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Die große Aufstiegslüge Wie unsere Kinder um ihre Zukunft betrogen werden von Yilmaz, Suat (eBook)

  • Verlag: Bastei Lübbe AG
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Die große Aufstiegslüge

Kann man ein Talent erkennen? Und fördern? Der Talentscout Suat Yilmaz sagt: Ja, man kann und man muss! Denn zahllose Studien belegen, dass in Deutschland nach wie vor nur Akademikerkinder das Privileg genießen, sich zu bilden. Doch brauchen wir dringend die versteckten Potenziale von Kindern mit Migrationshintergrund, Kinder von Arbeitern und Nichtakademikern. Denn aufgrund des demografischen Wandels, den wir schon heute erleben, wird es dringend nötig sein, die Talente aller Kinder zu entdecken. Dies ist für den Erhalt unseres gesellschaftlichen Wohlstands von großer Bedeutung, denn die Zukunft dieser Kinder bestimmt die Zukunft unseres Landes.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732529827
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2762 kBytes
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Die große Aufstiegslüge

1 BILDUNGSSYSTEM "MADE IN GERMANY"

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Bildungs-, Integrations- und Kulturdebatten geführt. Wirklich viel gebracht haben sie nicht. Die meisten Debatten waren gekennzeichnet von Ängsten, Sorgen und einem auf Defizite fixierten Blick. So haben wir kostbare Zeit mit Misstrauen und Kategorisierungen verloren, Zeit, die für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes von großer Bedeutung ist. Die Antwort auf all diese Debatten, Sorgen und Ängste in unserer Gesellschaft muss daher eine Bildungssystematik sein, die es den nachfolgenden Generationen ermöglicht, unabhängig von der Herkunft erfolgreich zu sein. Denn die Lücken in der Riege der Hochqualifizierten, die aufgrund der demografischen Entwicklung gerissen werden, schließen nicht automatisch top ausgebildete Fachkräfte. Vielmehr werden Generationen nachrücken, die zahlenmäßig kleiner sind und von "unten" kommen - darunter viele mit einem Migrationshintergrund. Aktuell wächst jedes dritte Kind unter fünf Jahren in einer Migrantenfamilie auf. Wir wissen also schon heute, wer die Bürger des zukünftigen Deutschlands sein werden. Sie sind geboren und werden in einigen Jahrzehnten dieses Land führen. Die demografischen Entwicklungen unserer Gesellschaft in den nächsten dreißig Jahren lassen sich deshalb auch relativ gut abschätzen, auf jeden Fall besser als das Wetter in den nächsten zwei Wochen. Insofern müssen wir unser Bildungssystem auch zu einem Talentförderungssystem umbauen. Schließlich ist und bleibt Bildung der Schlüssel zum Erfolg - für den Einzelnen ebenso wie für unser Land. Einen positiven Beitrag der jungen Menschen, die aus einem sozioökonomisch schwachen Milieu stammen, aus Arbeiter- und Zuwandererfamilien, von Kindern alleinerziehender Mütter oder Väter können wir nur erwarten, wenn wir ihre Talente zur Entfaltung bringen. Sie sind unsere Bildungsreserve, so schnell werden keine anderen kommen. Und auch die Heerscharen an top ausgebildeten Fachkräften aus dem Ausland, die in Zukunft passgenau die von der Demografie aufgerissenen Lücken füllen werden, dürften eine Wunschvorstellung sein. All die Talente, die wir bisher übersehen haben oder übersehen wollten, sind daher wichtiger denn je. Wir brauchen diese Kinder und Jugendlichen dringend. Aber noch sind wir meilenweit entfernt von einem gerechten und produktiven Bildungssystem. Und von einer umfassenden Talentförderung kann erst recht nicht die Rede sein. Es ist traurig, aber vor allem höchst problematisch, dass die Zukunftsaussichten für die Kinder der "Unterschichten" in keinem anderen europäischen Industrieland so schlecht sind wie in Deutschland. Ich bin jedoch sicher: Dieses Land kann mehr.
Das Bildungssystem ist kein Naturgesetz

Wenn wir in Deutschland über Bildung sprechen, dann häufig in einem negativen Zusammenhang. Insbesondere die 2001 veröffentlichte Pisa-Studie hat die Schwächen des deutschen Bildungssystems offengelegt und hitzige Defizitdebatten ausgelöst. Auch wenn sich 15 Jahre später vieles verbessert hat, so muss doch noch mehr getan werden. Zahllose Studien wie die Studie "Bildung in Deutschland 2016" 1 belegen, dass wir eine Schieflage im Bereich der Bildung und sozialen Durchlässigkeit in unserem System haben. Wäre der typische Bildungsweg ein Hundertmeterlauf, würden einige Kinder nicht von der Startlinie losspurten, sondern zehn, zwanzig, ja vielleicht sogar fünfzig Meter Vorsprung haben. Wer dann als Erster die Ziellinie erreicht, ist also nicht unbedingt der schnellste Läufer. Zwei Zahlen aus der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (2012), die das eindrücklich unterstreichen: Von 100 Kindern, deren Eltern Akademiker sind, führt 77 ihr Weg an eine Universität oder Fachhochschule. Von 100 Arbeiterkindern hingegen gehen nur 23 diesen Weg. Ganz offensichtlich gibt es in unserem Bildungssystem Hürden, die sich nur schwer überwinden lassen.

Viel bewirkt haben die Erkenntnisse aus den

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