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Demokratie gegen den Staat Marx und das machiavellische Moment von Abensour, Miguel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Demokratie gegen den Staat

Von Stuttgart und Madrid bis Kairo und Tel Aviv befinden sich die Menschen auf den Straßen, um ihre Rechte einzuklagen und für ihre Anliegen bei den Herrschenden Gehör zu finden. Nicht nur arabische Despoten, sondern auch repräsentative Demokratien scheinen sich mit dieser Demokratie von der Straße schwer zu tun. Vielleicht ist es daher an der Zeit, die Demokratie neu zu denken? Miguel Abensour unternimmt in seinem faszinierenden Buch einen solch anspruchsvollen Versuch. Überraschenderweise nimmt er für diesen Versuch seinen Ausgang bei Marx, der bislang nicht als bedeutender Demokratietheoretiker bekannt war. Abensour gelingt es jedoch in souveräner Manier, in den Texten des frühen Marx eine Theorie der "wahren Demokratie" freizulegen. In dieser fällt die Demokratie nicht mit dem Staat zusammen. Vielmehr entsteht sie aus dem Volk heraus, das eine öffentliche Sphäre für Konflikte schafft, die sich dann den staatlichen Apparaten und den in ihnen repräsentierten Machtverhältnissen entgegenstellt. Es ist eine solche "Demokratie gegen den Staat", die sich heute an vielen Orten der Welt Bahn bricht. Mit Abensour lernen wir, sie zu denken. Miguel Abensour, geboren 1939, war emeritierter Professor für politische Philosophie an der Universität Paris VII und Herausgeber der einflußreichen Reihe Critique de la politique . Er starb am 22. April 2017.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 269
    Erscheinungsdatum: 16.04.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518780107
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: La démocratie contre l'état
    Größe: 1269 kBytes
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Demokratie gegen den Staat

29 Vorwort

Seit einiger Zeit scheint sich die Tendenz, Marx als "alten Hut" zu betrachten, abzuschwächen. Die Rückkehr zu Marx, oder von Marx, kündigt sich an und ist hier und da ganz offensichtlich mit unterschiedlichen Absichten verbunden. Ist die Zeit des Abgesangs vorbei, beginnt nun die Zeit der "Erklärung mit"?

Nun, es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Arten der Rückkehr. Aber anstatt sie nach ihrem Gegenstand zu unterscheiden, ist es besser, den Schnitt gleich zwischen denjenigen anzusetzen, die auf der Seite des Marxismus stehen – oder eines gegebenen Marxismus –, und denjenigen, die eine Position einnehmen, die diesem entschieden fern- beziehungsweise entgegensteht; zwischen denjenigen, die aus Marx weiterhin den Stifter von Bewegungen, Parteien, Staaten machen, und denjenigen, die dieser Art der Verwendung den Rücken kehren und bereit sind, ihn in seiner Singularität und Alleinigkeit zu rezipieren.

Marx hatte die Gewohnheit, zu erklären: "Alles, was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin." Man würde einen großen Fehler begehen, wenn man darin nur einen provokativen Scherz desjenigen sehen würde, den man fälschlicherweise zu einem Gründungsvater erhebt. Marx hat den "utopischen Substitutionalismus" – ein Utopist erhebt den Anspruch, an die Stelle einer sozialen Bewegung zu treten – zur Genüge gerügt und angegriffen, um sich nicht auch gegen den "theoretischen Substitutionalismus" zu wehren, der darin besteht, den Familiennamen eines "großen Theoretikers" gegen die anonyme Emanzipation, die Emanzipation der beherrschten Klasse, aus 30 zutauschen. Wäre der Marxismus in diesem Sinne nicht die Verkehrung des marxschen Denkens, das dem Projekt einer Arbeiterunion von Flora Tristan näher war als den parteibezogenen oder staatlichen Übersetzungen derer, die sich als seine Schüler bezeichnen? So gesehen, hat der Zusammenbruch der marxistischen Regime, die sich missbräuchlich als sozialistisch ausgaben, unter anderen positiven Effekten den, uns Marx "zurückzugeben", einen Marx, der von ideologischen Konkretionen, die zwischen ihm und uns eine wahre Mauer errichtet haben, befreit ist. Doch streng genommen, hat diese Form der Rückkehr zu Marx oder vielmehr die Wiederentdeckung von Marx jenseits des Marxismus diesen Zusammenbruch nicht abgewartet. So haben Maximilien Rubel und Michel Henry auf ihre je eigene Weise Wege eröffnet, um uns die Stimme von Marx wieder zu Gehör zu bringen.

Im Falle von Michel Henry eine philosophische Stimme; sein Urteil könnte kaum klarer sein: "Der Marxismus ist die Gesamtheit der Verzerrungen, die man Marx angedeihen ließ." 11 Eine lange währende Verkennung, die dadurch begünstigt wurde, dass das philosophische Werk von Marx lange Zeit unbekannt war, denn, wie Michel Henry immer wieder betont, das Unglaubliche ist, dass der Marxismus sich ohne eine Bezugnahme auf das philosophische Denken von Marx konstituiert und definiert hat, in völliger Unkenntnis dessen. Tatsächlich wurden die philosophischen Hauptwerke von Marx erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts von Riazanov entdeckt. Ausgehend von dieser Feststellung schlägt Michel Henry eine revolutionäre Lektüre von Marx vor, die zum einen 31 behauptet, dass die historisch-politischen Texte von Letzterem auf Begriffen aufbauen, die nicht grundlegend sind, zum anderen, dass die wesentlichen Begriffe des Marxismus in keiner Weise die für Marx grundlegenden sind, da sie für ihn weder Realitäten noch Erklärungsprinzipien darstellen. So wird uns der Weg zu einer Philosophie von Marx eröffnet, die auf der Suche nach einer Realität ist, die sowo

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