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Den Tod muss man leben Eine Bestatterin hilft: denen, die gehen, und denen, die bleiben von Fournes, Angela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2018
  • Verlag: Ludwig
eBook (ePUB)
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Den Tod muss man leben

'Der Tod ist für mich das Natürlichste von der Welt'
Mit überraschender Leichtigkeit erzählt die Bestatterin Angela Fournes vom Ende des Lebens. Sie ist überzeugt, dass die Verbindung zu anderen Menschen nicht mit deren Tod verloren geht, sondern sich nur verändert. Geist und Seele der Verstorbenen - für die Augen unsichtbar - nimmt Angela Fournes daher in ihre Arbeit mit auf.
Mit großer menschlicher Wärme bezieht sie die Hinterbliebenen in alle Prozesse des Bestattens ein und vollbringt dadurch Wunderbares: Die Angst vor dem Tod weicht und die Seele erhält Zeit und Gelegenheit, das Erlebte zu verdauen.
Erleichternd, tröstlich und sogar heiter - ein ungemein bereichernder Blick auf das Lebensende, das zugleich ein Anfang ist.
Aufgeschrieben von der Journalistin Annette Bopp

Angela Fournes, geb. 1960 in New York, wuchs in Mexiko auf, wo ein natürlicher und sogar fröhlicher Umgang mit dem Tod gelebt wird. Nachdem sie viele Jahre als Sterbebegleiterin im Hospiz gearbeitet hat, ist sie seit 2007 als Bestatterin in Berlin tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641212964
    Verlag: Ludwig
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Den Tod muss man leben

WIE ICH BESTATTERIN WURDE

Dass Menschen sterben, war für mich schon als Kind etwas ganz Alltägliches. Das liegt sicher daran, dass ich in Mexiko aufgewachsen bin, wo man damit ganz anders umgeht als in Europa. Der Tod gehört dort in allen Generationen ganz selbstverständlich zum Leben. Bekamen wir zum Beispiel beim Spielen mit, dass irgendwo ein anderes Kind gestorben war, radelten wir hin, um es zu verabschieden - das gehörte sich einfach so. Der kleine Leichnam lag in einem Bettchen oder Sarg, immer in einem Meer von Blumen. Es gab zu essen und zu trinken, man lachte und weinte zusammen, nichts daran war bedrohlich.

Für die Menschen in Mexiko ist es normal, auf diese Weise Anteil zu nehmen und den Toten einen guten Weg zu wünschen. Verstorbene Kinder nennt man in Mexiko übrigens bis heute "Engelchen", weil sie noch nicht ganz auf der Erde angekommen sind und so zwischen Himmel und Erde vermitteln können. Ich finde das ein schönes Bild.

Dieser besondere Umgang der Mexikaner mit dem Sterben geht über 3 000 Jahre auf die Azteken mit ihrer großen Ahnenkultur zurück. Für sie war der Tod Bestandteil des Lebens, ganz einfach aus dem Grund, weil Leben nur entstehen kann, wenn etwas anderes stirbt. Geborenwerden und Sterben waren untrennbar miteinander verbunden, zwei Tore innerhalb eines unendlichen Kreislaufs. Der Tod galt als Portal für ein weiteres Leben, so wie die Geburt eines in das Leben hinein war.

Den Toten waren im aztekischen Jahreslauf zwei Feiertage gewidmet: das Blumenfest im Juni/Juli für die Kinder und das Erntedankfest Ende August für die Erwachsenen - die Blütezeit als Symbol für das Heranwachsen, der Herbst für Reife. Als die Spanier das Land eroberten und ihm das Christentum aufzwangen, verboten sie diese "heidnischen" Bräuche. Kurzerhand verlegten die findigen Mexikaner das Totenfest auf die katholischen Feiertage Allerheiligen und Allerseelen. Bis heute feiert man am 31. Oktober vorab die verstorbenen Kinder und an den beiden Folgetagen die Erwachsenen. Am 1. und 2. November ziehen die Menschen mit Kerzen, Blumen und prall gefüllten Picknickkörben zu den Friedhöfen und verbringen die ganze Nacht dort. An den Gräbern wird gebetet und getrauert, Musik gemacht, geschmaust und gefeiert - es ist ein einziges großes Happening, ein riesiges, lautes, buntes und fröhliches, aber auch besinnliches Fest der Begegnung zwischen den Lebenden und den Toten.

Am Eingang der Friedhöfe werden riesige Holzgestelle aufgebaut, über und über geschmückt mit leuchtend orangefarbenen Studentenblumen (Tagetes), weil Tote angeblich die Farben Orange und Gelb erkennen können. Deshalb markieren orangefarbene Blumen auch den Weg vom Friedhof zur Wohnung.

Vor jedem Haus hängt eine Laterne, alle Räume sind picobello geputzt und als Einladung an die Verstorbenen mit Weihrauch ausgeräuchert. Im Wohnzimmer steht ein bunt geschmückter Gabentisch mit Fotos und allem, was der Verstorbene im Leben besonders gern aß und trank. Der ganze Tisch ist überhäuft mit kleinen Totenköpfen, Särgen und Skeletten aus Zucker, Schokolade oder Marzipan. Das soll niemanden er- und abschrecken. Vielmehr gelten die Totenköpfe als "Gefäße", in die die Seelen einkehren können. Deshalb liegen sie in allen nur denkbaren Varianten herum, beschriftet mit dem Namen des Verstorbenen, der erwartet wird. Außerdem verschenkt man sie an noch Lebende, mit deren Namenszug versehen, als süße Erinnerung an unsere Endlichkeit.

Neben Süßigkeiten und Kuchen - unbedingt dabei: "Pan de Muerto", das süße Totenbrot - dürfen auch Obst und Gemüse nicht fehlen. Immerhin ist der Tag gleichzeitig ein Erntedankfest! Zahllose Kerzen sorgen für stimmungsvolles Licht, überall hängen bunte Girlanden. Wichtig sind ein Stuhl, ein Wasserkrug und ein Handtuch zum Händewaschen für den Verstorbenen: Er muss sich ja von seiner Reise ausruhen und frisch machen.

Traditionell machen sich in dieser Zeit al

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