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Letzte Bibliotheken Reflexe eines schwindenden Zeitalters von Heyde, Konrad (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Letzte Bibliotheken

Plötzlich ist klar: Ein Goldenes Zeitalter der Bibliotheken, wie es ehrgeizigen Bibliothekaren und optimistischen Bildungs- und Kulturpolitikern manchmal vor Augen stand, wird nicht kommen. Der bescheidene Fortschritt der Bibliotheksentwicklung ist schier unbemerkt in Rückschritt übergegangen. Gelegentliche Berichte über neu eröffnete Bibliotheken täuschen darüber hinweg; sie beschreiben euphorisch die herausragende Architektur und berauschen sich an Bildschirmarbeitsplätzen, Selbstverbuchungsanlagen, Mediensortiergeräten und elektronischen Leitsystemen, von Büchern ist keine Rede. Unter Bibliothekaren verbreitet sich eine Ablehnung des Buchs. Sie wollen Bibliotheken in Treffpunkte, Veranstaltungszentren und Erlebnisorte verwandeln. Die Tendenz, dass Bibliothekare nichts mehr mit Büchern und Bibliotheken zu tun haben wollen, wird immer offensichtlicher. Das dürftige Zeitalter der Bibliotheken läuft aus. Gerade im Niedergang entdeckt Konrad Heyde Aspekte, die bisher kaum beachtet wurden, aber deutlich machen, dass Bibliotheken, auch wenn sie dem Ende entgegengehen, immer noch interessante Einrichtungen sind.

Konrad Heyde, geboren 1940, Diplom-Bibliothekar, 1982-2003 Leiter der Staatlichen Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen Freiburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 31.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743146099
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 2737kBytes
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Letzte Bibliotheken

Mitbringsel: Bibliotheksbeispiele der europäischen Nachbarn

Das Buch in portugiesischer Sprache (den Titel erinnere ich nicht), das den Architekten Maximilian Lixa vorstellt, ein typisches Architekturbuch (mehr Raum für Abbildungen als für Texte) und wohl eher eine Selbstdarstellung des Architekten, der, um das zu kaschieren, einen Freund als Autor oder Herausgeber gewinnen konnte - ein in der Branche verbreitetes Publikationsverfahren. Unter den vorgestellten Planungen war auch ein besonderes Bibliotheksprojekt: die Überbauung der 1900 Jahre alten, bestens erhaltenen großen römischen Brücke im Zentrum des nordportugiesischen Städtchens Chaves mit einer Bibliothek in Glas (hervorragend verschattet). Der Kontrast könnte nicht extremer sein: die wuchtige Schwere der massiven Steinbrücke, die leichte, zerbrechliche, fast hingehauchte Bibliothek (dargestellt durch Fotos von einem Architekturmodell vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Stadt). - Maximilian Lixa präsentierte sein Buch in der einzigen Buchhandlung in Chaves, gleich bei der Brücke. Da ich wegen der Brückenbibliothek das Buch kaufte und mit ihm ins Gespräch kam (er hat zwei Semester in Aachen studiert), hat er die Widmung hineingeschrieben: "Für die Bibliotheksplaner in Freiburg. Max Lixa." - (Von Lixa gibt es einen weiteren, ebenfalls nicht umgesetzten Entwurf für eine Brückenbibliothek. Auf dem Gelände der Weltausstellung 2008 in Saragossa befindet sich herausragende Architektur von internationalen Stararchitekten, darunter das als Brückengebäude spektakulär über den Ebro gelegte Kongresszentrum Pabellón Puente von Zaha Hadid, in dem ihr eigentümlichen Design: "Hochgeschwindigkeitsarchitektur". Mit seinem Entwurf beteiligte sich Lixa 2011 an einem Wettbewerb zur Umnutzung dieses Bauwerks in eine Bibliothek; er enthält u. a. farbige Zeichnungen auf großformatigen, leicht überbelichteten und darum aufgehellten Schwarz-Weiß-Fotos.) - Das ist wohl oft das Schicksal von Ausstellungsarchitektur: Wenn sie nicht gleich abgerissen wird, weil sie einfach zu interessant ist und dann keine angemessene Nutzung findet, dämmert sie immer schäbigerem Ende entgegen. Das trifft auch auf Zaha Hadids 1999 auf dem Gelände der Landesgartenschau in Weil am Rhein errichteten, "Beschleunigen und Abheben" darstellenden Landespavillon Baden-Württemberg zu, in dem damals die Fachstelle die Ausstellung "Literaturland Baden-Württemberg" präsentierte und das heute zur Vorbeugung gegen Vandalismus mit Pressspanplatten zugeschraubt ist.

Ein weiteres Mitbringsel: Das riesige Plakat (etwa 9 Meter breit und 3,5 Meter hoch) zur Eröffnung des Neubaus der Stadtbibliothek in Olhão, einer portugiesischen Kleinstadt (15.000 Einwohner, der größte Fischereihafen an der Algarve), zeigt einen Teil der neuen Bibliotheksfassade über die die Zeile gelegt ist (auf Deutsch etwa): "Die neue Bibliothek wird eröffnet: am 15. Mai". Das Plakat war bereits monatelang vor der Eröffnung an mehreren Stellen, die den Charakter von Eingängen zur Stadt hatten, auf eigens errichteten Plakatwänden zu sehen, an einem verkehrsreichen Kreisverkehr, auf dem Bahnhofsplatz, im Hafen bei den beiden Markthallen etc. Und in der Bibliothek konnte es gekauft werden, seine sechs Teile gefaltet im Pappschuber.

Noch ein Mitbringsel: Die Eröffnungsbroschüre der neuen Stadtbibliothek von Mariehamn (knapp 10.000 Einwohner), dem Hauptort der Ålandinseln (insgesamt 28.000 Einwohner), einem Archipel mit 7000 Inseln und Schären (nur die paar größten bewohnt) auf einer Fläche von 100 x 100 km am Eingang zum Bottnischen Meerbusen zwischen dem finnischen Festland und Schweden gelegen, eine finnische Provinz, schwedischsprachig. Verteilt über zwölf Jahre war ich acht Mal zu einem je vierwöchigen Urlaub mit Faltboot und Zelt dort: von Mariehamn aus aufs Meer und in die Wildnis und nach vier Wochen wieder zurück in die Zivilisation nach Mariehamn. Durch die Paddelurlaube konnte die Entwic

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