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Dornenfelder von Yousefi, Hamid R. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.12.2014
  • Verlag: Lau-Verlag & Handel KG
eBook (ePUB)
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Dornenfelder

In dieser biografischen Skizze zeichnet der Philosoph Hamid Reza Yousefi sein bewegtes und bewegendes Leben nach. Er erzählt von seiner ersten Heimat Iran, seiner Kindheit, von den Umständen, die ihn zum Verlassen seines Landes bewegten und seinem Migrantenschicksal in Deutschland. Besonders würdigt er den Fundamentaltheologen Adolf Kolping (1909-1997), der Yousefi nicht nur die grundlegenden Kenntnisse zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung vermittelt, sondern seinem Leben einen neuen Sinn verliehen hat. Yousefi, der sich als ein Insider und Outsider

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 02.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957681591
    Verlag: Lau-Verlag & Handel KG
    Größe: 1380 kBytes
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Dornenfelder

Teil 1

Steinige Wege

Ankunft in einer Parallelgesellschaft

Meine erste Station in Deutschland war die Main-Metropole Frankfurt. Im Iran dauert es in der Regel sehr lange, bis ein Visum ausgestellt werden kann, dies ist auch mit tausenden von Eventualitäten verbunden. Weil ich nicht warten wollte, entschied ich mich, es über die Türkei zu versuchen. So fuhr ich zunächst mit einigen Freunden in einem Bus nach Istanbul. Nachdem wir die iranische Grenze passiert hatten, kauften sich einige Passagiere Whiskey und türkisches Bier, da im Iran kein Alkohol konsumiert werden darf. Vom Atatürk-Flughafen aus wollte ich eine Maschine nach Frankfurt am Main nehmen. Im Bus entwickelten sich einige Bekanntschaften unter Iranern, die ebenfalls nach Deutschland reisen wollten, und wir schlossen uns zusammen, um mit einem Dolmush, einem Omnibus, den Flughafen zu erreichen.

Im Kreise von Landsleuten, debattierenden Männern und lachenden Frauen, mit denen ich lustige Worte wechselte, ging ich an Bord einer Maschine nach Deutschland. Nach unserer Ankunft wünschten sie mir alles Gute. Wir verabschiedeten uns herzlich bei der Passkontrolle, bevor sie verschwanden und ich mutterseelenallein in der Halle eines mir fremden Flughafens stand. Die Gespräche der Vorbeieilenden verstand ich nicht.

In diesen Wochen des ungewissen Unterwegsseins bewegte ich mich zwischen drei unterschiedlichen Kulturformen, dem Iran als einem Land, in dem Frauen Kopftücher trugen, der Türkei, in der die Haare der Frauen zu bewundern waren und Deutschland, wo die Mädchen bekleidet waren wie zur Schahzeit im Iran, mit Miniröcken und Hemdchen mit Spaghettiträgern. Zum ersten Mal wurden mir drei unterschiedliche Transformationen der Kulturen bewusst. In kürzester Zeit schlüpfte ich, wie ein Fisch, von einem kulturellen Kontext in den nächsten.

In Frankfurt wandte ich mich an Bijan, einen Bekannten aus meiner Teheraner Heimatstadt. Bevor er neun Jahre vor mir den Iran wegen des Iran-Irak-Krieges verließ, hatte er mit seiner Familie unweit von uns gelebt, so dass sich oft unsere Wege kreuzten. Als ich den Plan fasste, nach Deutschland zu kommen, wollte ich mich zuerst an ihn als meine erste Anlaufstelle wenden. Seine Eltern stellten mir seine Adresse und Telefonnummer zur Verfügung.

Als ich nach einigen Telefonaten, die ich aus der Türkei mit Bijan geführt hatte, plötzlich in Deutschland vor ihm stand, schauten wir uns lange an. Es war ein denkwürdiger Augenblick, dass sich zwei ehemalige Nachbarskinder, die sich kaum mehr erkannten, aus einem weit entfernten Teil der Welt hier begegneten: erhebend und gruselig, ein seltenes Gefühl des Aufgehobenseins und der Verlassenheit zugleich. Mir gingen in diesem Moment viele Geschichten unserer Jugend durch den Kopf. Plötzlich sagte Bijan: "Hamid, to-i?", 'bist du es?'

"Are manam", 'ja, ich bin's', erwiderte ich, glücklich ein Wort in meiner Muttersprache zu hören.

"Willkommen zu Hause", begrüßte er mich und wir umarmten uns fest. Bijan sagte mir: "Du bleibst hier, und ich werde mich um deine Angelegenheiten kümmern. Ich kenne mich hier sehr gut aus und habe auch bisweilen als Dolmetscher gearbeitet." Mir fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen.

Bijan war sechsundzwanzig Jahre alt und etwas mollig, so dass seine Freunde ihn 'Tschaqalu', Moppelchen, nannten. Er beherrschte zwar sehr gut die deutsche Sprache, bewegte sich aber in einer ghettoartigen Parallelgesellschaft. Seine Gutmütigkeit machte ihn beliebt; mir schien er auf eine sympathische Art unordentlich. Er hatte immer eine Schar iranischer und anderer ausländischer Freunde um sich, seine deutschen Nachbarn aber schien er kaum zu kennen. Dies war mir ungewohnt, weil die Nachbarn im Iran in der Regel wie zur Familie gehörig behandelt werden. Weil bei Bijan f

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