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Konfliktklärung als didaktische Herausforderung Subjektive Handlungskonzepte zur Bewältigung von Konfliktsituationen von Keller, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.12.2009
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
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Konfliktklärung als didaktische Herausforderung

In nahezu allen beruflichen Handlungsfeldern zählt die Klärung und Lösung von Konflikten zu einer der zentralen Anforderungen. Vor diesem Hintergrund ist es nahezu zwangsläufig, dass Konfliktfähigkeit auch in der Wirtschaftspraxis eingefordert und beispielsweise von Stell- bewerbern als eine zentrale Handlungskompetenz erwartet wird. Konfliktfähigkeit erscheint als etwas Selbstverständliches, sie offenbart sich bei genauem Hinsehen jedoch als etwas Unverständliches, das zwar häufig zitiert, aber nur selten theoretisch geklärt und präzisiert wird. Der Begriff wird mit höchst unterschiedlichen Bedeutungsgehalten versehen, und auch vermeintliche Konkretisierungen bieten häufig keine Antworten, sondern werfen neue Fragen auf. Angesichts der Unbestimmtheit des Begriffs verwundert es dann auch nicht, dass Konzepte zur didaktischen Entwicklung von Konfliktfähigkeit gleichermassen unbestimmt und unklar bleiben. An dieser Stelle setzt die Untersuchung von Martin Keller an. Als Ausgangspunkt wählt er jedoch nicht die nahe liegende Fragestellung nach der Präzisierung von Konfliktfähigkeit als Lernziel für pädagogische Interventionen, sondern er formuliert als sein Erkenntn- interesse die Frage, mit welchen vorgängigen Vorstellungen, Einstellungen und Fertigkeiten Lernende in Lehrveranstaltungen eintreten, die eine Förderung ihrer Konfliktfähigkeit - streben. Inwieweit verfügen die Lernenden vor Beginn der Lehrveranstaltung bereits über entsprechende Konfliktklärungsstrategien, an die angeknüpft werden kann? In welcher - ziehung stehen die Subjektiven Theorien der Lernenden über Konfliktklärung zu relevanten wissenschaftlichen Theorien in diesem Bereich? Welche Konsequenzen ergeben sich für das didaktische Handeln der Lehrenden? Mit diesen Perspektiven greift der Verfasser das in der Didaktik ebenso verbreitete wie vernachlässigte Postulat auf, nach dem didaktische Int- ventionen an den Lernvoraussetzungen der Lernenden anknüpfen sollen. Dr. Martin Keller ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter am Institut für Wirtschaftspädagogik sowie Lehrbeauftragter für Handlungskompetenz und Wirtschaftspädagogik an der Universität St. Gallen (HSG).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 555
    Erscheinungsdatum: 24.12.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531917986
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 4300 kBytes
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Konfliktklärung als didaktische Herausforderung

Teil I Einleitung (S. 21)

1 Ausgangslage

In der heutigen, arbeitsteiligen Gesellschaft, in welcher Menschen, geleitet durch dynamische Ordnungen, vielschichtig miteinander in Kontakt stehen, bilden Konflikte ein allgegenwärtiges Moment ihres Zusammenlebens. Konflikte sind integraler Bestandteil zwischenmenschlicher Beziehungen und gehören somit zum täglichen Leben jedes Individuums.

Treffend formuliert SCHULZ VON THUN: "Überall, wo Menschen miteinander schaffen, machen sie sich früher oder später zu schaffen." Diese Gegebenheit hat sich wohl auch im neuen Millennium nicht verändert. Menschen arbeiten zusammen, sei das in Teams, Projektgruppen oder teilautonomen Arbeitsgruppen - sowohl innerbetrieblich disziplinär oder interdisziplinär oder in Kooperationen mit anderen Unternehmen, national oder international.

Oft fällt es schwer, Unstimmigkeiten, Verunsicherungen, Irritationen, Verhärtungen, Verwirrungen oder Auseinandersetzungen anzusprechen. Die Furcht vor persönlichen Angriffen, Grabenkämpfen, Eskalationen und die Angst, `dass dann alles nur noch schlimmer wird`, hindern Menschen oft, die Problemfelder anzusprechen. Konflikte werden vielfach als belastend und destruktiv wahrgenommen. Diese negativen Gefühle und Assoziationen führen dazu, dass gegenüber Konfliktsituationen mit Ablehnung, Angst oder Vermeidungsstrategien reagiert wird oder dass Konflikte als Kampfsituationen wahrgenommen werden, die gewonnen werden müssen.

Demzufolge werden Konflikte sehr oft entweder vermieden oder durch Zwangs-, Einschüchterungs-, Macht- und Drohstrategien zu regeln versucht. Diese und ähnliche Strategien können zwar eine offene Konfliktaustragung verhindern bzw. mildern, sie leisten allerdings kaum einen konstruktiven Beitrag zur nachhaltigen Klärung. Dieser negativen Anschauung steht seit den 60er-Jahren ein positiveres Konfliktverständnis gegenüber, welches sich in der Kommunikations- und Konfliktforschung verbreitet hat.

Nach Auffassung namhafter Autoren werden Konflikte als fruchtbare Impulse gesehen, um die Kreativität, Flexibilität und Lebendigkeit zu fördern (exemplarisch BERKEL 2002, GLASL 2004, KREYENBERG 2005, MAHLMANN 2000, PRUITT 1998). Konkret fördern sie das Problembewusstsein, vertiefen zwischenmenschliche (Arbeits-)Beziehungen und stärken die Willensabsicht zur Veränderung, indem sie den oft notwendigen Druck hierfür erzeugen.

Der konstruktive Umgang mit Konflikten ermöglicht es, vorhandene Differenzen zu überwinden, ein Problem aus mehreren Perspektiven zu beleuchten sowie die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen zu bereichern. In diesem Sinne werden Konflikte zwar nicht bewusst gesucht oder generiert, dafür aber bewusst thematisiert und behandelt.

Obschon diese positiven Konnotationen von den Konfliktparteien meist nicht erlebt werden, signalisieren Konflikte, dass sich Menschen mit hohem Engagement für ihre Ansichten, Interessen und Ziele einsetzen. Dies gilt sowohl für private als auch berufliche Kontexte. "Denn ein Team, das nie Konflikte hat, besteht in aller Regel aus Mitarbeitern, die ihre innere Kündigung bereits vollzogen haben" (JIRANEK & EDMÜLLER 2007, S. 10).

Es sind also weniger die Konflikte selbst, welche als konstruktiv oder destruktiv zu beurteilen sind, sondern vielmehr der Umgang mit ihnen. Die Frage sollte daher nicht lauten, `dürfen Konflikte entstehen?`, sondern `wie können Konflikte geklärt werden?`. Ausgehend von diesem Verständnis erhält die Sozialkompetenz, Konflikte konstruktiv klären zu können, eine zentrale Bedeutung. "Sozialkompetenz wird als eine wesentliche personale Voraussetzung für die Gestaltung der Kommunikationsbeziehungen im Innen- und Aussenverhältnis der Unternehmung verstanden" (EULER 1997, S. 281).

Die vorliegende Arbeit hat die Gestaltung der Kommunikationsbeziehungen in Konfliktsituationen zum Gegenstand. Die Kompetenz, Konflikte in beruflichen Kontexten nachha

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