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WestEnd 2017/1: Alexis de Tocqueville und die Paradoxien der Gleichheit Neue Zeitschrift für Sozialforschung

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2017
  • Verlag: Campus Verlag
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WestEnd 2017/1: Alexis de Tocqueville und die Paradoxien der Gleichheit

Die Idee demokratischer Gleichheit scheint mit einem eigentümlichen Paradox behaftet zu sein: Die angestrebte Gleichheit steht im Verdacht, die ihr zugrunde liegende Pluralität zu tilgen und die Einzelnen unter Konformitätsdruck zu setzen. Alexis de Tocqueville hat diese paradoxale Logik beschrieben und die These von einer 'Tyrannei der Mehrheit' entwickelt. Diese These betrifft nicht nur die Frage politischer Repräsentation, sondern auch die der kulturellen und sozialen Teilhabe. WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung Herausgegeben vom Institut für Sozialforschung In Anlehnung an die berühmte "Zeitschrift für Sozialforschung" (1932 - 1941) verfolgt auch ihre seit 2004 halbjährlich erscheinende Nachfolgerin "WestEnd" den Anspruch einer kritischen Gesellschaftsanalyse. Zur Veröffentlichung kommen Aufsätze und Essays aus Soziologie, Philosophie, politischer Theorie, Ästhetik, Geschichte, Entwicklungspsychologie, Rechtswissenschaft und politischer Ökonomie. Neben den Rubriken "Studien" und "Eingriffe" behandelt jedes Heft ein Schwerpunktthema.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 226
    Erscheinungsdatum: 11.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593436265
    Verlag: Campus Verlag
    Serie: WestEnd Nr.26
    Größe: 10889 kBytes
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WestEnd 2017/1: Alexis de Tocqueville und die Paradoxien der Gleichheit

Meike Sophia Baader Pädosexualität. Kindheit und Geschlecht im wissenschaftlichen Diskurs der 1970er Jahre Einleitung und Ausgangspunkt Eine öffentliche Thematisierung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen erfolgte in der Bundesrepublik in den letzten Jahren in mehreren Wellen. 2010 wurden in einer ersten Welle Missbrauchsvorfälle an katholischen Internaten und in der reformpädagogisch ausgerichteten Odenwaldschule öffentlich bekannt, wobei Letztere bereits Ende der 1990er Jahre erstmals publik gemacht wurden, was damals aber kaum auf Resonanz stieß. Im Bundestagswahlkampfjahr 2013 gerieten dann die Grünen anlässlich einer geplanten Preisverleihung an ihren Europaabgeordneten Daniel Cohn-Bendit ins Visier. Auslöser für die Vorwürfe gegen Cohn-Bendit war eine Schrift, die er 1975 veröffentlicht hatte und die eine anstößige Passage über seine Zeit in einem Frankfurter Kinderladen enthielt. Cohn-Bendits Beschreibung einer erotisierten Interaktion von Kindern und ihm als Erzieher erwies sich wohl als fiktiv; dennoch räumte er selbst ein, dass seine 'unerträgliche Provokation' ein Fehler gewesen sei (Denkler 2014). Diese öffentlich breit thematisierten Ereignisse zogen es nach sich, dass die Forschung sich seitdem ebenfalls verstärkt mit dem Thema befasste. Dabei spielte auch eine historische Dimension eine Rolle. Für den deutschsprachigen Raum liegt ein besonderer Akzent auf der Erforschung der Geschichte der Jugendbewegung und der Reformpädagogik. Eine geschlechtergeschichtliche Dimension wird dabei allerdings selten berücksichtigt (vgl. Baader 2012a und 2016b), auch wenn grundsätzlich die Macht von Geschlechternormen im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt in Institutionen betont wird (vgl. Mayer 2011). Thematisiert werden Aspekte geschlechtshomogener Sozialisation und hegemonialer Männlichkeit im Zusammenhang mit der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in katholischen Klosterinternaten (vgl. Mosser, Hackenschmied und Keupp 2016). Die Pädophilie-Debatte bei den bundesrepublikanischen Grünen ist in einer parteien- und politikgeschichtlichen Studie von 1968 bis 1989 erforscht worden (vgl. Walter, Klecha und Hensel 2015), auch hier wird keine geschlechtergeschichtliche Perspektive verfolgt. Ebenfalls untersucht wurde ein Projekt, das der Psychologe, Sozialpädagoge und Sexualwissenschaftler Helmut Kentler in den 1970er Jahren in Berlin durchgeführt hatte. Kentler, ab 1977 Professor für Sozialpädagogik an der Leibniz-Universität Hannover, hatte 13- bis 17-jährige Jungs, die in Berlin auf der Straße lebten, bei pädophilen Männern untergebracht, und der Berliner Senat hatte dies finanziert (siehe Institut für Demokratieforschung Göttingen 2016). Wie die Kategorie Pädophilie in aktuellen antifeministischen Diskursen angerufen wird, analysiert Kämpf (2015). Der Hauptfokus des vorliegenden Beitrags liegt darauf, wie die Erziehungs-, Sexual- und Sozialwissenschaften in pädosexuelle Positionen der 1970er bis 1990er Jahre und damit auf einer disziplin-, wissenschafts- und wissensgeschichtlichen Ebene involviert waren. Dass nicht nur pädagogische Institutionen, sondern auch die Wissenschaften in ihrer Geschichte in Fragen sexualisierter Gewalt verwickelt waren, unterstreicht Hagner in seiner historischen Studie zum Fall des Hauslehrers Dippold, der aus einem reformpädagogischen Kontext kam und einen ihm anvertrauten Schüler 1903 zu Tode prügelte. Hagner zeigt, wie die (Sexual-)Wissenschaft um 1900 zur Legitimation von Gewalt in der Erziehung beigetragen und wie diese diskursive Struktur im Umfeld des betroffenen Jungen zur Zustimmung zu gewaltförmigen Praktiken geführt hatte (vgl. Hagner 2010: 36 ff.). Wenn aktuell die Aufforderung an die Erziehungswissenschaft ergeht, 'ihren eigenen Beitrag zur Aufarbeitung' von sexualisierter Gewalt 'noch zu leisten' (Andresen, Böllert und Wazlawik 2016: 621), dann ist dies nicht nur auf die verschiedenen pädagogischen Handlungsfelder, die Instit

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