenen stehen unter Schock und Schuldgefühle sowie Hilflosigkeit lähmen ihre Handlungsoptionen. Trotzdem ist die Schule verpflichtet, auf Notfälle wie Suizide adäquat zu reagieren. Das Buch liefert zunächst grundlegende Kenntnisse über Suizid. Dann wird gezeigt, wie auf Alarmsignale der Suizidgefährdung professionell im Rahmen der Schule reagiert werden kann. Weiterhin vermittelt das Buch Wissen zur 'Krisenintervention' nach erfolgtem Suizid sowie eine kritische Analyse angloamerikanischer und deutschsprachiger Suizidpräventionsprogramme. Eine Fortbildung für Lehrkräfte kann als PowerPoint-Präsentation kostenfrei heruntergeladen werden.

Dr. Heidrun Bründel ist Dipl.-Psychologin, EuroPsy (BdP). Sie war langjährig in der Bildungs- und Schulberatung tätig und hatte mehrere Lehraufträge an der Universität Bielefeld. Heute arbeitet sie freiberuflich in der Fort- und Weiterbildung von Psychologen, Schulleitern und Lehrkräften.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 177
    Erscheinungsdatum: 11.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170258877
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 2820 kBytes
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Notfall Schülersuizid

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Einteilung in Programmkategorien und ihre kritische Wertung

Auf der Basis solcher Bedenken oder gerade trotz dieser Bedenken erschienen zu Beginn des jetzigen Jahrtausends bis heute in angloamerikanischen Ländern anhaltend viele Buchbeiträge, Übersichtsartikel und 'systematic reviews'. Die Autoren unterzogen die existierenden Präventionsprogramme der letzten zehn bis fünfzehn Jahre einer kritischen Sicht und einer systematischen Kategorisierung (Shaffer & Gould 2002; Gould, Greenberg, Drew, Velting & Shaffer 2003; Kalafat 2003; Mann, Apter, Bertolote et al. 2005; Chagnon, Houle, Marcoux & Renaud 2007; Yip 2011; Cusimano & Sameem 2011; Robinson, Hetrick & Martin 2011; van de Feltz-Cornelis, Sarchiapone, Postuvan et al. 2011; Robinson, Yuen, Martin et al. 2011; Roscoät & Beck 2013; Robinson, Cox, Manole et al. 2013; Silva, de; Parker, Purcel et al. 2013; Klimes-Dougan, Klingbeil & Meller 2013). Fast alle Autoren kamen zu der Erkenntnis, dass - selbst wenn es einige positive Effekte gegeben haben mag - die Programme doch mit einiger Vorsicht betrachtet werden müssten.

Die bestehenden angloamerikanischen Programme wurden zunehmend differenziert betrachtet und je nach inhaltlichen Schwerpunkten in unterschiedliche Programmkategorien eingeteilt. Sie wurden einer weiteren kritischen Sicht unterzogen:

1. Psychoedukative Präventionsprogramme

2. Screeningverfahren

3. Gatekeeper-Programme

4. Postventive Interventionen
3.1 Psychoedukative Präventionsprogramme

Psychoedukative Präventionsprogramme werden direkt im Unterricht eingesetzt und informieren Schülerinnen und Schüler vor allem über das Thema 'Suizid'. Über ihre Effektivität gibt es widersprüchliche Meinungen. Einige Programme sollen zu einer Abnahme von Suizidgedanken und Suizidversuchen geführt haben (Aseltine & DeMartino 2004), aber valide Forschungsbelege gibt es dafür bis heute nicht (Cusimano & Sameem 2011). Das hat u. a. mit statistischen, aber auch ethischen Problemen der Messung zu tun: Randomisierte Kontrollgruppen in experimentellen Forschungsdesigns verbieten sich beim Thema Suizid. Bei Schülerinnen und Schülern konnte allerdings eine Verbesserung der Kenntnisse über Suizid festgestellt werden (a. a. O.). Dies bestätigen weitere Autoren (Portzky & van Heeringen 2006; Aseltine, James, Schilling & Glanovsky 2007). Doch mehr Wissen allein - so wird von Klimes-Dougan, Klingbeil & Meller (2013) kritisch angemerkt - verändert noch nicht die bei vielen Jugendlichen bestehende und gefährliche 'positive Einstellung' zum Suizid. Andere Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass Präventionsprogramme die Bereitschaft von Schülerinnen und Schülern gestärkt hätten, sich Hilfe und Unterstützung zu holen (Klingman & Hochdorf 1993; Ciffone 1993; 2007; Kalafat & Elias 1994; Kalafat & Gagliano 1996).

Exkurs

In der angloamerikanischen Literatur wird die Bedeutung der 'Einstellung zum Suizid' immer wieder betont. Damit ist gemeint, dass viele Jugendliche häufig eine im Grunde 'positive Einstellung' zum Suizid haben. Sie glauben, Suizid würde bei Stress und Belastungen eine Handlungsoption darstellen. Sie unterschätzen, verkennen oder ignorieren damit die dem Suizid oftmals vorausgehende Depression und die damit zusammenhängende psychische Erkrankung.

Es gibt Programme, die Suizid als eine verständliche, jedoch fehlgeleitete Antwort auf belastende Ereignisse ansehen und Schülerinnen und Schülern Filme zeigen, in denen Teenager davon berichten, dass sie sich so belastet gefühlt und nicht mehr gewusst hätten, wie sie ihre Probleme anders hätten lösen können als durch einen Suizidversuch (Garland, Shaffer & Whittle 1989). Diese Sich

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