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Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens von Schroeder, Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.07.2015
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens

Das Buch liefert zunächst einen profunden Überblick zu Theorien und pädagogischen Entwürfen, die sich auf die Behinderungen und Beeinträchtigungen des Lernens von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen beziehen. Mit dem Begriff der Bildungsbenachteiligung werden dann nicht nur die verzögerten Lerngeschichten in den Blick genommen, sondern auch die behindernden Lernverhältnisse und beeinträchtigenden Lebenswelten. Vor diesem Hintergrund wird die Pädagogik der Lernbehinderung als bildungstheoretisch fundierte Lebenslagenpädagogik skizziert und an verschiedenen Basiskonzepten, wie zum Beispiel Alltags-, Arbeitswelt- und Sozialraumorientierung, konkretisiert. Dabei wird deutlich, dass die Verknüpfung von Lebenswelt, Konzepten des Lebenslaufs und den (Bildungs-) Institutionen das zentrale pädagogische Problem in Theorie und Praxis darstellt. Professor Dr. Joachim Schroeder lehrt an der Universität Hamburg mit dem Schwerpunkt Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 235
    Erscheinungsdatum: 22.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170267572
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 3315 kBytes
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Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens

2 PREKARITÄT, PLURALITÄT UND BILDUNG

Die ob ihres Vorschlags zur Einführung besonderer Einrichtungen für Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen des Lernens viel gescholtenen "Väter der Hilfsschulpädagogik" (u.a. Heinrich Stötzner, Heinrich Kiehlhorn, Arno Fuchs) und auch die Kritiker dieser Bestrebung, die sich gegen eine Separierung und für einen Verbleib der "schwachbegabten" Schülerinnen und Schüler in der Volksschule aussprachen (Hermann Piper, Louis Esche, Franz Frenzel), waren sich in einem einig:

"dass ein überwiegender Procentsatz der Schwachbegabten der Klasse der wirtschaftlich schwachen und ganz schwachen Leute angehört, wo die Eltern oft genug auf einen geradezu kümmerlichen Verdienst angewiesen sind, wo in causalem Zusammenhang damit höchst mangelhafte Ernährungsverhältnisse, nicht selten eine geradezu elende Wohnungsnot mit bedenklicher Eigenart der Schlafgelegenheiten herrschen, wo die Armut sich paart mit Schmutz, Verwahrlosung und manchmal ganz zerrütteten Familienverhältnissen" (Schlesinger 1907, in Ellger-Rüttgardt 2003, S. 87; Hervorhebungen im Original).

Sieglind Ellger-Rüttgardt (2003) hat einen kritisch redigierten und kommentierten Quellenband herausgegeben, in dem an zahlreichen Texten der genannten und vieler anderer Lehrer - und einer Lehrerin - die disziplinären Kontroversen nachgelesen werden können, die in den Anfängen der Hilfsschulpädagogik geführt wurden. In den Schriften spiegelt sich sehr deutlich das damalige Ringen der Hilfs- und Volksschullehrerschaft wider, angemessene pädagogische Antworten auf die "soziale Frage" ihrer Schüler zu finden (ebd., S. 65). Denn das Lernen in der Moderne findet in kulturell ausdifferenzierten Gesellschaften statt (Pluralität), die durch soziale Ungleichheit charakterisiert sind (Prekarität).

Wie gezeigt, ist die Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens zunächst auf das Kindes- bzw. Jugendalter und die Schule fokussiert. Der disziplinäre Diskurs hat indes im geschichtlichen Fortgang zahlreiche Erweiterungen erfahren: Obwohl die Alphabetisierung von lese- und schreibunkundigen Erwachsenen in der Weimarer Republik ein wichtiges Handlungsfeld der "Arbeiterbildung" war, wird dieses Lebensalter in die disziplinäre Reflexion doch erst relativ spät systematisch einbezogen. Mit Frühförderung einerseits und Berufsbildung andererseits kommen weitere Erziehungs- und Bildungsinstitutionen als nur die allgemeinbildende Schule in den Blick, zudem wird mit den Unterstützungseinrichtungen der Sozialen Arbeit kooperiert, und auch die Institutionen der kulturellen Bildung werden für die Lernförderung genutzt.

Die Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens begrenzt sich nicht auf die Probleme des schulischen Lernens im Kindes- und Jugendalter, sondern folgt der Einsicht, dass sich das Lernen biografisch in allen Lebensphasen und institutionell an einer Vielzahl von Lernorten vollzieht.

Diese disziplinäre Weiterentwicklung ist mit dem Wandel in der erziehungswissenschaftlichen Theoriebildung verbunden. So heißt es 2004 im Vorwort zur Dokumentation eines Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft: "Trotz unterschiedlicher Auffassungen über Bildungsziele, Bildungsstandards, Kerncurricula, überfachliche Kompetenzen, Aussagewerte von Leistungsvergleichen usw. sind sich alle Beteiligten in einem Punkte einig: Bildung ist nicht auf die Schule als Institution und nicht auf Kindheit und Jugend als Lebensphase begrenzt. Vielmehr verlangt die moderne Welt ein neues Konzept: Bildung über die Lebenszeit. [...] Dafür steht der - auch international gebräuchliche - Begriff 'lebenslanges Lernen' " (Fatke/Merkens 2006, S. 9; Hervorhebungen im Original).
2.1 Lebensphasen, Lebenslauf und lebenslang

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