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Schmidt - Lenz Geschichte einer Freundschaft von Magenau, Jörg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2014
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Schmidt - Lenz

Helmut Schmidt und Siegfried Lenz: Eine Freundschaft, die deutsche Zeit- und Literaturgeschichte ist. Seit den frühen sechziger Jahren sind Helmut Schmidt und Siegfried Lenz befreundet. Der Politiker bewundert den Literaten, der Schriftsteller weiß um den begrenzten Einfluss der Literatur auf die Zeitläufte. Es ist eine Freundschaft, die von gegenseitigem Respekt Bewunderung geprägt ist, die privat ist - Siegfried Lenz fühlt sich Helmut Schmidts Frau Loki freundschaftlich verbunden, die 1968 von der 'Deutschstunde' begeistert war und jedes Buch des Autors las. Aber es ist auch eine Verbindung, die öffentlich wirkt, weil der Schriftsteller den Politiker unterstützt - im Wahlkampf, auf Reisen und als fortwährender Gesprächspartner - so auch während des 'Deutschen Herbstes' 1977, bei einer Reise nach Polen und Auschwitz und in der Zeit des Nato-Doppelbeschlusses. Jörg Magenau hat Siegfried Lenz und Helmut Schmidt wiederholt zu Gesprächen getroffen und unveröffentlichtes Archivmaterial ausgewertet.

Jörg Magenau studierte in Berlin Philosophie und Germanistik. Er gehörte zu den Gründern der Wochenzeitung Freitag , deren Literaturredakteur er bis 1996 war. Er arbeitete für die taz , die FAZ und ist seit 2002 freier Autor, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und Deutschlandfunk Kultur. Nach umfassenden Biographien über Christa Wolf, Martin Walser und über Ernst und Friedrich Georg Jünger erschienen von ihm zuletzt Princeton 66 . Die abenteuerliche Reise der Gruppe 47 und bei Hoffmann und Campe Schmidt - Lenz. Geschichte einer Freundschaft (2014).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455851274
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 7567 kBytes
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Schmidt - Lenz

Der Refrain der Zeit

Helmut Schmidt und Siegfried Lenz, Mai 2007

E ine Freundschaft, die länger dauert als ein halbes Jahrhundert, entzieht sich in ihren Einzelheiten der Erinnerung. Was sich wann ereignet hat, ist im Rückblick nur schwer zu bestimmen. Jahreszahlen sind unzuverlässige Zeugen, und manches, was einmal wichtig war, ist längst ins Vergessen versunken. Gespräche sind nicht haltbar, sie gehören ganz dem Augenblick und lassen sich in ihrer lebendigen Bewegung Jahrzehnte später nicht mehr heraufbeschwören. Und doch setzt hier die Arbeit der Erinnerung ein. Sie stellt Stimmungen und Ahnungen bereit, die empfänglich machen. Da reift hier eine Empfindung, dort ein Gedanke, und es wächst ein sicheres Gefühl: In all der Zeit, die seither vergangen ist, hat sich die Gewissheit verfestigt, dass dieser Freundschaft unbedingt zu vertrauen ist. Sie ist mit den Jahren gewachsen und wurde zu einer verlässlichen Größe. Sie ist mit den Freunden alt geworden, so alt, dass die beiden sich heute nicht ganz ohne Rührung begegnen können. So viel Vergangenheit! Es ist, als wären sie selbst am meisten erstaunt darüber, immer noch am Leben zu sein und den Freund noch einmal zu sehen: Auch er ein Überlebender der Zeiten.

Siegfried Lenz geht es an diesem Tag nicht gut. [1] Er hat mit seiner zweiten Frau Ulla ein Apartment in der Nähe der Elbe bezogen, seinem Fluss, über den er so viel geschrieben hat. Aber von dieser Nachbarschaft hat er nicht mehr viel. Er schafft es nur mit Mühe vom Schlafzimmer in die Wohnräume hinüber, benutzt dafür den Rollator, setzt sorgsam Fuß vor Fuß, bis er endlich in einem mit Lammfell ausgeschlagenen Korbstuhl Platz findet, den er in den folgenden Stunden nicht wieder verlässt. Immer diese Schmerzen, sie hören niemals auf. Aber er gibt ihnen nicht nach. Seine unbedingte Freundlichkeit ist unbeschadet geblieben. Dass diese Begegnung heute zustande kommt, erfüllt ihn mit tiefer Dankbarkeit. Das sagt er auch gleich, als wäre es gar nicht er selbst, um den es dabei geht, als müsste er sich tatsächlich für die Gelegenheit bedanken wie für ein Geschenk. Bescheidenheit ist neben der enormen Menschenfreundschaft seine zweite, große Tugend. Er ist ein Virtuose der Nachsicht und der Einfühlungskunst. "Ach ja", sagt er leise. Und: "Mein Gott, ja." Denn eines ist gewiss: Alles, was war, ist lange her, auch dann, wenn es noch in die Gegenwart hineinragt.

"Alter ist keine Zumutung, es ist vielmehr eine alltägliche Auferlegung, ist ein Refrain der Zeit, und der Verfall ist kein Makel, sondern gegeben: das Leben nimmt sich mit Gewalt, was es einst dem Menschen zuerkannt hat", schrieb Lenz in einem Essay über das Alter, als er selbst mit einundsiebzig Jahren noch vergleichsweise jung gewesen war. Den Text trug er damals der Freitagsgesellschaft im Haus von Helmut Schmidt vor, einer die Jahrzehnte überdauernden Gesprächsrunde, der das Alter naturgemäß zum Thema werden musste. Dass die Literatur sich immer wieder des Alters annimmt, erschien ihm unvermeidlich. Wenn der Mensch vor dem Ende und vor dem Nichts steht, dann kommt er endlich zu sich selbst. Literatur, so Lenz, habe es sich schon immer zur Aufgabe gemacht, "vor Augen zu führen, was es heißt, befristet in der Welt zu sein". [2]

Helmut Schmidt lässt noch ein wenig auf sich warten. Die Verkehrslage in Hamburg, katastrophal, lässt er telefonisch melden, sogar der Tunnel am Hauptbahnhof verstopft. Aber dann ist er auch schon mitten im Raum und gleich ganz da und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Weil das Gehen so m&u

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