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Ungewollt von Aichinger, Sophie Christina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Ungewollt

Sophie ist ein Kuckuckskind. Nach einer von Kälte, Ablehnung und Gewalt geprägten Kindheit erfährt sie erst im Alter von 35 Jahren, dass ihr Vater nicht ihr Vater ist. Erneut tief verletzt von den Lügen ihrer Jugend und der Erkenntnis, dass sie sich jahrelang um die Liebe und Zuneigung des falschen Mannes bemüht hat, begibt sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Ein jahrelanger, dramatischer Kampf um die Ermittlung ihres tatsächlichen Vaters beginnt. Bence, ihr ungarischer Erzeuger, setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um die amtliche Feststellung seiner Vaterschaft zu verhindern. Der Unternehmer geht dazu bis zum Bundesverfassungsgericht. Dabei übersieht er jedoch etwas Entscheidendes: Seine Tochter hat nicht nur seine Augen geerbt, sondern auch seine Beharrlichkeit. Weder das jahrelange Warten auf Gerichtsbeschlüsse noch die unzähligen persönlichen Angriffe aus der Familie ihres vermeintlichen Vaters oder der Verlust des gerade erst gewonnenen Halbbruders, der sich von ihr abwendet, können sie von ihrem Weg abbringen. Die Entscheidung der Autorin, ein Buch über ihre Erfahrungen als sogenanntes Kuckuckskind zu schreiben, ist quasi ein Nebeneffekt des Versuchs, mit den emotionalen Auswirkungen eines jahrelangen Kampfes um die eigene Herkunft umzugehen. Aus dem Drang, sich vorwiegend belastende, aber auch erfreuliche Gedanken und Emotionen im Zusammenhang mit besagter Suche von der Seele zu schreiben, sowie dem Kennenlernen vieler weiterer Betroffener ist der Wunsch gewachsen, ihre Geschichte in Buchform in die Öffentlichkeit zu tragen. Namen und Handlungsorte wurden aus Personenschutzgründen verändert.

Sophie Christina Aichinger, die unter Pseudonym schreibt, ist gelernte Krankenschwester, glücklich verheiratet, Mutter dreier Söhne und Großmutter eines fünfjährigen Enkelsohnes. Ihre Heimat ist ein kleiner Ort in der Nähe von Bremen, wo sie bis heute mit ihrem Ehemann Peter lebt. 1995 begann sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester, nachdem sie in verschiedenen beruflichen Sparten ihre Erfüllung gesucht hatte. Heute ist die 56-Jährige freiberuflich im sozial-medizinischen Bereich tätig. Ihre Hobbys sind: Cabrio fahren, ihr Garten, sowie Einrichten und Dekorieren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 204
    Erscheinungsdatum: 29.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741287343
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 930kBytes
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Ungewollt

1

Eine Lebenslüge fliegt auf

D ie Kringel, die ich mit dem Qualm meiner Zigarette in den klaren Himmel blies, waren perfekt. Kreisrund und gleichmäßig, ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass es mir gut ging. Wie das kam, wusste ich gar nicht. Aber wer mich kannte, war tatsächlich in der Lage, anhand meiner Rauchkringel meine aktuelle Stimmung zu erraten.

Als ich den inarisilberfarbenen Golf II startete, dachte ich kurz darüber nach, warum man die Farbe nicht einfach Grünmetallic genannt hatte, und drehte das Radio an. Zu meiner Freude lief La Bouche mit ihrem Hit 'Be My Lover', und ich trällerte mit. Es war ein wundervoller Tag und ich konnte meine Aufregung fast greifen. Ein letzter Gang zum Standesamt - dann wäre es geschafft. Das Amt lag genau in der Stadtmitte von Bremen, in der Hollerallee, an die auch der Bürgerpark mit seinen zwei Seen angrenzte. Ganz in der Nähe waren der Bahnhof und das Messegelände. Eine beliebte und stark frequentierte Gegend also. Es glich einem Sechser im Lotto, hier einen Parkplatz zu bekommen, von dem aus man keinen gefühlten Halbmarathon bis zum Ziel zurücklegen musste. Aber heute schien so etwas wie mein Glückstag zu sein; ich erspähte tatsächlich einen Platz genau vor dem Eingang. Meiner , dachte ich und lenkte meinen kleinen Flitzer in die Lücke, bevor ich meinen Blick über den Bau schweifen ließ. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude im neubarocken Stil des 19. Jahrhunderts schaffte es immer wieder, mich zu beeindrucken.

Ich hastete die wenigen Treppenstufen hinauf, die zur großen Eingangshalle führten, und öffnete die schwere Eichentür. Es überraschte mich, wie viel sich seit meinem letzten Besuch hier verändert hatte. Die gewaltige Treppe, die ins Obergeschoss führte, war genauso restauriert worden wie die alten Türen aus Eichenholz, die zwar alt belassen worden waren, aber nun eindrucksvoll wieder in ihrer alten Pracht erstrahlten. Ich betrat den Raum, in dem sich die Regale mit den Geburtsregistern befanden, die teilweise älter zu sein schienen als das Gebäude selbst.

Ich stellte mich auf eine längere Wartezeit ein. Doch schneller als erwartet wurde ich zu der zuständigen Sachbearbeiterin, einer älteren Dame, gerufen, die mir freundlich lächelnd meine Abstammungsurkunde aushändigte. Ich warf einen flüchtigen Blick auf das Dokument, ging zur Kasse und bezahlte die Gebühr. Ich war bereits auf dem Weg nach draußen, als ich hinter mir die Stimme der Standesbeamtin hörte. Sie bat mich, noch einmal kurz bei ihr Platz zu nehmen.

"Haben Sie noch eine Minute Zeit, Frau Schulze? Möchten Sie sich setzen?", fragte sie. Ich war etwas verwundert, folgte aber der Bitte der Dame. "Frau Schulze, als ich eben sah, dass Sie Ihre Abstammungsurkunde lediglich flüchtig angeschaut haben, war ich mir nicht sicher, ob Sie wissen, was dort drinsteht. Deshalb habe ich ein wenig gezögert und jetzt möchte ich mich für meine Indiskretion entschuldigen, halte es aber für meine Pflicht als Standesbeamtin, Ihnen mitzuteilen, was mir aufgefallen ist."

"Was ist Ihnen denn aufgefallen? Stimmt etwas nicht?"

"Es kann sein, dass es vielleicht gar nicht so wichtig ist, aber mir ist ins Auge gefallen, dass Ihre Eltern schon geschieden waren, bevor Sie geboren wurden. Vermutlich wissen Sie das längst, aber ich dachte, ich sollte vielleicht sichergehen."

"Wie bitte? Nein, davon wusste ich überhaupt nichts. Meine Eltern waren geschieden, als ich noch nicht auf der Welt war? Habe ich das richtig verstanden?"

"Ja, wie gesagt, ich hielt es für meine Pflicht, Sie darauf hinzuweisen. Heute mag das nicht mehr so eng gesehen werden, aber damals galt so etwas noch als besonderer Umstand. Es tut mir sehr leid, dass Sie das auf diese Weise erfahren mussten."

Das war in der Tat seltsam. Ende der Fünfzigerjahre hatte es noch eine strikte Rollenverteilung gegeben. Sich scheiden zu lassen, wä

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