text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Frühförderung Ein Hilfesystem im Wandel von Sohns, Armin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.08.2010
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
23,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Frühförderung

Von über 1.000 Frühfördereinrichtungen in Deutschland werden Familien, bei deren Kindern ein Entwicklungsrisiko oder eine Behinderung vermutet oder festgestellt wird, umfassende Hilfen angeboten - traditionell überwiegend als heilpädagogische 'Hausfrühförderung'. Inzwischen hat sich die Frühförderung zu einem eigenen interdisziplinären System entwickelt. Das Buch analysiert zum einen die sich verändernden Bedarfe von Kindern und Familien an Frühförderung und vergleicht diese mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Zum anderen arbeitet es die Umsetzung der fachlichen und rechtlichen Ansprüche durch die deutschen Rehabilitationsträger auf. Am Ende steht ein eindringlicher Appell für verbesserte Hilfen für Familien, deren Aufgaben immer komplizierter und anspruchsvoller werden. Dabei werden in zahlreichen Beispielen die bestehenden Hilfestrukturen und ihre Verbesserungsmöglichkeiten illustriert. Gleichzeitig entsteht die kritische Bilanz eines deutschen Hilfesystems, das in Folge starrer administrativer Strukturen trotz hoher finanzieller Aufwendungen in den meisten Regionen weit hinter ihren fachlichen Ansprüchen zurück bleibt. Dr. Armin Sohns ist Professor für Heilpädagogik an der Fachhochschule Nordhausen. Gleichzeitig leitet er das wissenschaftliche 'Instituts für Interdisziplinäre Frühförderung' an der SRH-Hochschule für Gesundheit in Gera und lehrt dort als Gastprofessor.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 303
    Erscheinungsdatum: 19.08.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170229150
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 2065 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Frühförderung

Einführung

Kinder brauchen Frühförderung. Mehr denn je. Das können wir empirisch belegen. Die Nachfrage steigt insbesondere im Bereich der medizinischen Therapie, aber auch in Form von familienorientierten Hilfen zur Stärkung des gesamten Umfeldes der Kinder. Aber was ist Frühförderung? Und was brauchen unsere Kinder wirklich, die angeblich immer therapiebedürftiger werden?

Wird "Therapie" zunehmend eingesetzt als Kompensation gesellschaftlicher Veränderungen und ihrer Auswirkungen auf die Entwicklungsmöglichkeiten von kleinen Kindern? Offensichtlich hat sich der Druck durch "PISA" 1 noch verstärkt: Wenn deutsche Kinder im internationalen (Leistungs-)Vergleich zurück bleiben, muss doch mehr getan werden! Aber was?

Die Entwicklung in der Praxis zielt in zwei Richtungen: Zum einen in eine mittelstandsorientierte Frühförderung im Spiegel eines leistungsorientierten Denkens. Die Folge sind dramatische Steigerungsraten in den klassischen Therapieformen, v.a. Ergotherapie und Sprachtherapie. Zum anderen mit einem Fokus auf sogenannte "Sozial benachteiligte Familien mit niedrigem Bildungstand", deren prägnanter Ausschluss von Integrations- und Entwicklungsmöglichkeiten besonders in Deutschland beklagt werden muss. Hieraus entwickeln sich neue Fragestellungen an eine moderne Frühförderung.

In der Reihe "Praxis Heilpädagogik - Handlungsfelder" spielt der Bereich "Frühförderung" eine besondere Rolle, die auf ihre historische Entstehung zurück führt: Entstanden als ursprünglich pädagogischer Begriff aus dem Deutschen Bildungsrat 1973, bildet er seitdem die fachliche Grundlage für die hieraus entstandenen Frühförderstellen. Deren Grundlage bildeten wiederum sogenannte "heilpädagogische Maßnahmen", für die der Gesetzgeber 1974 einen Rechtsanspruch einführte. Bis heute bildet die Heilpädagogik eine Art Leitdisziplin für Frühförderstellen. Dieses Buch wird aufzeigen, warum dieser Anspruch für den pädagogischen Bereich nach wie vor Gültigkeit hat, gleichzeitig sich sowohl die Heilpädagogik als auch die gesamte Frühförderung in einem fachlichen und strukturellen Wandel befindet, von dem noch nicht absehbar ist, in welche Richtung er sich vollziehen wird. Dabei stehen sich fachliche und wissenschaftliche Konzepte einerseits und administrative Interessen und Traditionen andererseits scheinbar unvereinbar gegenüber.

Frühförderung hat sich in den letzten vier Jahrzehnten zu einem selbständigen System entwickelt, das sich an den Rändern unscharf mit Nachbarsystemen überschneidet. Sie hat dabei punktuell eine eigene Identität entwickelt, die sich daran festmacht, dass sich Fachpersonen als "Frühförderer" verstehen mit eigenen abgegrenzten professionellen Ansprüchen. Zu den Ansprüchen (der klassisch pädagogischen Frühförderung) gehört bspw. in den westdeutschen Bundesländern die Mobilität, das Aufsuchen der Familien zu Hause. Diese Identität ist seit Jahrzehnten spürbar, wenn Fachpersonen aus Frühförderstellen auf überregionalen Kongressen zusammen kommen und ihre Rahmenbedingungen und Arbeitserfahrungen in den jeweiligen Regionen austauschen.

"Die Frühförderung ist ein System, das die Unterstützung der Entwicklung der Kinder mit den Bedürfnissen der Eltern nach Hilfe und Begleitung zusammenführt" (Sohns 2000 a, 11).

Um das Selbstverständnis von Frühförderung zu verstehen und nachvollziehen zu können, warum die Frühförderung sich so ausgestaltet hat, wie sie sich heute darstellt, und ihre inhaltlichen Angebote für Kinder und ihre Familien sich so und nicht anders gestalten, ist es notwendig, das in den 1970er Jahren entstandene System einerseits in seinem Selbstverständnis zu erfassen, andererseits in seinen Auseinandersetzungen - Abgrenzungen und zaghaften Kooperationsversuchen - mit anderen mächtigen Systemen. Im Schatten dieser Systeme -

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen