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Das Kapital sind wir Zur Kritik der digitalen Ökonomie von Daum, Timo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.09.2017
  • Verlag: Edition Nautilus
eBook (ePUB)
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Das Kapital sind wir

Was passiert, wenn sich Unternehmen Menschheitsaufgaben zum Ziel setzen? Wie sieht eine Gesellschaft aus, in der das Internet zur Meta-Struktur einer neuartigen, digitalen Ökonomie wird? Internet-Monopole sind allgegenwärtig, deren Ziel nicht mehr die fabrikmäßige Herstellung von Waren und deren Verkauf ist, sondern die Organisation des Zugangs zu Wissen und Information selbst. Ob es darum geht, die ganze Erde zu kartieren oder alle Freundschaften der Welt zu organisieren - im digitalen Kapitalismus werden Algorithmen zur wichtigsten Maschine, Daten zum essenziellen Rohstoff und Informationen zur Ware Nummer eins. Der digitale Kapitalismus beutet immer weniger lebendige Arbeit direkt aus. Stattdessen halten wir, die User, ihn mit unserer Aktivität auf den digitalen Plattformen am Leben: User Generated Capitalism. Ein Heer von Mikro-Entrepreneuren, befreit von Festanstellungsverträgen und gesetzlichen Regelungen, versucht in den Prärien des digitalen Wilden Westens sein Glück: Jeder kann für fünfzehn Minuten ein Unternehmer sein! Und hält sich sonst mit dem bedingungslosen Grundeinkommen über Wasser - dem mit Deregulierung und Vereinzelung bestens kompatiblen 'Sozial'-System des digitalen Kapitalismus. Kritik, die auf Datensammelwut oder Zersplitterung von Arbeitsverhältnissen fokussiert ist, greift zu kurz. Oft wird der digitale Kapitalismus vom Standpunkt des Vor-Digitalen aus kritisiert und entweder verleugnet oder verharmlost: der Informations-Kapitalismus scheitere an sich selbst. Der Kapitalismus ist aber nicht in der Krise, er wird auch nicht zum Post-Kapitalismus, im Gegenteil: er macht das Kyoto-Protokoll zu seiner Agenda und tritt an, eine postfossile kapitalistische Ära zu begründen. Und mit der Entwicklung von selbstfahrenden Autos etwa fordert der digitale Kapitalismus den Fordismus auf dessen ureigenem Terrain heraus, wenn er sein iconic product - das Automobil - umdefiniert zu Mobilität als IT-Service. Timo Daum arbeitet als Hochschullehrer in den Bereichen Online, Medien und Digitale Ökonomie. Er ist studierter Physiker und verfügt über zwei Jahrzehnte Berufserfahrung in der IT-Branche. Er veranstaltet Vorträge und Seminare zur Thematik des digitalen Kapitalismus, u.?a. auf der Re:publica 2017.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 06.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960540595
    Verlag: Edition Nautilus
    Größe: 897 kBytes
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Das Kapital sind wir

Der Weg zum Digitalen Kapitalismus

Jahrtausendelang war die Landwirtschaft wichtigster Wirtschaftszweig und Grundlage gesellschaftlicher und politischer Organisation. Erst mit der industriellen Revolution, die in den europäischen Ländern Anfang des 19. Jahrhunderts Fahrt aufnimmt, wird diese Dominanz überwunden - der Siegeszug massenhafter Produktion industrieller Waren setzt ein. Der Feudalismus hat diese technologische Entwicklung nicht überlebt. Dampfmaschinen und Lokomotiven überrollten die feudalen Strukturen und halfen mit, eine neue Gesellschaftsordnung aus der Taufe zu heben, die die ständige Umwälzung ihrer eigenen Grundlagen zur Folge und Voraussetzung zugleich hat: das kapitalistische Fabriksystem.

Die Grafik zeigt die relative Bedeutung verschiedener Branchen in der globalen Ökonomie seit 1800. Die absolute Produktion, auch die landwirtschaftliche, ist dabei immer weiter gestiegen, nicht zuletzt aufgrund der Einführung industrieller Methoden in der Landwirtschaft. Im Kommunistischen Manifest von 1848 steht die Forderung nach der Vereinigung des Betriebs von Ackerbau und Industrie sowie nach der allmählichen Beseitigung des Gegensatzes von Stadt und Land. Daran lässt sich ermessen, wie dominierend damals, im Advent des neuen Fabriksystems, die Landwirtschaft noch gewesen ist. Im Jahr 1867, wenige Jahre vor dem Schnittpunkt der beiden Kurven Landwirtschaft und Produktion, erscheint Das Kapital , also zu einer Zeit, in der die Industrie noch lange nicht dominiert.

Erst das 20. Jahrhundert bringt ein Modell hervor, das den Siegeszug der Industrie vollendet: den durch annähernde Vollbeschäftigung, Massenproduktion und -konsum gekennzeichneten Fordismus. Im Oktober 1913 eröffnete Henry Ford die erste sich selbst bewegende Montagestraße und legte damit den Grundstein für den heutigen Weltmarkt an Massengütern. Frederick Taylors Ideen eines "wissenschaftlichen Managements" des Produktionsprozesses treiben die kostensparende und effiziente Produktion von Konsumgütern voran. Ungelernte Arbeiter innen wurden in eine mechanisierte und automatisierte Maschinerie eingebunden, Arbeitsteilung kleinteilig organisiert und vom Management streng überwacht. Erst klare Arbeitsteilung, eine detaillierte Trennung einzelner Montageschritte und die Einführung eines strikten Programms, nach dem diese Arbeitsschritte entlang des sich bewegenden Produktionsbandes zu erfolgen hatten, ermöglichten ein System standardisierter Massenproduktion. Ebenso wichtig wie die Massenproduktion war Henry Fords Credo, die Arbeiter an den Bändern sollten die Produkte, an deren Herstellung sie beteiligt waren, selbst erwerben können. Durch relativ hohe Löhne, die den Arbeitern genau das ermöglichen sollten, schuf Ford die Blaupause eines Gesellschaftsmodells, das auf Massenproduktion für einen homogenen Massenmarkt beruhte.

Information auf dem Vormarsch 1

Nach und nach wurde dieses Modell zum weltweiten Standardmodell kapitalistischer Entwicklung, wobei Staaten und Konzerne bei der Durchsetzung dieser gewaltigen Transformation Hand in Hand arbeiteten. Lange Zeit nämlich wurde dem neuen Modell, das von den USA aus seinen Siegeszug antrat, in Europa Skepsis entgegengebracht. Das vorherige, auf Schwerindustrie, öffentliche Infrastrukturmaßnahmen und hohe Militärausgaben basierende Modell hatte noch auf Luxusgüterproduktion für eine Elite gesetzt und war durch pointierte Klassenspaltung gekennzeichnet. Die Ausbeutung der Kolonien gewährleistete den Zugang zu Rohstoffen. Das war z. B. das Modell des British Empire; Spuren davon sind bis heute in der starken Lifestyle-Differenz zwischen der Oberklasse und der Arbeiterklasse in England sichtbar. In den USA hingegen führte der Massenkonsum zu relativem Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten und auch zu einer stilistischen Annäherung von arm und reich: Turnschu

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