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Wenn Kinder anders fühlen - Identität im anderen Geschlecht Ein Ratgeber für Eltern. Mit einem Vorwort von Norman P. Spack. von Brill, Stephanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.03.2016
  • Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
eBook (PDF)
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Wenn Kinder anders fühlen - Identität im anderen Geschlecht

Ihr sechsjähriger Sohn will im Kleid zur Schule gehen? Ihre kleine Tochter behauptet: 'Ich bin nicht 'sie', ich bin 'er'!' Handelt es sich um eine Entwicklungsphase oder könnte Ihr Kind 'transident' sein, d.?h. sich nicht seinem biologischen Geschlecht zugehörig fühlen, sondern dem anderen? Dieses Buch ist ein Ratgeber für Eltern und alle, die sich mit dem Phänomen der Transidentität von Kindern und Heranwachsenden befassen.

Stephanie Brill, Hebamme, Gründerin der Organisation 'Gender Spectrum Education and Training', Oakland (Kalifornien), begleitet Familien mit 'nicht geschlechtskonformen' Kindern, bildet Fachleute auf diesem Gebiet weiter. Rachel Pepper, Oakland (Kalifornien), koordiniert die 'Lesbian, Gay, Bisexual, and Transgender Studies (LGBTS)' an der Yale University.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 02.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783497602612
    Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
    Größe: 2722kBytes
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Wenn Kinder anders fühlen - Identität im anderen Geschlecht

Einführung

"Mama, ich habe es dir doch schon so oft gesagt, ich bin ein Mädchen, also hör auf, ER zu mir zu sagen!"

Alejandro hat es seinen Eltern zu sagen versucht, kaum dass er sprechen konnte, dass er eigentlich ein Mädchen ist. Er krabbelte in den Kleiderschrank seiner älteren Schwester, um ihre Kleider anzuziehen. Er wickelte seine Haare in ihre Schals und Tücher. Er war ständig mit Mamas Make-up geschminkt und trug ihre Schuhe. Mit drei Jahren weinte er sich regelmäßig in den Schlaf und fragte Gott, warum dieser einen Fehler gemacht hatte. Mit vier sprach er offen darüber, sich das Leben zu nehmen und davon, dass er nicht zu dieser Welt gehöre und lieber verschwinden wolle. Seine Eltern dachten ursprünglich, es handele sich um eine Phase, um etwas, dass jedes Kind in seiner Entwicklung irgendwann einmal durchmacht. Aber als die Phase nicht enden wollte, war die einzige Erklärung, die sie hatten, dass ihr Junge wahrscheinlich schwul sei. Ein Berater hatte damals vermutet, dass Alejandro möglicherweise transident sei.

Ninas Eltern brauchten einige Jahre um zu begreifen, dass Nina die Frage: "Bist du ein Junge oder ein Mädchen?", immer auf die gleiche Weise beantwortete. Sie sagte: "Ich bin Nina." Zuerst fanden alle die Antwort niedlich, aber als sie älter wurde, dachten alle, Nina würde sie an der Nase herumführen, weil sie die Frage nicht beantwortete. Des Weiteren waren ihre Eltern oft mit ihr böse, weil Nina ungezogen war. Nina versuchte immer wieder zu erklären, dass sie sich weder wie ein Mädchen noch wie ein Junge fühlte. Warum spielte das alles überhaupt eine Rolle - warum konnte sie nicht einfach sie selbst sein? Ihre Eltern gaben ihr mit Nachdruck zu verstehen, dass sie ein Mädchen sei, in der Annahme, dieses Verhalten würde die Angelegenheit erledigen. Für Nina war das alles leider nicht leicht zu ertragen. Jedes Mal, wenn sie eine Geschlechtsrolle wählen musste, z. B. wenn sie sich in der Klasse zu den Mädchen oder zu den Jungen aufstellen sollte, empfand sie Beklommenheit, und es fiel ihr schwer, den Anweisungen zu folgen. Schließlich hat eine einfühlsame Lehrerin die Zusammenhänge erkannt, als Nina begann, sich in die Hose zu machen und vor dem Aufstellen in der Garderobe stehen blieb. Ein Kinderpsychiater kam dann auf die Idee, dass Nina sich möglicherweise geschlechtsunspezifisch oder mehrgeschlechtlich oder geschlechtsvariant fühlte.

Was sagen uns diese Berichte? Im Laufe der Menschheitsgeschichte gab es immer wieder Kinder, die die traditionellen Geschlechterdefinitionen abgelehnt haben. Aber elterliche Erziehung und gesellschaftliche Erwartungen haben immer dazu geführt, dass diese Kinder ihre Identität vor anderen und manchmal sogar vor sich selbst verstecken mussten.

Das Thema der Geschlechtsrolle gewinnt zunehmend an Bedeutung. In der Gegenwart ist es schwierig geworden, seinem Kind gegenüber zu rechtfertigen, was seine geschlechtliche Bestimmung ist oder nicht ist, denn der seelische Schaden wird offensichtlich, wenn die persönliche Identität des Kindes verleugnet wird. Mehr als je zuvor verstehen wir heute, dass die Vorgaben, die die Gesellschaft der Geschlechtsrollenidentifikation auferlegt, in vielerlei Hinsicht willkürlich sind. Die Wissenschaft erforscht derzeit, was genau angeboren und was kulturell überformt, unterstützt oder erzwungen ist. Eltern sehen sich daher heute mit der aufregenden und zugleich beängstigenden Aufgabe konfrontiert, Kinder in einer Welt großzuziehen, die das Verständnis der Geschlechtsrollenidentifikation erweitert.

Heutzutage kann die Darstellung der Geschlechtsrollen nicht länger als eine Kategorie mit zwei Optionen betrachtet werden. Diese Denkweise ist unzeitgemäß. Sie kann mit der Ansicht verglichen werden, die Welt bestehe aus klar voneinander unterschiedenen rassischen Kategorien, ohne zu erkennen, dass ein ständig wachsender Prozentsatz der Bevölkerung in wunderbarer Weise multi-ethn

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