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Das Spiel in der heilpädagogischen Arbeit von Schroer, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
28,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Das Spiel in der heilpädagogischen Arbeit

Die Einbeziehung des kindlichen Spiels in heilpädagogische Förderangebote hat eine lange Tradition. Unter dem Leitbild der Inklusion wird die Spielpädagogik sogar noch an Gewicht als zentrales Konzept gewinnen: Das Spiel erweist sich dann als Ort der Begegnung zwischen Kindern mit und ohne heilpädagogischen Förderbedarf. Das Buch liefert eine philosophisch basierte und neuropsychologisch orientierte Einführung in das Grundphänomen Spiel. Die Spielentwicklung & auch unter erschwerten Bedingungen & wird anhand der relevanten Spielformen wie Funktions-, Rollen-, Konstruktions- und Regelspiel differenziert dargestellt. Der Text zeigt auf, wie über die förderdiagnostische Spielbeobachtung und -auswertung Spielformen (weiter)entwickelt und Spielmaterialien ausgewählt, letztendlich heilpädagogische Spielräume gestaltet werden können. Das Buch führt anschließend in etablierte spielbasierte Handlungskonzepte wie die 'Heilpädagogische Übungsbehandlung' und die 'Heilpädagogische Spieltherapie' ein. Barbara Schroer ist als Heilpädagogin in einem Sozialpädiatrischen Zentrum tätig und hat einen Lehrauftrag an der Katholischen Hochschule (KatHO) in Münster. Elke Biene-Deißler ist Heilpädagogin und Supervisorin im Ruhestand. Professor Dr. Heinrich Greving lehrt an der Katholischen Hochschule (KatHO) in Münster sowie an der Universität Hamburg.

Produktinformationen

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Das Spiel in der heilpädagogischen Arbeit

1 Eine philosophische Basis: Der Mensch als "homo ludens"

Das Spiel stellt - nicht erst nach Huizinga (vgl. Huizinga 1938) - ein kulturelles Element dar: Spiel erscheint in der Kultur, Spiel wird durch Kultur real, Spiel ist Kultur. Mehr noch: Spiel bekommt eine kulturschaffende Funktion, wird lebendig und gestaltend in Fragen der Dichtung, des Wissens, ja sogar der Philosophie und der Kunst (vgl. Huizinga 1938, 75-278). Im Spiel stellt sich der Mensch somit in die kulturellen Bezüge seiner Welt: Diese werden im Spiel und durch Spielen generell geschaffen, verändert und in einigen Teilen sogar auch zu ernsten Themen und Vollzügen (wie z. B. in liturgischen Handlungen). Im Spiel erfährt das Kind ein Hineinkommen, ein Ankommen in die jeweilige Kultur - so z. B. durch die Rollenspiele. Das Spiel umfasst hierbei sowohl pädagogische als auch kulturprägende und sozialisierende Funktionen - so z. B. in der Entwicklung der Beziehung zwischen den Spielenden, im Kennenlernen von Normen und Werten einer Gesellschaft und vieles andere mehr. Weit über diesen argumentativen Kontext hinaus betrifft das Spiel nicht nur das Kind, sondern hat auch eine "Bedeutung für unsere Lebensführung" (Prange/Strobel-Eisele 2015, 120). Mit Bezug auf Huizinga stellen Prange und Strobel-Eisele fest, dass es "ohne Spiel keine Kultur (gibt)" (ebd.). Eine solchermaßen verstandene Wirksamkeit und Wirkmächtigkeit des Spiels führt dazu, dies sehr weit zu fassen, so dass mit Huizinga dargestellt werden kann, dass hierunter "alle sinndarstellenden Handlungen, in denen wir unser kollektives und individuelles Verständnis des Lebens ausdrücken[, fallen], d. h., wie wir uns und die anderen sehen" (ebd.). So wird auch der erwachsene Mensch zu einem spielenden Menschen: Er erfährt bzw. bringt kreativ im Spiel folgende Merkmale hervor:

Das Spiel ist immer eine freie Handlung. Das Spiel entsteht in Freiheit und erschafft hierbei auch Freiheit. Das Spiel ist nicht wirtschaftlich orientiert, sondern auf sich selbst bezogen - es genügt sich folglich selbst. Zu diesem Spiel gehören immer auch Raum und Zeit, also Spielraum und Spielzeit, in denen es stattzufinden vermag. Zu jedem Spiel gehören Regeln, welche je nach Spielform immer aber auch wieder verändert werden können - wie dieses im Regel-, aber auch im Funktionsspiel der Fall ist. Durch das Spiel erlebt der Mensch sich in der Erfahrung des "Als-ob": Er tut so, als sei er jemand, jemand anderer, ein Ding, ein Tier, in einer anderen Welt usw. Last but not least: Durch all diese Merkmale erzeugt und erhält das Spiel Formen der Gemeinsamkeit zwischen den Spielenden. Es entstehen Dialog und Nähe (ebd., 121).

Auf diesem argumentativen Hintergrund erscheint "Leben als Spiel" (Schmidt 2005, 23). Leben und Spiel werden zu einer Lebenskunst verbunden, in welcher der Spielende sich mit dem Zufälligen, mit dem Widerständigen, mit unterschiedlichsten Ebenen der (weltlichen, gegenständlichen und menschlichen) Polarität auseinandersetzen muss, um so, mehr oder weniger, zu sich zu finden (ebd., 23-31). Das Spiel verfolgt hier, z. T. ohne es bewusst zu tun, unterschiedliche Ziele: Es ereignet sich an Schnittpunkten von bildenden, philosophischen und auf die Ästhetik bezogenen Handlungsspielräumen (vgl. Reitemeyer 2005, 47). In den Konkretionen des Spiels erfährt sich der Mensch, so zumindest Schiller recht treffend, erst recht als Mensch. Das Spiel stellt sich hierbei als "gestaltete Zeit" (Portmann 1976, 58) dar. Durch das Spiel bekommt die Zeit, welche ansonsten unscheinbar, unmerklich, unstrukturiert - vielleicht durch Arbeit organisiert - verfließt, eine individuelle Kantigkeit. Die Zeit erfährt eine deutliche Bestimmung, eine zutiefst subjekt-, aber auch auf den anderen bezogene Normierung, welche so einzig und allein durch das Spiel entstehen kann. Hierzu noch einmal Schille

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