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Der Iran Die verschleierte Hochkultur von Hoffmann, Andrea C. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.03.2009
  • Verlag: Diederichs Verlag
eBook (ePUB)
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Der Iran

Innenansichten einer Kulturnation 30 Jahre nach der Islamischen Revolution steht der Iran wieder im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Von den USA als 'Schurkenstaat' gebrandmarkt könnte das schillernde Land mit großer Tradition schon bald zum Kriegsschauplatz werden. Die Journalistin Andrea Claudia Hoffmann hat Zugang zu den einflussreichsten Ayatollahs und Politikern, aber auch intensiven Kontakt zu Oppositionellen und Regimekritikern. Ihr Buch ist ein brillant geschriebener Streifzug durch Geschichte und Gegenwart einer 5000 Jahre alten Hochkultur. Was ist der Iran und wer sind die Iraner? Ein uraltes Volk, das sich seine kulturelle Eigenart trotzig bewahrt hat und mit Arabern nichts gemein haben will. Ein Vielvölkerstaat, dessen Bewohner die verschiedensten Sprachen, Bräuche und Religionen leben. Und ein Staat im Umbruch: Über 65 Prozent der Hochschulabsolventen sind weiblich. Frauen werden die Zukunft der Islamischen Republik prägen. Andrea Claudia Hoffmann blickt hinter den Schleier der Vorurteile und Klischees, die das Iran-Bild im Westen weitgehend bestimmen. Andrea Claudia Hoffmann, 1973 in Marburg geboren, arbeitet als Auslandsredakteurin beim Nachrichtenmagazin FOCUS. Ihre Reportagen aus dem Iran wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sie spricht fließend Farsi und ist Autorin der Bücher 'Kopfkino. Wie Medien unsere Träume erfüllen' und 'Kriegs- und Krisenberichterstattung. Ein Handbuch'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 18.03.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641025298
    Verlag: Diederichs Verlag
    Größe: 575 kBytes
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Der Iran

1 "ICH BIN IHR SKLAVE" WER SIND DIE IRANER?
EIN VIELVÖLKERSTAAT MIT EINER
URALTEN NATIONALKULTUR Als die iranischen Revolutionsgarden im Frühjahr 2007 eine Gruppe britischer Marine-Soldaten im Schatt-el-Arab entführen, hält die Welt den Atem an: Die internationale Sorge um die Gefangenen ist groß. Schmoren die Briten jetzt in den Kerkern der Mullahs? Werden sie misshandelt, gar gefoltert? Tagelang weiß niemand, wo die Geiseln abgeblieben sind. Dann tauchen im iranischen Staatsfernsehen merkwürdige Videos auf: Eine britische Soldatin, die ihr blondes Haar unter einem schwarzen Kopftuch versteckt hat, überlegt, ob ihr Boot vielleicht aus Versehen in iranisches Gewässer eingedrungen sei. Weitere Aufnahmen zeigen die Soldaten beim Essen des iranischen Nationalgerichts Chelo-Kebab oder beim Tischtennis spielen... Und während man im Westen noch rätselt, was das alles soll, bereiten die Machthaber im Gottesstaat hinter den Kulissen bereits die nächste Überraschung vor. Nach einer Pressekonferenz erklärt Präsident Mahmud Ahmadinedschad plötzlich, er würde die Seeleute "als Geschenk" an das britische Volk übergeben. Schon schwenken die Kameras auf die 15 "Gäste" der Islamischen Republik, denen man eigens für den Anlass fesche neue Anzüge verpasst hat. Der Staatschef schüttelt ihnen die Hand, erkundigt sich nach ihrer Gesundheit, scherzt noch ein wenig über ihren "Zwangsurlaub" und wünscht ihnen dann eine gute Heimreise. Ein Küsschen zum Abschied hätte gerade noch gefehlt. Was soll dieses seltsame Gebaren? Was ist das für eine Nation, die sich so sonderbar gegenüber dem Westen verhält? Ein Land, das unberechenbar ist? Ein Volk von Irren gar? Nein. Aber ein Volk, das außerhalb der Zeit lebt, die auf dem Rest des Globus Gültigkeit besitzt. Die Iraner leben in der Realität einer von ihnen selbst erfundenen Epoche. Nirgendwo sonst auf der Welt gilt das Teheraner Datum. Ihre Jahreszählung setzt beim Auszug des Propheten Mohammed aus Mekka an. Na gut, mag man einwenden, das ist auch in vielen arabischen Ländern der Fall. Aber die Iraner zählen die Jahre nicht, wie bei anderen Muslimen üblich, in Mondjahren, sondern legen das Sonnenjahr zugrunde. Es beginnt mit dem Frühling am 21. März. Und sie haben, um noch eine Eigenheit oben drauf zu setzen, ihre Monate nach den Engeln der Religion Zarathustras benannt. Fast scheint es, als wollten sie mit aller Gewalt ihre Originalität unter Beweis stellen. Als ob es derer tatsächlich Beweise bedürfte! Seit drei Jahrzehnten schaut die Weltöffentlichkeit mit einer Mischung aus Faszination und Horror auf den islamischen Gottesstaat. Und noch immer können sich die Europäer nicht an den Gedanken gewöhnen, dass das einzigartige politisch-religiöse Staatssystem des Iran mitsamt all seinen Absurditäten und Absonderlichkeiten länger als ein Wimpernschlag der Geschichte Bestand hat. Dabei ist die Islamische Revolution längst ihren Kinderschuhen entwachsen. Mittlerweile gehören zwei Drittel der iranischen Bevölkerung zu denjenigen, die nie eine andere Wirklichkeit als die des Gottesstaates kennengelernt haben. Und während die Europäer immer noch verständnislos den Kopf schütteln, vergessen sie oft, dass die Iraner auch schon vor der Revolution von 1979 ein eigenartiges und vor allem eigensinniges Volk waren. 2500 Jahre Geschichte haben ihre kulturelle, politische und religiöse Individualität geprägt. Wer sind die Iraner? "Arier" sagen sie selbst, ohne mit der Wimper zu zucken. Denn nichts anderes als "Land der Arier" bedeutet der alte Name des Landes. Und auch wenn diese Selbstdefinition in deutschen Ohren sonderbar anmutet, ist die von Reza Schah 1935 angeordnete Umbenennung des Landes von "Persien" in "Iran" als eine integrative Geste zu verstehen. Denn während sich der kolonial-geprägte Landesname Persien explizit nur auf die Volksgruppe der Perser bezog, umfasst die uralte Bezeichnu

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