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Führungsmacht Deutschland Strategie ohne Angst und Anmaßung von Mangasarian, Leon (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.05.2017
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Führungsmacht Deutschland

Was ist zu tun, wenn Amerika sich abwendet, wenn Europa auf sich alleine gestellt ist, wenn die Weltordnung neu sortiert wird? Dass Deutschland hier eine zentrale Verantwortung übernehmen muss, davon sind viele überzeugt. Nur die Deutschen selbst noch nicht. Denn es steht im Widerspruch zum Selbstverständnis des Landes, zu einer Kultur der Zurückhaltung, die aus der realen und moralischen Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und der jahrzehntelang unvollständigen Souveränität hervorging.

Doch wenn die Welt des Westens, wie wir sie kennen und lieben, erhalten bleiben soll, dann ist Deutschland gefragt. Dann muss es zu einer Kultur des aktiven Handelns finden und in seinem Engagement für den Erhalt der westlichen Ordnung über sich hinauswachsen. Denn es ist längst zu einem nicht ersetzbaren Mitstreiter für diese Ordnung geworden.

Als Modell für eine solche neue Strategie sehen die Autoren das Konzept der Servant Leadership, des dienenden Führens, und zeigen auf, wie sie sich umsetzen lässt.

Leon Mangasarian , Dr. rer. pol., Journalist, geboren 1960 in Kalifornien, verbrachte seine Jugend in Wisconsin und in England und lebt seit 1987 in Deutschland. Er studierte Geschichte und Politik an der London School of Economics und der University of Wisconsin-Madison. Für Bloomberg News, dpa und United Press International berichtete er unter anderem auch aus der DDR und zuletzt aus der Ukraine und Griechenland. Als Berichtstatter nahm er an zahlreichen internationalen NATO- und EU-Gipfeltreffen sowie Sicherheitskonferenzen teil.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 05.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423431644
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 683kBytes
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Führungsmacht Deutschland

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Ohne Strategie kein "dienendes Führen"

Eine Strategie ist die konzeptionelle Voraussetzung für dienendes Führen, denn sie zwingt den Servant Leader dazu, zu definieren, welcher Sache er eigentlich dienen will. Eine Strategie ist ein langfristiger Plan zur Erreichung von definierten Zielen auf der Grundlage der zur Verfügung stehenden Ressourcen und Instrumente. Eine Strategie erzeugt zudem Berechenbarkeit in den Augen der anderen. Eine Strategie soll der Außenwelt, den externen Beobachtern, den Partnern und auch möglichen Kontrahenten signalisieren: Das ist es, was wir wollen, das ist es, wo wir stehen. Eine Strategie versetzt einen Akteur, wie Lawrence Freedman sagt, "in die Lage, über Kurzzeitziele und Tagesaktualitäten hinauszublicken auf Langzeitziele und auf das wirklich Wichtige, sich mehr mit den Ursachen zu befassen als mit den Symptomen, den Wald zu sehen und nicht nur die Bäume". [9] Bei einer Strategie geht es also darum, Notwendigkeiten, Interessen, Absichten, Methoden und Möglichkeiten in ein kohärentes Ganzes zu bringen. Es geht darum, Ziele zu setzen und Ressourcen und Wege ausloten, mit denen man diese Ziele erreichen kann. [10]

Strategie hat auch etwas mit Berechenbarkeit zu tun. In der Außenpolitik ist die Berechenbarkeit und Verlässlichkeit eines Landes ein hohes Gut, das Vertrauen schafft und damit für das Miteinander der Staaten ganz unerlässlich ist. Nichts ist schwieriger als ein unberechenbares Land, von dem man nicht genau weiß, wo es steht. Nun ist Deutschland gewiss kein unberechenbares Land, aber trotzdem hat es immer wieder auch Kritik an seiner unklaren außenpolitischen Orientierung, an seinem Mangel an Strategie, gegeben. Doch gerade in angespannter Zeit verschafft Strategie Sicherheit und Orientierung. Nicht, weil sie ein Rezept für jede Eventualität bereithält, sondern weil sie Leitlinien, Grenzen und Grundorientierungen definiert. Eine Strategie liefert zwar keine Patentrezepte für alle Eventualitäten, und oft werden ihre Schwächen in der Realität des täglichen Problemlösens gnadenlos aufgezeigt. Schon Carl von Clausewitz , der preußische Offizier und Militärreformer wusste, dass eine Strategie den ersten Kontakt mit der Realität nicht überlebt. Aber das hielt ihn trotzdem nicht davon ab, eine Strategie für notwendig zu halten. Denn er wusste, dass das mentale Gerüst, das man sich damit schafft, unerlässlich ist, gerade in einer Situation, in der man unter großen Druck gerät.

Auch für die Außenpolitik gilt: Eine Strategie versetzt den Akteur in die Lage, Außenpolitik nicht nur als Verwaltung und Management des Hier und Jetzt zu betrachten, sondern den Zeithorizont über das Tagesgeschäft hinaus auszudehnen. Das ist besonders wichtig, denn gerade auf dem Feld der Außenpolitik ist die Versuchung groß, sich im Management der täglichen Krise zu verlieren. Gemeint ist das tägliche Hereinbrechen von neuen Ereignissen, die "events, dear boy, events", wie es der britische Premierminister Harold Macmillan einmal bezeichnet hat. Auch für Deutschland mit seiner speziellen Befindlichkeit und seiner noch immer recht komfortablen außenpolitischen Lage besteht die Gefahr, sich auf beschränkte Vorstellungen aus der Zeit der Friedensillusion nach dem Ende des Kalten Krieges zurückzuziehen, statt die neue außen- und sicherheitspolitische Lage als die Fundamentalkrise und Herausforderung anzunehmen, die sie ist.

Strategieprozesse sind komplex, benötigen Zeit, und werden oft als schwierig empfunden, da es in ihnen um Grundlagen des Selbstverständnisses von Institutionen geht. Warum, so lautet der Einwand, soll man sich über Dinge verständigen, über die man sich ohnehin einig ist? Warum kann man nicht gleich zur praktischen operativen Planung übergehen? Oft genug stellt sich bei Diskussionen über die Grundziele einer

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