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Ein Schlosser in Ägypten Meine Erlebnisse während eines zehnjährigen Aufenthaltes im Lande der Pyramiden von Hoffmann, Carl (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
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Ein Schlosser in Ägypten

Wer auf unterhaltsame Art Interessantes über so unterschiedliche Themen wie Eunuchen, den Sklavenhandel, den Harem, den "Bienentanz", den Mädchenhandel mit Europäerinnen, den Import von eisgekühltem Bier aus Wien, den Einsatz von Schweizer Polizisten, "wilde Ehen" unter Europäern, eine viereinhalb (!) Meter lange Kobra, die Büffelpest, Haie im Mittelmeer, Elefanten- und Nilpferdjagd, die Kairener Oper, die Eröffnung des Sueskanals, aber auch über "echte deutsche Gemütlichkeit" oder die Auswirkungen der europäischen Politik auf Europäer in Ägypten und vieles mehr aus Ägyptens Boomjahren von 1862 (Baumwolle als "weißes Gold") bis 1869 (Eröffnung des Sueskanals) erfahren will, der wird in der Autobiografie Carl Hoffmanns fündig. Hoffmann ist Schlosser, kein Gelehrter; er schildert seine Erlebnisse treffend mit vorurteilsfreiem Blick, einer guten Prise Humor, dabei ohne die "Attribute der Gelehrsamkeit" und wirkt dadurch für heutige Leser moderner als die meisten hochgelobten Werke der Epoche. Carl Hoffmann wurde 1838 in Berlin geboren und machte dort eine Schlosserlehre. Seine Wanderjahre brachten ihn südwärts bis nach Triest und Verona (beide damals österreichisches Hoheitsgebiet), schließlich zurück nach Wien und von dort durch einen glücklichen Zufall 1862 nach Ägypten, wo er eine Familie gründete und zehn Jahre in immer besser bezahlten Positionen blieb, bevor er 1872 ins aufstrebende Berlin zurückkehrte - und hier finanziellen Schiffbruch erlitt. Dies führte dazu, dass er die Erlebnisse seines zehnjährigen Aufenthaltes in Ägypten niederschrieb und veröffentlichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 559
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783746081434
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1262 kBytes
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Ein Schlosser in Ägypten

1. Glück muss man haben!

Auf nach Ägypten!

Wohl oft hatte ich mir vorgenommen, meine vielen und sonderbaren Erlebnisse während eines zehnjährigen Aufenthaltes im Wunderlande Ägypten zum Nutzen meiner lieben Mitmenschen niederzuschreiben, heute will ich entschieden den Anfang damit machen, also - ohne langweilig zu werden: frisch drauf los !

Vierundzwanzig Jahre alt, gesund und kräftig, ein tüchtiger Schlosser (wie die Leute sagten), immer aufgelegt zu ernster und fröhlicher Arbeit des Lebens und dennoch - keine Beschäftigung, keine Anstellung, dazu nur ein paar armselige Kreuzer Geld in der Tasche: dies war anno 1862 meine wenig beneidenswerte Situation mitten in der großen Kaiserstadt Wien ! Es gab wenig oder gar nichts zu tun, alle Tage aber fanden neue Entlassungen statt - was da beginnen?

Vormittags zur richtigen Zeit wurde in den Fabriken angefragt, hin und wieder bei einem Meister angeklopft, alles umsonst! Dann wurde irgendwo verstohlen aus der Tasche zu einem Pfiff [ein Achtelliter] Wein gefrühstückt, der übrige Tag war doch aber immer noch sehr lang. - -

In Wien gibt es aber immer billigen Zeitvertreib genug! Den größten bieten die Kirchen, welche den ganzen Tag offen stehen, und in denen man sich an heiligen Knochen, mit bunten Seidenbändern umwickelt, und an dunklen unheimlichen Bildern nicht satt sehen kann. Auch ist alle Tage irgendwo eine große Messe mit prachtvoller Musik, heute sollte eine solche "am Peter" [Peterskirche] abgehalten werden, die ganze Oper wird mitsingen, da muss ich natürlich hin, es - kostet ja nichts !

Stehe ich so mitten im Gedränge an einen mächtigen Kirchenpfeiler gelehnt und höre andächtig zu, wie es vom Chore herunterschallt: weiche, schöne Frauenstimmen mit zarter Instrumentalbegleitung, so wunderbar ergreifend - da entdecke ich einen guten Freund, einen auch vazierenden [beschäftigungslosen] Kollegen, welcher mich schon lange mit seinem Blick fixiert hatte und mir durch allerhand Gestikulationen bemerklich macht, dass er mir etwas Wichtiges mitzuteilen habe. Ich sehe, wie er sich hinausdrängelt und folge ihm. Das ist in einer Wiener Kirche nicht auffallend, die meisten werden von Nichtkatholiken sowieso nur der vielen Sehenswürdigkeiten wegen besucht.

"Was ist denn los?", frage ich ihn draußen als richtiger Berliner und weil er so sehr wichtig tut.

"Kollege!", platzt er eifrig heraus, "ich weiß eine Stelle für Sie, nach Ägypten, gehen Sie sofort zum Ingenieur der Bahn hinaus, der bestimmt das Nähere, aber schnell, die Anstellung ist brillant, Sie müssen eilen!"

"Nach Ägypten?", frage ich erstaunt, "und - warum gehen Sie denn nicht dorthin?"

"Es ist eine Bedingung dabei: derjenige, welcher engagiert wird, soll mindestens Französisch oder Italienisch sprechen und Sie verstehen ja etwas davon, beeilen Sie sich!"

Ägypten! - Französisch! - Italienisch! - ich stand im Momente ganz verblüfft da!

"Nun, so entschließen Sie sich doch!", drängte er, "es ist bald Mittag und dann treffen Sie ihn nicht mehr!"

Rasch entschlossen flog ich wie ein Pfeil hinaus auf die Bahn und treffe den mir bekannten Ingenieur noch richtig an. Es läutete Mittag.

"Wollen Sie nach Ägypten gehen?", fragt er mich.

"Ja, wenn es sich einigermaßen lohnt - wie ist denn die dortige Stellung usw.?" "Nun", sagt er: "ein hiesiges Haus, so und so, hat sich an mich um einen tüchtigen Maschinenmeister gewendet, ich kann Sie ja empfehlen (stumme Verbeugung meinerseits). Um das Nähere wenden Sie sich aber an diese Firma hier, drinnen in der Stadt am Graben, nehmen Sie auch meine Karte mit, ich werde noch eine Empfehlung darauf schreiben, die Sache hat übrigens Eile und, wenn wir uns nicht wiedersehen sollten, dann: Wohl zu speisen und glückliche Reise!" -

Ich war also so gut wie angestellt und besah mir die hübsche Visitenkarte auf dem Weg nach der Stadt woh

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