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Zweisprachig aufwachsen Herausforderung und Chance für Kinder, Eltern und Erzieher von Abdelilah-Bauer, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.12.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
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Zweisprachig aufwachsen

Überall auf der Welt wachsen Kinder in einer Umgebung auf, in der täglich zwei oder mehr Sprachen gesprochen werden. Dennoch ist die allgemeine Einstellung zur Zweisprachigkeit von Vorbehalten und Verunsicherung geprägt. Ist das gleichzeitige Erlernen von zwei Sprachen nicht eine Überforderung für das Kind? Sind Sprachstörungen oder Lernschwierigkeiten in der Schule Folge des doppelten Spracherwerbs? Aber auch: Wie fördert und bewahrt man die Zweisprachigkeit des Kindes in einer ausschließlich einsprachigen Umgebung? Barbara Abdelilah-Bauer zeigt, was mehrsprachige Erziehung ist und wie sie gelingen kann. Sie erklärt die aktuellsten Erkenntnisse der Psycholinguistik und Sozialpsychologie zur Mehrsprachigkeit und unterscheidet mehrere Etappen beim doppelten Spracherwerb. Fallbeispiele aus der Praxis der Autorin geben konkrete Hinweise, wie auftretende Schwierigkeiten zu überwinden sind und wie sich der Gebrauch von zwei oder mehr Sprachen am besten in den Alltag integrieren lässt. Barbara Abdelilah-Bauer lebt seit 40 Jahren in Paris. Nach dem Staatsexamen in Neuphilologie in Regensburg arbeitete sie als Lektorin an der Universität Oran in Algerien. Danach ging sie mit ihrem Mann nach Paris und promovierte an der Sorbonne in französischer Literatur. Nach der Gründung und mehrjährigen Leitung einer bilingualen Kindertagesstätte in einem Pariser Vorort studierte sie Sozialpsychologie mit Schwerpunkt Bilingualismus. Sie unterrichtet in der Berufsfortbildung, u.a. an der Universität Paris V, arbeitet als Beraterin für Mehrsprachigkeit in Paris, ist Herausgeberin einer Internetseite über Zweisprachigkeit (www.bilinguismeconseil.com) und Gründerin eines Sprachencafés für internationale Familien in Paris (www.cafebilingue.com).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 201
    Erscheinungsdatum: 22.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406618376
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: Le défi des enfants bilingues. Grandir et vivre en parlant plusieurs langues
    Größe: 2607 kBytes
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Zweisprachig aufwachsen

1. Was ist Sprache?

Wie lernen wir sprechen?

"Die Grundlage der Kreativität eines Volkes ist seine Sprache", betonte der französische Dichter Stendhal. Sprache ist ein System von Symbolen, mittels derer wir uns unserer Umgebung mitteilen können; unsere Gedanken, Gefühle und Wünsche drücken wir - wenn auch nicht ausschließlich - durch Sprechen aus. Sprache hat mit Macht zu tun, mit Gefühlen, Sprache kann ausgrenzen und einschließen. Sprache beeinflusst nicht nur, wie wir die Dinge um uns herum benennen, sondern auch, wie wir die Welt sehen und wie wir von der Welt, von den anderen gesehen werden. Sprache dient der Kommunikation: Wir sprechen miteinander, um uns mitzuteilen, um Informationen zu erhalten, um zu beeinflussen oder zu überzeugen.

Sprache hat auch eine soziokulturelle Komponente, wie der Anthropologe Edward Sapir als Erster hervorgehoben hat. Sprache, sagt er, ist eine erworbene, kulturelle Fertigkeit, man wird in sie hineingeboren und von ihr geprägt.[ 4 ]

Dass die Voraussetzungen für das Entstehen von Sprache im Gehirn liegen, daran gibt es keinen Zweifel. Dass diese bei der Geburt bereits vorhanden sind, ist anzunehmen. Ob und wie das angeborene Talent sich entfaltet, hängt von der unmittelbaren Umgebung ab, in die der Säugling hineingeboren wird.

Nur durch die Interaktion mit anderen sprechenden Wesen wird die angeborene Sprachfähigkeit zur Sprechfertigkeit. Um diese zu entwickeln, muss das Kind nicht nur Bedeutungen aus dem Schwall von Lauten herausfinden, von dem es umgeben ist, es muss auch Worte entziffern und die Regeln erkennen lernen, die die Wortreihen zu Sätzen werden lassen. Es muss die stilistischen Feinheiten seiner Muttersprache erfassen, um sein Sprachverhalten allen Lebenslagen anzupassen. Und es muss natürlich eines mitbringen: die Lust und Neugierde, mit seiner unmittelbaren Umgebung zu kommunizieren, sich seiner Umwelt mitzuteilen.
Vom ersten Schrei zum Lallen

Die Urform des Sich-Mitteilens ist der Schrei. Der Schrei des Neugeborenen ruft die Mutter (oder eine andere Bezugsperson) herbei, durch Schreien drückt das Neugeborene Hunger, Schmerzen oder Unwohlsein aus. Die Mutter reagiert instinktiv mit der richtigen Geste, um ihr Kind zu beruhigen. Hier wird der Grundstein für die Sprache gelegt: mit dem "Sich-aufeinander-Einstimmen", dem "accordage affectif"[ 5 ] von Mutter und Säugling beginnt der Spracherwerb.

Beim Sprechenlernen lernt das Kind nicht nur, wie man Dinge benennt, es lernt auch die wichtigsten Kommunikationsformen, wie Fragen, Berichten, Benennen, Überzeugen. Die situationsspezifische Sprachfertigkeit, das heißt Kenntnis davon, wie man Sprache der Situation angemessen anwendet, erwirbt das Kind durch den Kontakt mit den Menschen in seiner Umgebung. Gleichzeitig erwirbt es Schritt für Schritt ein ganz spezifisches Sprachwissen: Es lernt, wie man sich in einer bestimmten Sprache ausdrückt, und zwar in der, die in seiner Umgebung gesprochen wird. Dieses Sprachwissen kann einfach sein - in einsprachiger Umgebung - oder vielfältig, wenn verschiedene Bezugspersonen mit dem Kind verschiedene Sprachen sprechen.

Wie wir gesehen haben, ist das Sprechenlernen ein Vorgang, der seinen Urantrieb in der Bindung zur Mutter findet, lange bevor das Kind selbst anfängt, zu sprechen. Bis dahin hat es einen langen Weg zurückzulegen: Bevor Laute zu Bedeutungseinheiten und zu Worten geordnet werden, müssen Töne oder Lautfolgen aus dem "Lautbrei" abgegrenzt werden, dem das Kind ausgesetzt ist. Um die Fähigkeit der Lautunterscheidung des wenige Tage alten Neugeborenen weiß man seit mehr als 30 Jahren. Seitdem benutzt man in der Forschung eine ebenso einfache wie geniale Methode, die auf dem starken Saugbedarf von Babys beruht. Das Baby bekommt einen Schnuller, der an ein Messinstrument angeschlossen ist und die Saugintensität misst. Ist das Baby gesättigt, ist es eine kurze Zeit für neue Eindrücke aufnahmebereit,

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