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Der Major, der den Krieg überlistete von Böhmer, Daniel-Dylan (eBook)

  • Erschienen: 06.10.2013
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Der Major, der den Krieg überlistete

Die pakistanischen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan gelten als eine der gefährlichsten Krisenregionen der Welt. Wenn man eines mit der entlegenen Gegend nicht verbindet, dann ist es Hoffnung. Erst im Oktober 2012 verübten die Taliban dort einen Anschlag auf eine 14-Jährige, die um Bildungschancen für Mädchen kämpfte. Doch genau daran, an die Macht der Bildung, knüpft sich die Hoffnung des 95-jährigen Geoffrey Langlands. Der englische Major, der im Zweiten Weltkrieg ins Land kam, dort blieb und der bis heute Lipton-Tee trinkt und Porridge isst, leitet eine Schule in Chitral, einem alten Fürstentum hoch oben in den Bergen. Hier erzieht er Kinder zu freien Menschen, und die Leute aus dem Tal beschützen ihn. Gemeinsam versuchen sie, eine Welt zu bewahren, die nicht in Krieg und Terror versinken darf, wenn der Westen 2014 seine Truppen aus dem Hindukusch abzieht.
Daniel-Dylan Böhmer, geboren 1975, ist Redakteur für Außenpolitik bei der Welt . Für die Recherchen zu diesem Buch verbrachte er drei Monate im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet.

Produktinformationen

    Größe: 5654kBytes
    Herausgeber: Insel Verlag
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 240
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783458733676
    Erschienen: 06.10.2013
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Der Major, der den Krieg überlistete

II.

M an kann die Lebensbedingungen des Majors in der einsamen Bergwelt von Chitral etwas seltsam finden. Man kann sich fragen, warum er sich eine so harte, schwer zu erreichende Heimat ausgesucht hat, die so unsicher und dürftig ist im Vergleich zu seinem früheren Leben in Pakistans elegantester und freizügigster Großstadt Lahore. Dabei war der Wechsel in Wahrheit noch viel härter. Denn vom elitären Aitchison College ging der Major zunächst in eine Gegend, gegen die Chitral ein Paradies ist. Jene Gegend unterscheidet sich vom Rest Pakistans radikal. Vermutlich ist sie mit keiner anderen Region der Erde vergleichbar, einzigartig als politisches, rechtliches und militärisches Niemandsland: Nord-Wasiristan.

Wenn amerikanische Politiker und pakistanische Generäle miteinander in Streit geraten, dann fällt dabei ganz sicher irgendwann der Name dieses Gebietes an der Grenze zu Afghanistan, etwa 350 Kilometer südwestlich von Chitral. Denn Nord-Wasiristan ist das wichtigste Rückzugsgebiet von Taliban, al-Qaida und den mit ihnen kooperierenden Gruppen auf pakistanischem Boden. Auch deutsche Terroristen wie Eric Breininger und Mitglieder der Sauerland-Gruppe wurden dort ausgebildet. Während die pakistanische Armee die Extremisten seit 2009 in mehreren großen Offensiven aus vielen Gebieten an der Grenze vertrieben hat, lässt sie Nord-Wasiristan?– trotz nachdrücklicher Forderungen aus Washington?– bislang unangetastet. Über die Gründe dafür gibt es unterschiedliche Spekulationen. Den Generälen, die auch heute, in halbwegs demokratischen Zeiten, die Außen- und Sicherheitspolitik Pakistans bestimmen, passe diese Insel des Terrors als Druckmittel gegen Afghanistan gut ins Konzept und außerdem wollten sie ihre Kontakte zu den Militanten nicht beschädigen, meinen die einen. Die Armee sei vielleicht gar nicht in der Lage, in Nord-Wasiristan Ordnung zu schaffen, vermuten die anderen, und eine Offensive hätte schreckliche Folgen für die Zivilbevölkerung. Natürlich können durchaus beide Versionen zutreffen. Sicher ist nur: In Nord-Wasiristan konnten sich noch nie staatliche Strukturen etablieren. Jeder Versuch scheiterte bislang am Freiheitsethos der paschtunischen Bewohner oder an der waffenstarrenden Todfeindschaft zwischen den einzelnen Stämmen. Die Briten mussten die Aussichtslosigkeit ihrer Domestizierungsversuche in dieser Gegend recht schmerzhaft erfahren, und in der Folge institutionalisierten sie dort ein Macht- und Rechtsvakuum, das die Pakistaner geerbt und erhalten haben.

Major Langlands landete 1979 in einem Brennpunkt dieser historischen Absurdität: dem Armeelager Razmak, das kurz zuvor teilweise in eine Kadettenschule umgewandelt worden war. "Die Briten haben Razmak gegründet", sagt der Major nicht ohne Stolz, und wenn er von den Tagen des Empire erzählt, klingt das freundlich und relativ vernünftig. Der Grund für die Errichtung des Camps sei der andauernde Krieg zwischen dem Stamm der Wasir aus Nord- und dem Stamm der Mehsud aus Süd-Wasiristan gewesen: "Damals, so ungefähr 1920, beklagten sich die Wasirs, weil sich die Mehsuds immer weiter in ihr Gebiet ausbreiteten. Also haben die Briten angeboten, zwischen den beiden Stämmen ein Armeelager einzurichten. Da stand dann durchgängig ein Kontingent von etwa zehntausend britischen Soldaten, die das Lager fast nie verließen."

"Klein London" habe man Razmak damals genannt, weil es tatsächlich eine kleine britische Stadt mitten in der Einöde gewesen sei. "Allerdings war es auch das größte Kloster der Welt", fügt der Major amüsiert hinzu, "denn in Razmak durfte es keine Frauen geben, das wäre vi

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