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Der Retter von Riad Mein Jahr in Saudi-Arabien von Bauer, Stefan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der Retter von Riad

'Jeder Tag mit nur einem Toten war ein guter Tag'

Als Stefan Bauer seinen Sanitäter-Dienst in Riad aufnimmt, hofft er auf ein Abenteuer - und darauf, vielen Menschen helfen zu können. Doch die Kultur des islamischen Wüstenstaats macht seinen Job zu einer traumatisierenden Erfahrung: Er trifft auf Männer, die die medizinische Behandlung ihrer Ehefrauen verweigern, auf indische Gastarbeiter, die in heruntergekommen Unterkünften verhungern, und auf eine saudische Familie, die ihren eigenen Sohn enthauptet und es wie Selbstmord aussehen lassen will. Stefan Bauer kämpft um jedes Leben - auch wenn es verboten ist.

Authentisch, fesselnd, verstörend: Stefan Bauers Einblicke in die verschlossene Gesellschaft Saudi-Arabiens.

Dieses eBook wurde bereits unter dem Titel 'Der mit dem Scheich tanzt' veröffentlicht.

Stefan Bauer war viele Jahre als ausgebildeter Rettungsassistent im Bereich des Katastrophenschutzes und in der Notfallmedizin tätig. Er arbeitete in Deutschland, in der Schweiz und in Saudi-Arabien. Von Juni 2011 bis Juni 2012 hielt er sich als Paramedic in Riad auf, wo er unzählige, oft dramatische Einsätze für den Roten Halbmond Saudi -Arabien fuhr. Der Vater einer achtjährigen Tochter lebt in der Nähe von Koblenz. Stefan Bauer ist ein Pseudonym.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 08.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732512805
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 41390 kBytes
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Der Retter von Riad

Tausche Schweizer Berge gegen
heißen Wüstensand

Es ist mal wieder einer dieser langweiligen Tage im Spital Menziken. Menziken ist ein kleiner, beschaulicher Ort im Kanton Aargau in der Deutschschweiz, rund fünfzig Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Ich arbeite hier seit ungefähr zwei Jahren im Rettungsdienst. In meiner einsatzfreien Zeit helfe ich ab und an in der Notaufnahme und in der Anästhesieabteilung des Spitals aus, wodurch ich im Bereich der Behandlung von Patienten, zum Beispiel in der Schmerztherapie, noch routinierter werde.

Inzwischen ist es früher Nachmittag. Sascha, mein deutscher Kollege, und ich haben seit sieben Uhr morgens Dienst auf dem Rettungswagen, und es gab noch nicht einen Einsatz. In Menziken passieren einfach wenige Notfälle. Wir haben den halben Tag mit YouTube-Videos zugebracht, in der Cafeteria zu Mittag gegessen und sitzen jetzt bei einem Kaffee gemütlich in der Sonne auf der Terrasse des Spitals. Sascha blättert gelangweilt in einem Magazin für Notfallmedizin.

"Schau dir das mal an!", sagt er plötzlich und deutet auf eine Stellenanzeige. "Die suchen Rettungsassistenten als Paramedic für Saudi-Arabien, Bereich Boden- und Luftrettung!"

"Kein Bedarf", winke ich ab, "ich hab schon einen Job. Außerdem sind wir keine Paramedics."

Als Paramedic bezeichnet man die qualifizierteste Ausbildungsstufe eines Sanitäters in den USA. Von den Aufgaben her ist ein Paramedic in vielen Bereichen mit einem Notarzt in Deutschland vergleichbar. Allerdings hat der Paramedic nicht die freie Therapiewahl wie ein deutscher Notarzt, sondern alle Kompetenzen sind penibel in Handlungsanweisungen und Algorithmen geregelt.

Sascha bleibt dran. "Die suchen ja auch deutsche Rettungsassistenten!"

"Wir sprechen aber kein Arabisch, zumindest ich nicht. Oder hast du mir da etwa dein verborgenes Sprachtalent verschwiegen?", frage ich leicht spöttisch. Wir frotzeln uns ständig, wie große Jungs.

"Du musst nur Englisch können."

"Kannst du das denn?", frage ich gehässig.

"Du Depp, natürlich! Ich war schließlich mehrere Jahre Funker bei der Marine, falls dir das entfallen sein sollte. Und du? Was ist mit deinem Englisch?"

"Ich war zwar nicht bei der Marine, im Gegensatz zu dir spreche ich die Sprache aber einigermaßen verständlich." Das ist nicht übertrieben. Im Schulzeugnis hatte ich es zwar nur auf eine Vier gebracht, aber aus Langeweile fing ich irgendwann im Rettungsdienst an, englische Bücher zu lesen. Anfangs musste ich jedes zweite Wort nachschlagen, aber mit jedem Buch wurden meine Kenntnisse besser. Auch amerikanische Serien auf DVD reizten mich dann irgendwann nur noch in der Originalsprache.

"Na, wenn du so gut Englisch sprichst, kannst du dich ja bewerben", meint Sascha leichthin.

"Kann ich", entgegne ich grinsend. "Und die würden mich auch nehmen, im Gegensatz zu dir!"

Das Geplänkel wird vom Piepsen unseres Pagers unterbrochen. Eine Röntgenfahrt nach Aarau. Diese Transporte sind unser Hauptgeschäft unter der Woche. Wir bringen Patienten aus unserem kleinen Spital zur Computertomografie in eine radiologische Praxis am Hauptbahnhof Aarau. Dort warten wir eine halbe Stunde und fahren dann die dreißig Kilometer mit dem Patienten wieder zurück. In der Regel sind die Patienten fit, und die Aktion gleicht einer Taxifahrt mit dem Rettungswagen. Bis zum Abend fahren wir noch eine weitere solche Tour, und die Nacht schlafe ich im Bereitschaftszimmer durch.

So weit, so gut, so langweilig. Manchmal fühle ich mich wie ein Feuerwehrmann, der ab und zu eine Zigarette ausdrücken darf, aber nie ein richtiges Feuer sieht. Wir haben auch Notfalleinsätze, aber das Gros sind radiologische Konsilfahrten. Bei 1200 Einsätzen im Jahr haben wir umgerechnet 3,28 Einsätze in vierundzwanzig Stunden. Bei zwei bis drei Konsilfahrten am Tag lässt uns die Statistik nicht mehr viel Luft für anspruchsvolle Notfälle.

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