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Interessenvertretung im Zeichen von Restrukturierung und Internationalisierung von Bollermann, Matthias (eBook)

  • Verlag: Diplomica
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Interessenvertretung im Zeichen von Restrukturierung und Internationalisierung

'Inhaltsangabe:Einleitung:

Innerhalb des deutschen Institutionensystems industrieller Beziehungen konnten Betriebsräte, gewerkschaftliche Vertrauensleute und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, einschließlich der Gewerkschaftsvertreter, in ihrer Gesamtheit als betriebliche Interessenvertretung bezeichnet, die Interessen der Beschäftigten lange Zeit im Betrieb bzw. in den Unternehmen vertreten. Der Vertretungsauftrag korrespondierte nicht nur mit den Erwartungen der Beschäftigten, sondern auch mit der jeweiligen Unternehmensentwicklung und einer "sozial befriedeten Gesellschaft".

Seit Ende der achtziger Jahre ist diese Harmonie zwischen sozialem Frieden, Unternehmensentwicklung und einem wachsenden materiellen und sozialen Gratifikationssystem, der die Belegschaft an den Erfolgen der Unternehmen partizipieren ließ, in besonderer Weise gefährdet. Restrukturierungsmaßnahmen in den Betrieben und eine zunehmende Globalisierung der Aktivitäten von Unternehmen zielen auf Veränderungen von Unternehmensstrukturen und Arbeitsbedingungen ab, wodurch die Unternehmen dem starren Korsett nationalstaatlicher Regulierungen und institutioneller Zwänge entfliehen wollen, um unter dem Primat des Wettbewerbs Kosten einzusparen, und um flexibler auf Marktanforderungen reagieren zu können.

Konkret erlangten deutsche Unternehmen die Möglichkeit, nach dem Zusammenbruch der osteuropäischen staatssozialistischen Regime, sich dem "Modell Deutschland" zu entziehen, indem Teile der Produktion oder gesamte Produktionszweige in nun zugängliche Niedriglohnländer in relativer Nähe verlagert werden konnten. Ob dies auch tatsächlich durchgeführt wurde, oder lediglich die Option zur Verlagerung "ins Spiel gebracht" wurde, war in diesem Fall gleich. Das Drohpotential reichte aus, um die betrieblichen Interessenvertretungen in ein "concession bargaining" zu zwingen, wenn die Interessenvertreter die Beschäftigung weiterhin effektiv sichern wollten. Dieses war zumeist mit dem Abbau oder Aufweichen von ehemals erkämpften Rechten auf der Betriebsebene verbunden. Darüber hinaus zeichnet Streeck (1998) ein noch viel düsteres Bild und prognostiziert die Aushöhlung des gesamten Institutionensystems industrieller Beziehungen.

Die Folgen des "concession bargaining" führen die Interessenvertretungen in das Dilemma, zum einen ihre Funktion vor der Belegschaft zu legitimieren, indem sie weiterhin die Interessen der Belegschaft gegenüber den Management vertreten müssen, zum anderen dies aber nicht zu rigoros sein darf, da zu starke Forderungen möglicherweise zum Belegschaftsabbau führen, wenn die Verlagerungsoption ausgespielt wird. Anders ausgedrückt: die entstandene Ungleichheit in der Kongruenz der Handlungsfelder von Interessenvertretung und Unternehmen führt innerhalb der Arbeitsbeziehungen zu einer Machtverschiebung zugunsten des Management, was die erkämpften "industrial rights" auf nationaler Ebene gefährdet.

Diese Prognose zum Anlass nehmend setzt sich die vorliegende Arbeit mit der Analyse der betrieblichen Arbeitsbeziehungen bei Volkswagen auseinander, wobei die erkenntnisleitende Fragestellung zugrunde gelegt wird, wie sich die betrieblichen Arbeitsbeziehungen infolge der von außen an sie heran getragenen Veränderungsdynamik verändern bzw. entwickeln.

Aus der Unternehmensgeschichte von Volkswagen ist zu erkennen, daß der Konzern seit dem Zweiten Weltkrieg einige Veränderungen erlebt hat, die aufgrund von Krisen eingetreten sind, Reaktionen auf veränderte Marktbedingungen waren oder ihren Grund in einer angestrebten Verbesserung der Produktivität hatten. Neue Konzern- und Produktstrukturen sowie veränderte Produktions- und Fertigungsstrategien waren die Folge.

Für die Unternehmensvertreter von Volkswagen sind Veränderungen, die sich auf eine potentielle Neuformulierung der Unternehmenspolitik beziehen also genauso wenig neu, wie für die betriebliche Interessen

Produktinformationen

    Größe: 1703kBytes
    Herausgeber: Diplomica
    Untertitel: Das Beispiel Volkswagen
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 153
    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    ISBN: 9783832427122
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