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Psychische Störungen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung Grundlagen und Handlungsoptionen in Schule und Unterricht. Mit Online-Materialien

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2018
  • Verlag: Beltz
eBook (ePUB)
22,99 €
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Psychische Störungen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Psychische Störungen treten bei Lernenden mit geistiger Behinderung häufiger auf als bei nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen; im Kontext von Inklusion sind davon auch immer mehr Regelschulen betroffen. Das bringt besondere Herausforderungen mit sich: in der Diagnostik, in der Gestaltung von Lernprozessen und Beziehungen, in der Kooperation der Fachpersonen und Einrichtungen. Notwendig sind hierfür Lösungen mit individuellem Zuschnitt - und ein interdisziplinärer Austausch, der u. a. folgenden Fragen auf den Grund geht: - Wie äußern sich psychische Störungen? - Wie lassen sich Unterricht entwickeln und Beziehungen gestalten? - Welche Kooperationspartner bieten Unterstützung? - Welche Bedeutung haben Psychopharmaka? Grundlagen zur Heilpädagogik und Psychiatrie im Kontext Schule werden von den Autoren dieses Sammelbandes ebenso dargestellt wie Spezifika zu Traumata, Autismus, Epilepsie oder Fragen der Psychopharmakmedikation bei aggressivem Verhalten; die Darstellung von innovativen Praxisprogrammen aus Förderschulen und der kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis runden diesen praxisnahen Überblick ab.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 08.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407631152
    Verlag: Beltz
    Serie: Pädagogik
    Größe: 5352 kBytes
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Psychische Störungen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Alois Grüter
Heilpädagogik und Psychiatrie im Dialog

Menschen mit einer geistigen Behinderung haben ein erhöhtes Risiko an psychischen Störungen zu leiden. Sie haben ein Anrecht auf gute und fachgerechte Diagnostik und Behandlung. Diese muss in einem interdisziplinären Setting stattfinden, um den Bedürfnissen dieser Personengruppe genügend Rechnung zu tragen. Psychiatrie und Heilpädagogik sind deshalb gefordert, die gegenseitige Entfremdung, die u.a. im Rahmen der Psychiatrieenquete entstanden ist, aufzulösen und sich wieder anzunähern. Im Alltag muss der emotionalen Begleitung mehr Gewicht beigemessen werden.
2.1 Einführung

Menschen mit geistiger Behinderung können auch unter psychischen Störungen leiden - diese Erkenntnis hat sich durchgesetzt. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, dass sich die Heilpädagogik vermehrt dieses Themas annimmt. Die Psychiatrie und die Heilpädagogik, beide Fachgebiete stehen vor der Herausforderung, diesen Menschen die ihnen zustehenden Angebote zur Prävention und Behandlung von psychischen Störungen zu gewährleisten. Was haben sich die beiden Fachgebiete zu sagen? Es zeigt sich ja, dass es zwischen ihnen viele Überschneidungen gibt. Die wichtigste und grundlegendste Gemeinsamkeit ist die Arbeit mit und das Engagement für Menschen, welche von der vermeintlichen Norm abweichen. Ich werde in diesem Kapitel den Blick auf das Verbindende von Heilpädagogik und Psychiatrie richten und dies später am Beispiel der Verhaltensauffälligkeiten aufzeigen.

Alle Beteiligten müssen sich in den verschiedenen interdisziplinären Handlungsfeldern ähnlichen Herausforderungen im Hinblick auf Zusammenarbeit, Koordination, Fachwissen, Transparenz usw. stellen. Dabei sind die verschiedenen Sicht- und Herangehensweisen wichtig. Die Sicht auf Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen setzt sich aus vielen Perspektiven zusammen und erfordert den Diskurs. Nicht alle Beteiligten erleben diese Perspektivenvielfalt als Bereicherung. Argumente anderer Disziplinen anzuerkennen kann schwierig sein. Will man als Helfer für die angesprochene Klientel Partei ergreifen, ist man verpflichtet, diese Vielfalt anzuerkennen. Wenn sich beide Fachgebiete auf den Diskurs und die Zusammenarbeit einlassen, wird ein optimaler Erfolg der Behandlung möglich ( Kap. 12).
2.2 Rückblick - zum Personenkreis der beiden Disziplinen

Wenn ich in dieser Einführung über den notwendigen Dialog zwischen Psychiatrie und Heilpädagogik schreibe, geht dies nicht ohne einen kurzen geschichtlichen Blick auf den Umgang mit dieser Personengruppe. Die Auseinandersetzung mit Menschen mit geistiger Behinderung und psychischen Störungen hat in der Geschichte beide Disziplinen beschäftigt.

Wenn wir zurückblicken, waren sich bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts Psychiatrie und Heilpädagogik nicht fremd. Sie haben eine Zusammenarbeit praktiziert. Bis Anfang des letzten Jahrhunderts lassen sich sogar Zeitschriften finden ( Zeitschrift für die Erforschung des jugendlichen Schwachsinns auf wissenschaftlicher Grundlage und Die Kinderfehler. Zeitschrift für Kinderforschung ), die gemeinsam herausgegeben und genutzt wurden. Mit der zunehmenden Differenzierung von psychischen Störungen im Rahmen der psychiatrischen Weiterentwicklung und dem Bedürfnis der Pädagogik und Psychologie, sich von der Medizin abzuheben und sich therapeutisch weiterzuentwickeln, entfernten sich die beiden Disziplinen voneinander. Dabei spielte wohl auch bei beiden die Institutionalisierung eine Rolle. Die Psychiatrie entwickelte sich von der Irrenanstalt über die Heil- und Pflegeanstalt zur Klinik . Die Pädagogik institutionalisierte sich über die Volksschule.

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