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Wertewandel mitgestalten Gut handeln in Gesellschaft und Wirtschaft

  • Verlag: Verlag Herder GmbH
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Wertewandel mitgestalten

Im 21. Jahrhundert hat sich der Wandel der uns leitenden Werte dramatisch beschleunigt. Das führt zum Bedürfnis nach Orientierung und zur Notwendigkeit, die überlieferten Werte neu zu interpretieren. Die Autoren - führende Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft - schöpfen aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz und eröffnen Perspektiven, um grundlegende Werte mit Leben zu erfüllen und den Wertewandel positiv mitzugestalten. Beiträge von Vaclav Havel, Walter Kardinal Kasper, Winfried Kretschmann, Reinhard Kardinal Marx, Robert Spaemann, Wolfgang Schäuble, Nikolaus Schneider, Kristina Schröder, Frank-Walter Steinmeier, Dieter Stolte u. v. a.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 638
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451804533
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 2807 kBytes
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Wertewandel mitgestalten

Norbert Gross
Werte und Wertewandel im Recht

Jeder Rechtsordnung liegt ein zweifacher Bezug zu Werten zugrunde. Einerseits ist Recht immer statisch, soll wirken, also Werte verwirklichen und setzt deshalb ein vorhandenes Wertgefüge voraus. Alle großen Kodifikationen, preußisches Allgemeines Landrecht, französischer Code Civil, österreichisches ABGB und deutsches BGB bauen auf eine an bestimmten Wertprinzipien ausgerichtete Gesellschaftsordnung, die sie widerspiegeln. Andererseits führen Veränderungen in der Gesellschaftsordnung zu Wandlungen der Wertprinzipien und damit zu der Frage, wie das "alte", das hergebrachte Recht darauf zu reagieren hat, durch Beharren auf dem hergebrachten Recht oder durch dynamische Anpassung und Schaffung neuen Rechts. Politische, geistige oder auch nur zeitgeistige Umbrüche in der Gesellschaft gehen daher auch an gesetztem Recht nicht spurlos vorüber. Gerät die Werteordnung des Gesetzes aus den Fugen oder wird sie auch nur als nicht mehr zeitgemäß angesehen, muss sie neu geordnet werden. Die Geschichte des Rechts ist demnach eine dauernde Abfolge der Begründung von Werten und deren Verlust, aber auch der Anpassung und der Setzung neuer Werte. Nicht nur der Gesetzgeber, mehr und mehr auch der übernationale Gesetzgeber, in nicht minderem Umfang aber auch der Richter sind die Betreiber dieses dynamischen Prozesses, dessen tiefere Wurzeln in der Antinomie von Zeitgeist und Rechtsbewusstsein liegen.
I.

Seit den Gesetzestafeln des Moses, dem kategorischen Imperativ Kants bis hin zum Küng'schen Weltethos wird unter Recht mehr verstanden als nur gesetztes Recht. Eine grundlegende Werteordnung soll dem Recht seine Würde und seinen Geltungsanspruch geben. Geschrieben oder ungeschrieben, ist diese Werteordnung Richtschnur des Rechts.
II.

Diese mit der Ewigkeitsgarantie des Art. 79 Abs. 3 GG versehene Werteordnung des Grundgesetzes ist, von marginalen Eingriffen abgesehen, seit über sechs Jahrzehnten unverändert erhalten geblieben. Sie dokumentiert eine dauerhafte Werteordnung, die Richtschnur für alles staatliche Handeln sein soll.
III.

Auch die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verbürgte Werteordnung hat im Laufe der vergangenen sechs Jahrzehnte neue Ausdrucksformen gefunden, die sich von dem ursprünglichen Grundverständnis deutlich entfernt haben. Selbst wenn manche Grundwerte die Zeitläufe unberührt überstanden haben, sind andere einem grundlegenden Wandel unterzogen worden. Dabei haben keine äußeren grundstürzenden Ereignisse zu einer Revolution der positiven Verfassungsordnung geführt. Vielmehr waren Veränderungen im Rechtsbewusstsein auf manchen Feldern die Auslöser eines Wertewandels im Recht.

1. Der Gesetzgeber greift besonders auffällig auf wertorientierten Gebieten wie dem Familienrecht, dem Strafrecht, dem Recht auf Leben und Tod, aber auch auf fast allen anderen Rechtsgebieten ein, gelegentlich veranlasst durch kritische Bemerkungen in der höchstrichterlichen Rechtsprechung. So hat das Bundesverfassungsgericht im Jahre 1957

175 Abs. 1 Strafgesetzbuch, wonach alle Formen männlicher Homosexualität auch unter Erwachsenen mit Strafe bedroht waren, für noch verfassungskonform angesehen, weil es sich um einen "eindeutigen Verstoß gegen das Sittengesetz" handele (BVerfGE 6, 389 ff, 434). Zwar sei die Feststellung der Geltung eines solchen Sittengesetzes schwierig. Maßgeblich sei auch nicht die persönliche Auffassung des Richters, wohl aber die Verurteilung gleichgeschlechtlicher Betätigung durch die beiden großen christlichen Konfessionen. Auch wenn sittliche Anschauungen durchaus einem Wandel unterworfen sein könnten, sei dies hier nicht festzustellen (1957). Nur 16 Jahre später, 1973, hat der Gesetzgeber diese Vorschrift ersatzlos gestrichen (4. StrRRefG BGBl 1973 I 1725). Der "eindeutige Verstoß gegen

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