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Erinnern gegen das Vergessen. KZ-Gedenkstätten als Mahnmale für die Nachkriegsgeneration von Chuvilina, Tetiana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.08.2015
  • Verlag: Science Factory
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Erinnern gegen das Vergessen. KZ-Gedenkstätten als Mahnmale für die Nachkriegsgeneration

Fachbuch aus dem Jahr 2015 im Fachbereich Soziologie - Allgemeines und Grundlagen, , Sprache: Deutsch, Abstract: Am 08. Mai 2015 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal. Die Generation der Überlebenden und Augenzeugen der Gräueltaten in den Konzentrationslagern des Dritten Reichs stirbt langsam aus. Somit werden die KZ-Gedenkstätten zu den wichtigsten Zeugnissen dieser Zeit. Die Bedeutung dieser Gedenkstätten als Orte des Informierens, Mahnens und Erinnerns ist größer denn je - vor allem da Antisemitismus und Nationalsozialismus aus den Köpfen der Menschen noch nicht verschwunden sind. Um eine Wiederholung des Geschehenen egal wo auf dieser Welt zu vermeiden, müssen wir die Erinnerung weiter pflegen und erhalten. Und genau damit beschäftigt sich dieses Buch. Aus dem Inhalt: Unterschiede der Erinnerungskulturen in DDR und BRD Der gesellschaftliche Umgang mit der Shoa KZ-Gedenkstätten Dachau und Mauthausen Erinnerung in Edgar Hilsenraths 'Der Nazi und der Frisör' Lernen an Gedenkstätten

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 184
    Erscheinungsdatum: 12.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956870101
    Verlag: Science Factory
    Größe: 186 kBytes
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Erinnern gegen das Vergessen. KZ-Gedenkstätten als Mahnmale für die Nachkriegsgeneration

Exkurs - Auschwitz im Blickfeld der Geschichtsforschung

Ein weiteren Punkt, den es innerhalb dieser Arbeit zu untersuchen gilt, ist der Bereich der Geschichtswissenschaft seit 1945. Vorab ist bereits zum Tragen gekommen, dass sich die Historiker in der Aufarbeitung der Geschehnisse im Vernichtungslager Auschwitz sehr schwer taten. [58] Innerhalb dieses Kapitels soll diese Problematik einer genaueren Betrachtung unterzogen werden.

Zutage treten nicht wenige Gründe für das vehemente Schweigen, das nicht nur innerhalb der deutschen Bevölkerung, sondern auch in der Wissenschaft Einzug erhielt: erstens behielten viele Historiker aufgrund eines akuten Personalmangels nach 1945 ihren Posten an den Universitäten; ein Personalschub setzte erst am Ende der 1960er Jahre ein. [59] Damit war der überwiegende Anteil jener unter dem NS-Regime wirksam gewesenen Geschichtswissenschafter in eben diesem Zeitraum gegeben. Wolfgang Mommsen kritisiert diesbezüglich wie folgt: "es gab so gut wie keine Außenseiter, weil fast alle [Historiker] in gewisser Weise Dreck am Stecken hatten" [60] . Also wurde auf allen Seiten geschwiegen - man wollte nicht die eigenen Kollegen belasten. [61] Die Themen Auschwitz und Holocaust gerieten dadurch weit in den Hintergrund der Geschichtserinnerung. [62]

Nicht nur Hans Mommsen vertritt die Auffassung, dass "die damit zusammenhängenden Probleme [...] erst von der nachfolgenden Generation, die auf die Lehrstühle schrittweise nachrückte, aufgeworfen werden [konnten]. Sie mußten [sic] selbst so unabhängig sein, um unbefangen darüber zu reden und die zuvor beibehaltene partielle Tabuisierung der Problematik beiseite zu schieben [...]" [63] . Auch der Historiker Jürgen Kocka stellt auf die Frage nach der abnehmenden Seltenheit von Publikationen zur Problematik klar: "Die Leute, um die es geht, leben nicht mehr. Wer jetzt über sie schreibt, ist nicht mehr Kollege" [64] .

Dieser kurze Exkurs hat somit erklärt, warum die heutige Geschichtsforschung offener mit der Problematik Auschwitz agiert als noch vor 30 Jahren.

Fazit und Ausblick

Für die Problematisierung der Entwicklung einer Erinnerungskultur um Auschwitz seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ergeben sich nach dieser Untersuchung drei Ergebnisse, welche für die Entwicklung des deutschen Gedächtnisses ausschlaggebend sind:

Zum einen ist es vordergründig die Frage nach der zeitlichen Distanz zum Geschehen, die das Bild der Erinnerung an NS-Verbrechen wie das Vernichtungslager Auschwitz massiv beeinflusste: während es noch in den 1950er Jahren eine Generation schweigsamer, deutscher Bürger gab, welche aus mutmaßlichem Schamgefühl diesen Weg der Erinnerung wählten, so waren es bereits Söhne und Töchter eben jener Altersgruppe, die im Rahmen der studentischen Revolte von 1968 die eigenen Eltern für ihre Taten und Untaten be- und verurteilten.

Gleichwohl sind die 1968er von darauf folgenden Generationen zu unterscheiden: das Bewusstsein für eine mögliche Verantwortung des gesamten deutschen Volkes über die Tätergeneration hinaus keimte erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts auf; und selbst bis heute konnte sich eine nationale Erinnerungskultur nur geringfügig durchsetzen.

Dass jedoch die Kultur um eine Erinnerung an einen Ort wie Auschwitz nicht nur gesellschaftlich-kultureller Natur ist, sondern - als zweiten auszumachenden Komplex dieser Untersuchung - vor allem auch Ergebnis politischer Interessen , zeigt nicht nur die in obigem Kapitel angestellte Betrachtung, sond

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