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Zwischen Welten Alltag im Entwicklungsgeschäft von Mamozai, Martha (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.12.2012
  • Verlag: Pro BUSINESS digital printing
eBook (ePUB)
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Zwischen Welten

Afghanistan, Nepal, Bhutan, Phlippinen, Djibouti, Tunesien, Mauretanien, Ruanda, Sierra Leone, Liberia, Uganda, Namibia, Kamerun. über 30 Jahre unterwegs als 'Handlungsreisende für Entwicklung', Wanderin zwischen Welten und Kulturen - Geschichten, Einblicke, Hintergründe, Analysen - eine kritische Bilanz.

Martha Mamozai, geboren in Bayern, arbeitete in Schreibstuben und Hotels, ging 1968 als Entwicklungshelferin nach Afghanistan, studierte auf dem zweiten Bildungsweg in Hamburg Volkswirtschaft und in Berlin Soziologie. Per Pass ist sie Deutsche, fühlt sich aber als eine Wanderin zwischen den Welten und Kulturen: Sie hat in etwa 30 Ländern Asiens und Afrikas gearbeitet und schreibt seit ihrem 13. Lebensjahr Gedichte, Geschichten und Artikel zu entwicklungspolitischen und historischen Themen in Zeitungen, Zeitschriften und Sammelbänden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 612
    Erscheinungsdatum: 11.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864600562
    Verlag: Pro BUSINESS digital printing
    Größe: 835 kBytes
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Zwischen Welten

Statt einer Einleitung:

Über ein Huhn, ein Boot und verschiedene Welten - von Sichtweisen, Blickwinkeln und Perspektiven

"Man kann niemanden zwingen zu sehen, was er nicht selbst g e sehen hat, zu entdecken, was er nicht allein entdeckt hat, niemals, ohne dass man seinen Blick zerstört, seinen Blick, welchen G e brauch auch immer er davon macht."

Marguerite Duras

"Die grünen Augen"

Mnedlya Sidi Slimane - ein kleines Dorf im Nordwesten Tunes i ens. Die Sonne brennt unbarmherzig auf uns nieder. Kein Baum, kein Strauch, kein Schatten. Bis zum Horizont Hügel. Nackte H ü gel.

Die Frauen des Ortes sind fast vollzählig versammelt, um sich von mir zu verabschieden. Sechs Tage lang war ich bei ihnen zu Gast. Sechs Tage lang haben wir gemeinsam versucht, über ihre Pro b leme zu sprechen und Lösungen dafür zu diskutieren.

Es war das erste Mal, dass jemand von außen, jemand, der nicht zum Dorf gehört, die Frauen nach ihren Problemen, ihren Ideen, i h rer Meinung gefragt hat. Natürlich wurden auch die Männer mit ei n bezogen. Aber sie standen diesmal nicht - wie sonst üblich - im Mi t telpunkt des Interesses. Das ist fast eine kleine Revolution. Und die freudige Aufregung der Frauen darüber war die ganze Woche über zu spüren gewesen.

Jetzt geht es ans Abschiednehmen.

Die Witwe Khamisa Bazina, Hebamme und Heilerin, Mutter von drei Söhnen und drei Töchtern, ist ungefähr sechzig Ja h re alt und gilt als die unbestrittene Autorität unter den Frauen. "Sie ist ein Mann," sagen sie von ihr, "sie ist der Chef."

Jetzt kommt sie auf mich zu. Sie ist barfuss, wie die meisten Menschen im Dorf und trägt das traditionelle Kleid der Frauen i h rer Gegend aus grobem selbstgewebten Tuch, das über den Schultern mit einer Brosche, die an eine riesige Sicherheitsnadel erinnert, z u sammen gehalten wird. Sie ist nicht mehr gesund, geht schweren Schrittes. Harte Arbeit von klein auf und elf Schwangerschaften h a ben sie müde gemacht. Aber sie strahlt viel Würde aus und in ihren Khol umrandeten schwarzen Augen blitzt es noch manchmal jugen d lich auf.

"Allah möge dich beschützen," sagt sie sichtlich bewegt, u m armt mich, küsst mich auf beide Wangen und überreicht mir zum Dank ein aufgeregt gackerndes Huhn.

Die Frauen, die im Kreis um uns herumstehen, klatschen begei s tert und brechen in schrille Juju-Triller-Rufe aus.

Etwas ratlos nehme ich das verzweifelt flatternde Huhn in Em p fang. Samira, die mich begleitet, dolmetscht und berät, kann sich das Lachen nicht verkneifen.

"Aber sie wohnt doch in einem Hotel. Sie kann das Huhn nicht mitnehmen," versucht sie den Frauen zu erklären.

Dass jemand für ein Huhn keine Verwendung habe, das können sie sich nicht vorstellen. Ich bin zutiefst gerührt und will sie nicht verletzen. Also bedanke ich mich herzlich und besteige mit Huhn, Notizblock und Tasche das Auto, das mich zurückbringt in meine Welt - eine andere Welt, in der kein Platz ist für so etwas Kostb a res wie ein lebendes Huhn...

Sitzen wir, wie die seltsame Allianz aus Politikern, Medienm a chern und Idealisten uns glauben machen will, wirklich in einem Boot mit den Bewohnern von Mnedlya Sidi Slimane? Oder hat nicht durch die Flut fremder und verfremdender Bilder die Zerst

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