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Elternarbeit und Behinderung Empowerment - Inklusion - Wohlbefinden

  • Erscheinungsdatum: 05.06.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Elternarbeit und Behinderung

Mit einem behinderten Kind zu leben, stellt Eltern und Familien immer wieder vor unerwartete und vielfältige Herausforderungen. Fachlich einfühlsame und kompetente Beratung, Begleitung, Therapie und Assistenz vermögen Entwicklungschancen zu unterstützen und lebensweltbezogene Empowermentprozesse zu stärken. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes - Wissenschaftler und betroffene Eltern - reflektieren ihre Rollen im Kontext der komplexen Anforderungen und beziehen auch weitere Beteiligte wie Geschwister und Großeltern mit ein. Thematisiert werden lebenslauftypische Schwellensituationen von der Frühförderung über Kindergarten, Schule und Berufswahl, bis hin zum Auszug aus dem Elternhaus, der Freizeitgestaltung, der Sexualität und Partnerschaft. Methodische Konsequenzen werden für eine Elternarbeit entfaltet, welche die Vielfalt der Anforderungen an Familien berücksichtigt.

Professor Dr. Udo Wilken lehrt an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Professorin Dr. Barbara Jeltsch-Schudel lehrt am Heilpädagogisches Institut der Universität Freiburg (Schweiz).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 05.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170259867
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 954 kBytes
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Elternarbeit und Behinderung

Mütter, Väter und Großeltern von Kindern mit Behinderung. Herausforderungen - Ressourcen - Zukunftsplanung

Monika Seifert

Familien mit behinderten Kindern werden mit Herausforderungen konfrontiert, für die es keine gesellschaftlichen Vorbilder gibt. Sie müssen sich mit Fragen beschäftigen, die ihnen zuvor fern waren, und bestehende Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung des Kindes und ihrer eigenen Lebensplanung revidieren. Neue Strategien für das Zusammenleben müssen entwickelt und erprobt werden.

Trotz der gravierenden Veränderungen im Alltag gelingt es einem großen Teil der Familien, sich mit der neuen Situation zu arrangieren und das familiale Gleichgewicht wiederherzustellen. Unterschiedliche Entwicklungen sind bedingt durch die Lebenslagen der Familien, die Qualität der binnenfamilialen Beziehungen, die subjektive Wahrnehmung der Behinderung und der veränderten Lebenssituation sowie durch kulturell und milieubedingte Werte. Von besonderer Bedeutung für ein gelingendes Zusammenleben ist die soziale, materielle und professionelle Unterstützung, die der Familie zuteil wird. Im Alltag mit dem behinderten Kind entwickeln die Beteiligten vielfältige Kompetenzen. Häufig werden die Erfahrungen als Gewinn für die eigene Entwicklung erlebt, auch bei schweren Behinderungen des Kindes (vgl. Praschak 2003; Seifert 1990 und 1997).
Zur Situation von Müttern

Während früher die Betreuung eines behinderten Kindes oft zum Lebensinhalt der Mütter wurde, haben die meisten Mütter heute ein anderes Rollenverständnis und entwickeln andere Lebensperspektiven. Ihre Vorstellungen sind eingebunden in gesellschaftliche Veränderungsprozesse, die Müttern generell mehr Chancen für eine selbstbestimmte Lebensplanung eröffnen, aber zugleich den Erwartungsdruck und die Belastungen erhöhen (vgl. Wachtel & Weiß 2002). Die von den meisten Frauen angestrebte Verknüpfung von Familienarbeit und Erwerbsarbeit und die gestiegene gesellschaftliche Erwartung einer optimalen Förderung des Kindes konfrontieren die Mütter mit widersprüchlichen Anforderungen - vor allem wenn die Männerrolle tradierten Vorstellungen verhaftet bleibt und veränderte verwandtschaftliche Strukturen immer weniger Unterstützung bieten können.

Im Fall der Behinderung eines Kindes gelten die Probleme verstärkt. Die Bedürfnisse des Kindes bestimmen den Alltag der Mütter in noch stärkerem Maß und weit über die Kleinkindphase hinaus. Die bedingungslose Übernahme der kindbezogenen Verpflichtungen entspricht den gesellschaftlichen Erwartungen und führt in der Konsequenz zu einer Zementierung der traditionellen geschlechtsspezifischen Rollenverteilung.

Die psychosoziale Situation von Müttern behinderter Kinder ist wesentlich durch die Auseinandersetzung mit der Behinderung geprägt. Typische Erfahrungen werden von Monika Jonas (1990) in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt und aus feministisch-psychoanalytischer Perspektive als dreifaches Verlusterleben charakterisiert: als kindzentriertes, identitätszentriertes und sozialzentriertes Verlusterleben. In diesem Kontext bedeutet die Geburt eines behinderten Kindes für die Frau den Verlust des 'idealen' Kindes, das sie gewünscht hat. Ambivalente Gefühle kennzeichnen ihre psychische Befindlichkeit: Zuneigung und Hoffnung vermischen sich mit Enttäuschung, Wut und Ablehnung - bis hin zu Todeswünschen gegenüber dem Kind. Negativ besetzte Emotionen wecken wiederum Schuldgefühle, da sie dem von der Gesellschaft erwarteten und von der Frau verinnerlichten Bild einer guten Mutter entgegen stehen.

"Mit seinem Verhalten macht er es mir unmöglich, eine liebevolle, einfühlsame Mutter zu sein. Ich verstehe sein Schreien nicht, weiß nicht, was ich noch machen könnte, um ihn zu beruhigen. Nichts ist mit tollster Mutter der Welt, stündlich versage ich, tue irgendwas, das ihn zum Weinen bringt. Total übermüdet und mit verwundeten Nerven, beziehe ich jede U

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