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Schule - Macht - Politik Politische Erziehung in österreichischen Schulbüchern der Zwischenkriegszeit von Pfefferle, Roman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.08.2013
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (ePUB)
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Schule - Macht - Politik

Die Inhalte und Wertungen von Schulbüchern prägen das gesellschaftliche und politische Bewusstsein ganzer Generationen. Was die Großelterngeneration im Schulranzen mit sich herum trug, verrät viel darüber, wie sie sozialisiert wurde, welches selektierte Grundwissen sie mit auf den Weg bekam, wie nachhaltige Grundhaltungen und politische Einstellungen entstanden. Schulbuchforschung ist somit politische Kulturforschung. In der Zeit zwischen den Weltkriegen waren die Schulbücher in Österreich je nach dem herrschenden politischen System sehr unterschiedlich in Inhalt und Ausrichtung. Roman Pfefferle zeichnet in diesem Buch anschaulich nach, was die politischen Eliten der Ersten Republik und jene des Austrofaschismus für die Jugend wollten und wie sie es propagierten.

Produktinformationen

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Schule - Macht - Politik

Teil I

1 Politische Kultur

1.1 Begriff

Der Begriff politische Kultur ist heute in zweierlei Bedeutung in Verwendung. Einerseits fand er Eingang in die politische Alltagssprache, andererseits bezeichnet er ein Konzept politikwissenschaftlicher Analyse.

In seiner alltagssprachlichen Bedeutung wird unter dem Begriff, analog zur Verwendung des Kulturbegriffs in anderen Bereichen (z.Bsp. Esskultur, Unternehmenskultur etc.), ein kultivierter politischer Stil verstanden. Er dient in diesem Zusammenhang zur Bezeichnung zwischenmenschlicher Umgangsformen im politischen Prozess und wird dementsprechend im Politiker- sowie Journalistensprachgebrauch meist wertend verwendet. So etwa dann, wenn Politiker einander einen Mangel an politischer Kultur unterstellen und damit auf ihr Unbehagen hinsichtlich des politischen Stils ihrer Kontrahenten hinweisen wollen.

Im Gegensatz dazu wurde der Begriff in der Politikwissenschaft für die Bezeichnung der subjektiven Dimension gesellschaftlicher Grundlagen der Politik oder politischer Systeme eingeführt, worunter unterschiedliche politische Orientierungsmuster einer Bevölkerung oder ihrer Teilgruppen aber auch solche innerhalb politischer Eliten zu verstehen sind. Politische Kultur ist in diesem Sinne keine kultivierte Umgangsform, die es zu erzeugen oder zu erhalten gilt, sondern meint die Existenz politischer Mentalitäten, die für eine bestimmte Zeit innerhalb eines bestimmten Territoriums charakteristisch sind. Es gibt daher nicht "die" politische Kultur Österreichs, sondern immer nur bestimmte politische Kulturen innerhalb unterschiedlicher Perioden österreichischer Geschichte.

Im Folgenden soll der Entstehungsgeschichte und der Weiterentwicklung des komplexen Analysekonzepts politische Kultur mit dem Ziel auf den Grund gegangen werden, es für vorliegende Arbeit zu operationalisieren und somit nutzbar zu machen.

1.2 Ursprungskonzept der politischen Kultur

Das politikwissenschaftliche Konzept politische Kultur wurde bereits Mitte der fünfziger Jahre von Gabriel Almond (vgl. Almond 1956) vorgestellt und in weiterer Folge, gemeinsam mit Sydney Verba, zu einem Theorieentwurf verdichtet. In ihrer Pionierstudie "The Civic Culture" (Almond/Verba 1963) stellen die beiden Autoren politische Kulturen in fünf Staaten vergleichend gegenüber, wobei ihre empirischen Erhebungen auf Umfragedaten beruhen. Die Motivation für die Etablierung des Konzepts der politischen Kultur kann darin gesehen werden, dass es für eine umfassende Analyse politischer Systeme nicht genügt, lediglich die jeweilige Rechtsverfassung beziehungsweise die institutionelle Architektur unterschiedlicher Regime zu untersuchen. Vielmehr ist es notwendig, auch subjektive Dimensionen wie politische Einstellungs- und Orientierungsmuster sowie Verhaltensweisen in einem bestimmten System über einen bestimmten Zeitraum zu erfassen, um zu einem vollständigen Bild zu gelangen. "The political culture of a society consists of the system of empirical beliefs, expressive symbols, and values which defines the situation in which political actions take place. It provides the subjective orientation to politics" (Pye/Verba 1965: 513).

Bezugnehmend auf das Ursrpungskonzept wird politische Kultur Mitte der 1980er Jahre von Almond schließlich in vierfacher Weise definiert (vgl. Almond, 1987: 29):

1. Politische Kultur bezieht sich auf das Muster subjektiver Orientierungen gegenüber Politik einer ganzen Nation oder ihrer Teilgruppen.

2. Politische Kultur hat kognitive, affektive und evaluative Bestandteile. Sie schließt Kenntnisse und Meinungen über politische Realität, Gefühle über Politik und politische Werthaltungen ein.

3. Inhalt politischer Kultur ist das Ergebnis von Kindheitssozialisation, Erziehung, Medieneinfluss und Erfahrungen im Erwachsenenleben mit den Leistungen von Regierung, Gesellschaft und Wirtschaft.

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