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Fatum Die Lebensgeschichte des Franz Jakob Brändle von Huber, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.07.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Fatum

'...was treibt den Menschen, den langen Pfad mit seinem steten Auf und Ab zu gehen?' (Reiss, 1959) Diese Frage stellt sich bei der Betrachtung des schicksalshaften Lebensweges des Franz Jakob Brändle in besonderer Weise. Geboren und aufgewachsen auf einem kleinen Bauernhof im sankt-gallischen Eggersriet, zog es den nach anderen lockenden Höhen strebenden Jüngling in die fremde Welt der Schweizergarde nach Rom, wo er sich zum ersten Mal mit dem lateinischen schicksalsbegriff 'Fatum' auseinandersetzte, noch in Unkenntnis des baldigen Eintreffens eines fatalen Unfallereignisses, welches sein Leben für immer verändern sollte. Dieses Buch beschreibt die eindrückliche Reise des Franz Jakob auf dem langen und unwägbaren Pfad des Lebens und seine erstaunliche Fähigkeit, sich dessen Herausforderungen mit grosser Tapferkeit zu stellen, um immer wieder gestärkt aus scheinbar ausweglosen Situationen hervorzugehen. Christian Huber ist 46 Jahre alt, lebt im Kanton Zug und wurde durch die langjährige Nähe zum Protagonisten und eine tiefe Bewunderung für dessen außerordentlichen Lebensmut inspiriert, diese Biografie zu schreiben. Nebst seines schriftstellerischen Engagements arbeitet er als Geschäftsführer einer Investment-Gesellschaft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 20.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783738680522
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 9690 kBytes
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Fatum

KINDHEIT UND KRIEG (1933-1948)

"... die Sehnsucht nach anderen lockenden Höhen"

(Reiss, 1959)

Sonntag. Am frühen Morgen des 29. Januar 1933, nach einer eisig kalten Winternacht, erblickte Franz Jakob das Licht der Welt. Als zweites Kind auf dem Gehöft des Niklaus und der Maria, geborene Meier, im sankt-gallischen Eggersriet.

Eggersriet, ein kleines Bauerndorf, erhöht auf 820 Metern über Meer am westlichen Abhang des Rorschacherbergs gelegen, mit einem Gemeindehaus, einer Kirche, einem Dorfladen, einigen kleinen Handwerkbetrieben und Webkellern und einer bescheiden ausgestatteten Primarschule.

Abb. 1: Eggersriet 1930 (Quelle: eggersriet.ch , 2014)

Bescheiden, wie das ganze Dorf und auch die nähere Umgebung. Noch bescheidener als üblich, denn die im Jahre 1929 ausgebrochene Weltwirtschaftskrise hatte ihren Tiefpunkt in der Schweiz erst gerade erreicht. Es war eine harte Zeit, voller Entbehrungen. Vor allem für die Landwirtschaft, deren Produkte bis zur Hälfte ihres ursprünglichen Marktwertes verloren. Und weil die meisten Menschen in Eggersriet von der Landwirtschaft lebten, traf es auch diesen Ort sehr hart. Besonders die im Dorf stark verankerte Milchwirtschaft mit den vier Käsereien litt unter der Krise. Und die angestiegene Arbeitslosigkeit sowie die markanten Lohneinbussen machten auch den Arbeitnehmern das Leben schwer.

Ein Vorteil, den die Bauern wie die Familie Brändle in dieser Zeit hatten: Sie konnten sich mit Lebensmitteln aus der eigenen Produktion selber versorgen. Auch wenn sich der übliche Speiseplan grösstenteils auf Kartoffeln, Mais und, je nach Jahreszeit, einige andere Gemüse, beschränkte. Fleisch gab es bei den Brändles nur ausnahmsweise, sicher aber an Weihnachten, wenn der Vater ein Schwein schlachtete. Auch sonst präsentierte sich das Leben auf dem kleinen Hof am Mühlbach äusserst einfach. Es war, als ob sich das Zuhause der Familie Brändle am Ende der zivilisierten Welt befände. Nicht nur abseits der grösseren Orte im Raum St. Gallen, sondern auch abseits des eigenen Dorfes, weit unten, ganz am Ende der Mühlbachstrasse. 1 Um genau zu sein, die Strasse führte nicht einmal bis zum Grundstück. Sie endete rund 100 Meter davor. Bis zum Haus führte lediglich ein kaum erkennbarer schmaler Pfad. Nach dem Grundstück gab es nichts mehr. Nur noch Wald. Und den Mühlbach. Der Wohnbereich und die Stallung für die Kühe und Schweine befanden sich unter dem gleichen Dach. Wasser gab es nur draussen am Brunnen, den sich Menschen und Tiere teilten.

Im Winter kroch die Kälte durch die Ritzen der alten Holzfassade in die Wohn- und Schlafräume, bis in die hintersten Winkel. Nur die Küche verfügte über einen Holzoffen, der lebenserhaltende Wärme spendete. Elektrizität gab es keine. Und so verfügte der Haushalt der Brändles auch über kein Telefon oder Radio. Mit Komfort verwöhnt wurde hier tatsächlich niemand. Man musste versuchen, aus allem das Beste zu machen. Und so wurde alles, was einem die Natur gab, in möglichst sinnvoller Weise verwendet. Sogar das Laub der Bäume wurde in Säcke gepackt, damit man - als Matratzenersatz - darauf schlafen und wenigstens eine vage Vorstellung von Behaglichkeit erzeugen konnte. Jedenfalls gewährleistete das Laub eine minimale Isolation gegenüber dem kalten Fussboden. Wie es in dieser Zeit - zumindest auf dem Land - üblich war, spielte auch die Hygiene keine grosse Rolle. Berührungsängste mit Dreck gab es nicht. Warum auch? Schliesslich bildete er den Nährboden für alles, was das Überleben sicherstellte.

Abb. 2: Bauernhof am Mühlbach in Eggersriet

Abb. 3: Niklaus Brändle (geb. 1902)

Abb. 4: Maria Brändle-Meier (geb. 1905)

Auch bei der Geburt des kleinen Franz Jakob wurde nicht besonders auf Sauberkeit geachtet. Schon früh ist er mit dem Dreck der Welt konfrontiert worden.

Zur gleichen Zeit, nur einen Tag nach Franz Jakobs Gebu

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