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Buschgirl Wie ich unter die Deutschen geriet von Clermont, Rose-Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.09.2010
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)
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Buschgirl

Die aufregenden Erlebnisse einer US-Amerikanerin mit haitianischen Eltern unter Deutschen "Erzählen Sie mir doch von Ihrem Leben im Busch" -so sah sich Rose-Anne Clermont, US-Amerikanerin mit haitianischen Eltern, von einem angeheiterten deutschen Herrn traktiert. Damals wusste sie nicht, sollte sie lachen oder weinen, und auch heute noch rufen ihre Erfahrungen als Schwarze in Deutschland eher gemischte Gefühle hervor. "Buschgirl", das Buch über ihre oft merkwürdigen, manchmal bizarren und häufig erheiternden Erlebnisse in Berlin, im Schwarzwald und anderswo, versammelt komische wie nachdenklich stimmende Geschichten aus dem Leben der Autorin als Studentin, Sprachlehrerin und Journalistin. Mal augenzwinkernd, mal betroffen, mal verwundert, mal verärgert beschreibt sie, wie es immer wieder zu Missverständnissen und Besserwissereien kommt. Rose-Anne Clermont wurde 1971 als Tochter haitianischer Einwanderer in New York City geboren. Sie kam nach dem Journalismus-Studium an der Columbia University 1998 als Fulbright Fellow nach Berlin und hat u.a. für Spiegel Online, Die Zeit und International Herald Tribune über Integration und Bildung geschrieben. Die Autorin lebt heute mit ihrem deutschen Mann und ihren Kindern in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 20.09.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641049980
    Verlag: C. Bertelsmann
    Größe: 640 kBytes
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Buschgirl

Schmetterlinge fangen (S. 136-137)

"Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel."
Johann Wolfgang von Goethe

Maryland, Freiburg, 2003

Ostern nach unserer Hochzeit fuhren Georg und ich nach Freiburg, um endlich die Hochzeitstorte aufzuessen, die in Elisabeths Tiefkühltruhe lag. "Ich wollte eigentlich ein paar BoFrost-Sachen bestellen", konnte sie sich nicht verkneifen zu sagen, "aber mit eurem Kuchen war ja kaum noch Platz." Georg und ich verbrachten also eine faule Woche bei seinen Eltern, aßen Hochzeitstorte und tranken Kirschwasser. Nachmittags hielten wir ausgedehnte Nickerchen im Kellerschlafzimmer oder liebten uns, während die Eltern drei Stockwerke darüber selig schnarchten. Als wir einmal auf der Terrasse Kaffee tranken, flatterte ein kleiner gelber Schmetterling im Garten herum und kam mehrere Male zu mir, als wolle er mich mit seinen Flügeln necken. Ich sah ihm zu und kriegte Gänsehaut auf den Armen.

"Weißt du, was, Georg?", sagte ich. "Manche von meinen Verwandten würden sagen, das sei mein Vater." Georg kniff die Augen zusammen. "Was? Der Schmetterling?" Ich nickte. Das letzte Mal, dass ich mit meinem Vater sprach, war an meinem Geburtstag im Oktober 1995. Kurz vorher waren wir von einem Familienurlaub in Paris zurückgekommen und planten den nächsten nach Mexiko, jedenfalls in ein Land, in dem es warm war. Mein Vater lernte bereits mit Hilfe einer Kassette Spanisch.

"Es ist dem Französischen so nahe", sagte er, "dass ich fast alles verstehe." Die ganze Woche nach diesem Telefongespräch war es für Anfang Oktober ungewöhnlich sonnig. Rekordtemperaturen, hieß es in der Zeitung. Mein Vater trug natürlich eine beigefarbene Guyabera und dunkelbraune Hosen. Er stand an einer roten Ampel. Ob er sich an der Sonne freute? Er behauptete ja immer, die Sonne sehe in jedem Land anders aus, und ich sagte dann jedes Mal, das sei lächerlich, nur die Landschaft lasse die Sonne verschieden erscheinen, in Wirklichkeit sei sie immer gleich.

Ich frage mich heute, ob die Sonne an dem warmen Tag meinem Vater sehr amerikanisch vorkam, als er da in seinem Wagen saß, an der roten Ampel tagträumte und in Gedanken garantiert weit weg von den Vereinigten Staaten war. Er hatte nie gedacht, dass er dort so lange bleiben würde, aber den Ort, an dem man seine Kinder in die Welt setzt, verlässt man selten. Dachte er an uns, seine Yankees?

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