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Die sozial-ökologische Transformation der Welt Ein Handbuch

  • Erscheinungsdatum: 09.11.2017
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (ePUB)
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Die sozial-ökologische Transformation der Welt

Umweltprobleme verändern seit Beginn der Industrialisierung, mit wachsender Beschleunigung seit den 1950er- Jahren, das Gefüge moderner Gesellschaften. Welche Dynamiken ergeben sich aus diesen Prozessen? Welche Chancen eröffnen sie für den radikalen Wandel fossiler in postfossile Gesellschaften, den die Klimaforscher vehement einfordern? Dieses von Sozialwissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen erstellte Handbuch bietet erstmals eine historisch und global orientierte Analyse des konfliktreichen Wegs der sozial-ökologischen Transformation. Es beleuchtet zentrale Transformationsfelder (Klima, Energiewende, Wirtschaft und Konsum, Stadtentwicklung und Landwirtschaft) und stellt Entwicklungen in westlichen Industrieländern, in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien sowie in armen, agrarisch geprägten Ländern wie Äthiopien vor. Karl-Werner Brand ist Professor für Soziologie i.R. an der TU München und Mitbegründer der deutschen Sektion Umweltsoziologie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 09.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593425948
    Verlag: Campus Verlag
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Die sozial-ökologische Transformation der Welt

Einleitung: Problemstellung und Untersuchungsperspektive

Karl-Werner Brand

Umweltprobleme sind nicht neu. Sie sind Teil der Menschheitsgeschichte. Sie haben auch nicht selten zum Untergang einzelner Gesellschaften geführt (Diamond 2005). Wie uns die Umwelthistoriker lehren, gab es bisher nur wenige Gesellschaften, die "ihre jeweilige Technologie, ihre Organisations- und Wirtschaftsformen und ihre Institutionen auch nur einige Jahrhunderte aufrechterhalten konnten. Immer wieder gerieten die Gesellschaften an die Grenzen der Ressourcen, von denen sie abhängig waren, oder sie zerstörten die sie unterhaltenden Umweltformen, bis es zur Krise kam" (Worster 1994: 96). Für den Kulturanthropologen Marvin Harris sind die Ursprünge aller Kulturen dieser Erde überhaupt nur in solchen tief greifenden Umwelt- und Ressourcenkrisen zu sehen, die zu grundlegend neuen Antworten nötigten (Harris 1977). Dass moderne Industriegesellschaften aufgrund ihrer historisch unvergleichlichen technisch-wissenschaftlichen Innovationspotenziale diesen zyklischen Aufstiegs- und Verfallsprozessen historischer Kulturen nicht mehr unterliegen, gehört zwar zum klassischen Selbstverständnis der Moderne. Der Blick auf exponentiell wachsende globale Umweltprobleme lässt heute gleichwohl erhebliche Zweifel an dieser Selbstdeutung aufkommen.

Das seit den 1950er Jahren zunächst im Westen, sukzessive dann auch in den Industriegesellschaften sowjetischer Prägung sowie in den südlichen Schwellen- und Entwicklungsländern sich ausbreitende Modell industrieller Massenproduktion und industriellen Massenkonsums hat zu exponentiell steigenden Kurven des Ressourcenverbrauchs, zu dramatischen Formen regionaler Luft- und Gewässerverschmutzung, zur beschleunigten Prozessen der Bodenerosion, der Wasserverknappung und des Artensterbens sowie zur umfassenden chemischen Belastung und Veränderung bio-physischer Stoffkreisläufe geführt. Vorangetrieben von den Wachstumsimperativen der kapitalistischen Ökonomie, von sprunghaften technischen Entwicklungen, der leichten Verfügbarkeit fossiler Ressourcen, einem rapiden Bevölkerungswachstum und der beschleunigten Verstädterung der Welt haben diese industriellen Transformationsprozesse der Natur inzwischen ein Ausmaß erreicht, das Geologen veranlasst, von einer neuen Stufe der Erdgeschichte, dem "Anthropozän", zu sprechen. So tief greifend die damit beschriebenen, anthropogen verursachten Veränderungen im Gefüge und den Dynamiken des "Erdsystems" sind, so tief greifend sind auch die damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme und Herausforderungen, die durch den Klimawandel eine besondere Dramatik erlangen.

Nun können Industriegesellschaften schon auf eine längere Geschichte der Auseinandersetzung mit lokalen und regionalen Umweltproblemen zurückblicken. Diese hatten Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts erste umfassendere zivilgesellschaftliche wie staatlich-institutionelle Bestrebungen zum Umwelt-, Gesundheits- und Naturschutz hervorgebracht. In Reaktion auf die Verschärfung regionaler und transnationaler Umweltprobleme verbreitete sich dann aber vor allem seit den 1970er Jahren in allen westlichen Industrieländern eine Welle an Umweltbewegungen und umweltpolitischen Reformbestrebungen, die die "Ära der Ökologie" (Radkau 2011) einleiteten. Die Hauptstoßrichtung der umweltpolitischen Reformen der 1970er und 1980er Jahre zielte zunächst darauf, durch den Ausbau neuer institutioneller Regelwerke und Behörden, durch die Verschärfung von "Grenzwerten" und Sicherheitsstandards, gesundheits- und umweltbelastende Emissionen zu reduzieren sowie Abfälle und Abwässer geregelt(er) zu entsorgen. Diese technisch-regulativen Umweltmaßnahmen haben in allen westlichen Industrieländern in den vergangenen Jahrzehnten die lokalen Probleme der Luft-, Gewässer- und Bodenverschmutzung erheblich verringert. Dazu hat allerdings auch beigetragen, dass die stark verschmutzenden Schw

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