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Frank-Walter Steinmeier Der Weg ins Schloss Bellevue von Kohlmann, Sebastian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2017
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Frank-Walter Steinmeier

Sein Leben, sein Wirken und seine ersten 100 Tage im Amt Frank-Walter Steinmeier ist einer der einflussreichsten Sozialdemokraten der letzten zwei Jahrzehnte und gehört zu den beliebtesten Politikern des Landes. Wie gelang ihm der Aufstieg und welche Wirkung hat er in seinen jeweiligen Ämtern erzielt? Welche Rolle nimmt er als Bundespräsident ein? Die Jugend, das Studium, der Einstieg in die Politik, die verschiedenen Stationen als Kanzleramtschef, Außenminister, Kanzlerkandidat und wieder Außenminister: Auf der Basis sorgfältiger und umfassender Recherche und nach zahlreichen Gesprächen mit heute und damals führenden Akteuren verfolgt Sebastian Kohlmann den Weg des neuen Bundespräsidenten von der Kindheit in einem Dorf in Nordrhein-Westfalen an die Spitze des Staates. Sebastian Kohlmann ist promovierter Politikwissenschaftler, befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema und ist einer der besten Kenner des Wirkens von Frank-Walter Steinmeier. Nach Stationen am Göttinger Institut für Demokratieforschung und der Friedrich-Ebert Stiftung in Bonn arbeitet er heute in der Politik im Hintergrund in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 13.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423432955
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 975 kBytes
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Frank-Walter Steinmeier

Frühe Jahre

Kindheit und Jugend

Brakelsiek

An der Kneipe "Zum goldenen Käfer" hängt auch im Jahr 2013 noch ein Schaukasten des TuS 08 , des Brakelsieker Turn- und Sportvereins. Die dunkelrote Farbe ist mittlerweile abgeblättert. Im Wahlkampf 2009 fand dieser Verein auf Steinmeiers Homepage natürlich Erwähnung. Geplant war der Text: "Ich war kein begnadeter Techniker, auch kein großer Torjäger, eher ein solider Teamspieler - bin ich heute noch." [1] Steinmeier korrigierte im Textentwurf für die Internetseite handschriftlich: "Nicht der begnadete Filigrantechniker, dafür großes Kämpferherz und langen Atem und ein solider Teamspieler - das bin ich heute noch." [2]

So also wollte Steinmeier gesehen werden. Als Teamspieler mit Herz, der er auch als Kind schon gewesen sein will. Zu jener Zeit wäre in dem beschaulichen 1000 -Seelen-Dorf vermutlich niemand auf die Idee gekommen, dass der nette, 1956 geborene, Fuß- ball spielende Junge von nebenan eines Tages als Außenminister einen Beruf ausüben würde, der ihn in kürzester Zeit zum Beispiel von Breslau nach Kabul, Neu-Delhi, Paris, New York und Prag führen würde. [3] Und der sich dann als Bundespräsident zur Aufgabe machen würde, die Demokratie an sich wenn nicht zu retten, so doch zu verteidigen.

Brakelsiek ist eines jener kleinen Dörfer, wie man sie im Lipperland häufig vorfindet: idyllisch, aber auch etwas aus der Zeit gefallen. Für Jugendliche sei das nichts mehr hier, erzählt die Wirtin eines der zwei Gasthäuser. Vom Ortseingangs- bis zum Ortsausgangsschild sind es nur 750 Meter. Zur nächsten Autobahn fährt man 45 Minuten. Brakelsiek ist damit abgehängt von den Verbindungsstraßen in die großen Städte, von den Autobahnen, die in die Welt hinausführen. So sind es im Jahr 2014 vor allem die Alten, die noch da sind, die sich an der Idylle und der Ruhe erfreuen können.

Steinmeiers Elternhaus liegt auf einer Ebene mit dem sogenannten grünen Band, jener grün bewachsenen, ansteigenden Fläche, die sich wie ein Gürtel um die Senke schließt, in der das Dorf liegt. Enge Straßen, teilweise so schmal, dass sie für heutige Autos fast nicht mehr passierbar sind, schlängeln sich an den Fachwerkhäusern vorbei. Am Ende einer Straße prangt das Schild: "Anlieger frei". Nur Fußgänger dürfen noch weitergehen entlang des beginnenden Feldweges. Nach einigen Metern steht rechterhand das weiße Haus mit dem dunklen Spitzdach. Nur wenige Jahre nach Steinmeiers Geburt hat es der 2012 verstorbene Vater Walter innerhalb von vier Jahren selbst gebaut. [4] Steinmeiers Mutter Ursula wohnt bis heute dort, sein Jugendzimmer von einst existiert noch. [5] Vom Haus blickt man direkt auf das Dorf und die umliegende Landschaft. Leise surren die zwei Windräder auf den Hügeln links und rechts. Mehr ist nicht zu hören. Der Durchgangsverkehr rollt am Sonntag erst ab Mittag und auch dann nur leise. Die Umgebung lädt zum Wandern ein, wie es ein grauhaariger Mann zusammen mit seinem Schäferhund am Sonntagmorgen tut und angesprochen auf den prominenten Dorfbewohner umgehend eine Geschichte zu erzählen weiß.

Es ist nur eine eher belanglose Geschichte über den jungen Steinmeier, die erzählt, wie er sich einmal einen Lolli im Laden gewünscht hatte, den die Mutter ihm aber verweigerte. Der Wanderer nimmt diese vermeintliche Begebenheit als Beispiel für die Sparsamkeit, zu der die Eltern ihren Sohn erzogen hätten. Tatsächlich ist es schon eine der größeren Anekdoten über Steinmeier aus jener Zeit. Journalisten, die im Zuge des Wahlkampfes 2009 für zahlreiche Porträts auf die Suche gegangen sind

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