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Terror vor Europas Toren Der Islamische Staat, Iraks Zerfall und Amerikas Ohnmacht von Buchta, Wilfried (eBook)

  • Verlag: Campus Verlag
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Terror vor Europas Toren

Der Vormarsch der Milizen des selbsternannten Islamischen Staats gehört derzeit zu den beherrschenden Nachrichtenthemen. In ihm zeigt sich eine neue Qualität des Terrors, der mit dem Export des Heiligen Kriegs, des Dschihad, auch nach Europa überzuschwappen droht. Doch wie konnte es zu dieser bedrohlichen Entwicklung kommen? Wilfried Buchta, ein ausgewiesener Kenner der Region, zeichnet die fatalen Ereignisse im Nahen Osten nach. Er beleuchtet dabei die Rolle der wichtigsten Akteure und Machtfaktoren und erklärt, welche Handlungsoptionen dem Westen heute noch bleiben.

Wilfried Buchta ist promovierter Islamwissenschaftler. 2005 bis 2011 arbeitete er als politischer Analytiker für die UN-Mission im Irak. Als Zeitzeuge hat der Kenner der Region und ihrer Geschichte die politischen Ereignisse, die zum Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat geführt haben, täglich hautnah miterlebt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 413
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593430713
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 7194 kBytes
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Terror vor Europas Toren

Kapitel Eins
Wie Phönix aus der Asche: Die Rückkehr des "Islamischen Staates"

Der Angriff auf Mossul im Juni 2014

Der 9. Juni 2014 markiert einen Wendepunkt in der langen Geschichte blutiger Auseinandersetzungen im Nahen Osten. An diesem Tag - einem Donnerstag, an dem sich die Muslime überall auf der Welt auf den religiösen Ruhetag der Woche vorbereiteten - begann die dschihadistische Terrormiliz "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) unter ihrem Anführer Abu Bakr al-Baghdadi einen gut vorbereiteten Angriff auf die irakischen Regierungstruppen in und um Mossul. Für die von Schiiten dominierte Regierung in Bagdad kam die von 1.500 ISIS-Kämpfern ausgeführte Blitzoffensive gegen Mossul, die Hauptstadt der fast rein sunnitischen Provinz Ninawa, wie aus heiterem Himmel. Die militärische Gesamtstärke des ISIS hat man für Juni 2014 auf 6.000 Mann geschätzt - eine verschwindend kleine Zahl, zumal wenn man sie mit Bagdads Streitkräften vergleicht. Diese wiesen damals - zumindest auf dem Papier - eine Mannschaftsstärke von 350.000 Mann auf, von denen 50.000 Soldaten in Mossul stationiert waren. Dass der "David" des ISIS ungeachtet des Überraschungsmoments etwas gegen den "Goliath" aus Bagdad würde ausrichten können, wäre keinem Beobachter in den Sinn gekommen.

Al-Baghdadis Vorgänger, der Jordanier Abu Musab al-Zarqawi, hatte die Organisation 1999 unter dem Namen "Gotteseinheit und Heiliger Krieg" ( al-tauhid wa al-jihad ) gegründet, bevor er in den Kampf gegen die US-Besatzungsmacht zog, die das Land an Euphrat und Tigris nach dem Irakkrieg von 2003 beherrschte. Nachdem Zarqawi gegenüber dem Führer von Al-Qaida, Usama Bin Ladin, einen Treueschwur ( baia ) abgelegt hatte, entschloss er sich im Oktober 2004, seine Organisation in "Al-Qaida im Irak" (AQI) umzubenennen. Mit der zumindest nominellen Anbindung an die legendäre Al-Qaida von Bin Ladin verfolgte Zarqawi ein ganz bestimmtes Ziel: Er wollte sein Renommee unter anderen dschihadistischen Gruppen im Irak heben und ihnen Sympathisanten und Kämpfer abspenstig machen. Sein Kalkül ging auf, machte ihn jedoch zu einem Hauptgegner der US-Truppen im Irak: Im Juni 2006 gelang es US-Spezialeinheiten, Zarqawi zu töten. Sein erster Nachfolger, Abu Omar al-Baghdadi (2006-2010), setzte jedoch den Kampf fort und benannte die Organisation in "Islamischer Staat im Irak" (ISI) um. Seit 2008 militärisch erheblich geschwächt, verlor ISI stark an Einfluss im Irak. Nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im April 2011, in dem es neuen Bedarf an Kämpfern für den Heiligen Krieg, den Dschihad, gab, verlagerte ISI deshalb einen Großteil seiner Aktivitäten nach Syrien. Zu dieser Zeit benannte Abu Bakr al-Baghdadi die Organisation, dem erweiterten Wirkungsgebiet entsprechend, in "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) um. Mit der Blitzoffensive gegen Mossul stieg ISIS wie Phönix aus der Asche und kehrte machtvoller und effektiver als je zuvor wieder in sein Stammland zurück.

Bei seiner Offensive stützte sich ISIS nicht nur auf Geheimberichte lokaler Informanten, sondern auch auf die massive Hilfe mehrerer hunderttausend lokaler Sympathisanten und Unterstützer. Wie war das möglich? Mossul, mit knapp zwei Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Irak, war seit den 1960er Jahren eine Hochburg der Anhänger des Regimes von Saddam Hussein. Und sie blieb es bis heute. Ein großer Teil der Führungskader der Saddam ergebenen Baath-Partei sowie der Militärkräfte und Nachrichtendienste stammte aus Mossul und seinem Umland. Nach dem Irakkrieg und dem Fall Saddam Husseins im April 2003 tauchten Tausende von Baath-Kadern in den Untergrund ab, sehr viele von ihnen in Mossul. Unter ihnen waren auch Saddam Husseins Söhne Qusay und Uday. Aufgespürt von US-Spezialeinheiten, lieferten sie sich in Mossul im Juli 2003 mit ihren amerikanischen Verfolgern ein letztes tödliches Gefecht.

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