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"Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen?"

  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

"Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen?"

Die Flüchtlingsströme aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Afrika gehören zu den drängendsten politischen und humanitären Herausforderungen Deutschlands und Europas. Einerseits ist in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein Recht auf Asyl verankert, andererseits ist die Integration von Millionen Flüchtlingen eine Aufgabe, die Demokratien in ihrer Stabilität bedrohen könnte. Für uns stellen sich fundamentale Fragen: Wozu sind wir verpflichtet? Was können wir tun? Und wie begründen wir unser Handeln? Angesichts der kontroversen Diskussion des Themas in der Öffentlichkeit hat die "Gesellschaft für analytische Philosophie" Philosophinnen und Philosophen aller Qualifikationsstufen (vom Studierenden bis zur Professorin) dazu aufgerufen, die Frage zu klären, welche moralischen Verpflichtungen wir gegenüber Flüchtlingen haben. Ziel ist es, mit guten Argumenten eine vernünftige öffentliche Debatte anzuregen. Eine unabhängige Jury hat die Essays bewertet, die besten werden in diesem Band veröffentlicht.

Produktinformationen

    Größe: 860kBytes
    Herausgeber: Reclam Verlag
    Untertitel: Philosophische Essays
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 140
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783159610993
    Ausgabe: 2. Aufl.

"Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen?"

Vorwort

Mitte September 2015 fand die große Fachtagung der Gesellschaft für Analytische Philosophie, GAP. 9 , in Osnabrück statt. Kurz zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die mutige Entscheidung getroffen, die bundesdeutschen Grenzen trotz der großen Flüchtlingswanderungen über den Balkan nicht zu schließen. Aus humanitären Gründen ließ sie viele Flüchtlinge aus Ungarn einreisen, die dort unter menschenunwürdigen Bedingungen festsaßen.

Wir, d. h. der noch amtierende Präsident der Gesellschaft, Achim Stephan, und sein designierter Nachfolger, Thomas Grundmann, hielten es damals für sehr wahrscheinlich, dass sich das abzeichnende Problem der Flüchtlingsaufnahme nicht so schnell erledigen, sondern über Jahre zu einer großen und fortdauernden Herausforderung für unser Land und für Europa werden würde. Wir wurden uns schnell einig, dass die Philosophie und insbesondere auch die Analytische Philosophie zu diesem Thema nicht schweigen darf, sondern dazu beitragen sollte, den anstehenden politischen Entscheidungen eine normative Orientierung zu geben. So wurde die Idee geboren, eine philosophische Preisfrage "Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen?" auszuschreiben (im Originalwortlaut am Ende dieses Vorworts abgedruckt).

Die Formulierung der Frage lässt bewusst einen gewissen Interpretationsspielraum: Die Beiträger sollten selbst entscheiden, ob sie ihren Akzent beispielsweise eher auf den umstrittenen Unterschied zwischen einerseits politisch Verfolgten und Kriegsflüchtlingen und andererseits Klima- und Armutsflüchtlingen legen oder ob sie die regionale Herkunft und kulturelle und religiöse Identität der Flüchtlinge thematisieren wollten. Auch das "wir" in der Frage lässt offen, ob man eher eine persönliche, eine deutsche oder eine europäische Perspektive auf das Problem einnimmt oder von lokalen Begrenzungen ganz absehend einen allgemein-menschlichen Zugang wählt. Die durch eine Jury ausgewählten Essays sollten später in einer großen deutschsprachigen Zeitung veröffentlicht werden.

Zwar wurden auf der folgenden Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Analytische Philosophie auch Bedenken gegen eine mögliche Politisierung unserer Fachgesellschaft geäußert. Nach einer kontroversen Aussprache gab es schließlich jedoch eine fast ungeteilte Zustimmung für die Idee, alle Philosophinnen und Philosophen deutscher Sprache - vom Studierenden bis zur Professorin - in Form einer Preisfrage dazu einzuladen, sich argumentierend mit dem Flüchtlingsthema zu befassen und damit auch an die Öffentlichkeit zu treten. Dr. Hannes Fricke-Sonnenschein vom Philipp Reclam jun. Verlag machte dazu spontan den weitergehenden Vorschlag, eine Auswahl der besten Essays in einem Sammelband bei Reclam zu veröffentlichen. So entstand die Idee zu diesem Band.

Seit den Septembertagen des letzten Jahres ist viel passiert. Das Problem der Flüchtlingsaufnahme hat sich weiter zugespitzt. Vermutlich über eine Million Flüchtlinge sind nach Deutschland eingereist, und eine dauerhafte Behebung der Fluchtursachen (vor allem ein Ende des Krieges in Syrien) ist nicht in Sicht. Nach der anfänglich weit verbreiteten Euphorie und Willkommenskultur in Deutschland gibt es inzwischen eine starke Polarisierung der öffentlichen Debatte. Ein Streit zwischen, aber auch innerhalb der politischen Parteien ist entbrannt, und er verschärft sich angesichts anstehender Wahlen Tag für Tag. In vielen Familien und Freundeskreisen wird darüber gestritten, wie unser Land mit der Herausforderung massiver Flüchtlingszuwanderung umgehen soll. Viele Menschen werden bewegt durch das Leid und die humanitäre Katastrophe der Flüchtlinge. Aber viele sind auch in Sorge um unsere sozialen und gesellschaftlichen Errungenschaften, sie fürchten einen Verlust an kultureller Identität angesichts vieler Flüchtlinge aus unterschiedlichen Kulturkreisen mit ganz anderen Wertvorstellungen un

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