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Die Vertrauensformel So gewinnt unsere Demokratie ihre Wähler zurück von Lochocki, Timo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.10.2018
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
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Die Vertrauensformel

Die Volksparteien machen derzeit auf dem politischen Parkett eine schlechte Figur. Ihre Umfragewerte bröckeln, ihr Personal wirkt müde und ihre Angebote scheinen beliebig. Im Aufschwung sind die politischen Ränder, insbesondere Rechtsaußen. Ein Rezept dagegen scheint es nicht zu geben. Politiker, Journalisten, Wissenschaftler und Wähler nehmen diese Entwicklung als unvermeidlich hin, das Ende des politischen 'Systems' wird herbeigeredet. Dem widerspricht der Politologe Timo Lochocki: Die Volksparteien haben noch immer das Heft des politischen Handelns in der Hand. Dem Erstarken des Populismus lässt sich durchaus mit den Mitteln der Parteiendemokratie begegnen. Seinem Buch liegen drei Anliegen zugrunde: Es möchte - die aktuelle politische Lage auf Grundlage wissenschaftlicher Forschungen analysieren, ohne zu polemisieren und den moralischen Zeigefinger zu heben. - wissenschaftliche Erkenntnisse so wiedergeben, dass sie für jeden interessierten Bürger nachzuvollziehen sind. - Politikern und Bürgern gleichermaßen umsetzbare Lösungswege aus der aktuellen Misere aufzeigen. Timo Lochocki weiß, wovon er spricht: Seine internationale Forschung ermöglicht ihm den Vergleich mit anderen westlichen Staaten wie Großbritannien, Frankreich, USA, Schweden und die Niederlande. Aus seinen wissenschaftlichen Beobachtungen entwickelt er ein konkretes Programm für die Renaissance der Volksparteien. Wenn diese nicht gelingt, drohen dieselben politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen wie sie in manch anderen Staaten derzeit zu sehen sind: eine kurzsichtige im schlimmsten Falle kriegerische Außenpolitik; ein Klima des Hasses und eine sozialstaatliche Stagnation. Doch dabei allein lässt er es nicht bewenden. So wie die vermeintlich große Politik oft höchst menschlich ist, ist die tägliche Lebenswelt oft sehr politisch. Das bedeutet, dass jeder seinen Teil dazu beitragen kann, die Entfremdung der Wähler von den Volksparteien zu verhindern: 'Mein Appell ist: Glauben Sie nicht, die Dinge würden sich über unsere Köpfe hinweg entscheiden. Im Gegenteil - wir bestimmen den zwischenmenschlichen Umgang, nach dem sich unsere Politiker richten müssen. Unser Land, unsere Gesellschaft stehen vor existenziellen Bedrohungen von innen und außen, und wir können alle daran mitwirken, diese Herausforderungen zu meistern. Dies gelingt aber nicht durch kurzsichtige Empörung, sondern durch in sich ruhende Besonnenheit. Es gelingt nicht durch Moralisierung und Sachargumente, sondern durch Demut und Empathie. Und es gelingt nicht durch Ideen, die für einen selbst gut klingen, sondern vielleicht gerade mithilfe der Vorschläge, die uns Bauchschmerzen machen.' Sein Buch ist eine aufrüttelnde, faktenreiche Abrechnung mit der allgegenwärtigen politischen Denkfaulheit und Resignation. 'Wer wissen will, wie die Volksparteien von Getriebenen wieder zu Gestaltern der politischen Mitte werden können, findet die Antworten in Timo Lochockis fulminantem Buch.' Robin Alexander, Die Welt 'Wer nicht will, dass die politischen Ränder weiter erstarken, der muss die 'Vertrauensformel' von Timo Lochocki beherzigen. Im Gegensatz zu vielen gut gemeinten politischen Ratschlägen basiert Lochockis Buch nicht auf gefühlten Wahrheiten, sondern auf internationaler wissenschaftlicher Forschung.' Prof. Dr. Bernhard Weßels, WZB Berlin 'Wer keinen deutschen Trump will, der lese Timo Lochockis Buch. Eine kluge Analyse über das drohende Ende der Volksparteien und ihren stümperhaften Umgang mit der AfD.' Melanie Amann, Redakteurin im Spiegel Hauptstadtbüro Timo Lochocki, Dr. phil, geb. 1985, studierte Interdisziplinäre Sozialwissenschaften in Deutschland, den USA und Norwegen. 2014 promovierte er an der Humboldt Universität Berlin zu den Gründen für den Auf- und Abstieg rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa. Er war bis zum Jahreswechsel 2017/2018 Forschungsleiter im Europaprogramm des German Marshall Fund of the United States (GMF) in Berlin, berät

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 02.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451814150
    Verlag: Verlag Herder GmbH
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Die Vertrauensformel

2
Die fundamentale Neuordnung westlicher Parteipolitik

" Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt's nicht."

(Konrad Adenauer)
Der Wunsch nach Anerkennung

Die 55 Prozent der eher progressiven Globalisierungsfreunde, die Wandel positiv sehen, und die 45 Prozent der eher konservativen Globalisierungsgegner, die Stabilität schätzen, verstanden sich bis vor wenigen Jahren ziemlich gut. Denn CDU/CSU und SPD konnten beide Wählergruppen in ihren damals noch stattlichen Wahlergebnissen vereinigen. Um zu verstehen, was sich seitdem verändert hat, braucht man kein jahrelanges Studium der Politikwissenschaften. Ein wenig Lebenserfahrung genügt. Jeder, der schon mal einen guten Freund hatte, verliebt war, eine Familie hat, weiß aus eigener Erfahrung, was die Beziehungen von Parteien und Wählern im Innersten zusammenhält: Der Wunsch nach Anerkennung . So gut wie jede Studie, die sich mit der Psychologie von Wahlentscheidungen beschäftigt, kommt zu diesem Schluss. 1 Wenn man sich der gegenseitigen Anerkennung sicher ist, ist alles im grünen Bereich; oftmals sogar im rosaroten. Wenn diese aber ausbleibt, kommt zuweilen das Schlechteste in uns zum Vorschein: Bitterkeit, Neid und Hass, unter Umständen Gewalt.

Von gegenseitiger Anerkennung kann in der deutschen Politik gerade kaum die Rede sein: Bei der Bundestagswahl 2017 wurden die Volksparteien CDU/CSU und SPD von den Wählern in ungekannter Weise abgestraft. Haben 1990 noch 60,2 Prozent aller Wahlberechtigen den beiden großen Parteien ihre Stimme gegeben, so waren es im September 2017 nur noch 40,7 Prozent (Stimmenanteil CDU/CSU plus SPD multipliziert mit der Wahlbeteiligung). Zwar wuchsen im gleichen Zeitraum die Parlamentssitze für Grüne, FDP und Linkspartei. Aber ihren Zweitstimmenanteil konnten diese drei Parteien zwischen 1994 und 2017 nur von 10 auf 13,5 Millionen steigern. Im gleichen Zeitraum verloren die CDU/ CSU und die SPD aber über 10 Millionen Wähler. Die meisten Deutschen, die sich von den beiden Volksparteien abwandten, gingen also nicht zur Linkspartei, den Grünen oder zur FDP, sondern einfach nicht mehr wählen. Somit haben die beiden Volksparteien binnen gut zwanzig Jahren ein Drittel ihrer Wähler verloren, ohne dass bis 2017 eine andere Partei nennenswert davon hätte profitieren können. Die schwindende Unterstützung der Volksparteien, die durch Gewinne von Grünen, FDP und Linkspartei nicht kompensiert werden, sind daher ein Zeichen der beginnenden Entfremdung der Wähler von den aktuellen Spitzenpolitikern und Meinungsmachern in ihrer Gesamtheit . Würde ein Traditionsunternehmen so schnell mehr als 30 Prozent seiner Kunden verlieren, würde es wahrscheinlich Bankrott gehen.

Viele Wähler verweigern ihren etablierten Politikern also die Anerkennung. Die 12,6 Prozent der Alternative für Deutschland (AfD) zeigen, dass viele Bundesbürger die Nase von ihren Volksparteien gestrichen voll haben. Denn die AfD wurde nicht gewählt, da man ihr zutraut, drängende Probleme zu lösen. Selbst bei ihrem Hauptthema - Migration und Flüchtlinge - trauen (je nach Umfrage) nur 6 bis 8 Prozent der Deutschen der AfD überzeugende Lösungen zu. In der Wirtschafts- und Sozialpolitik sprechen die deutschen Wähler der AfD sogar jegliche Kompetenz ab. 2 Etwa die Hälfte der AfD-Wähler drückt also mit ihrem Kreuzchen ihre Enttäuschung über die Migrationspolitik der Bundesregierung aus. Auch die andere Hälfte wählt die AfD nicht , weil sie von ihrem Programm überzeugt wäre. Diese will ihre Unzufriedenheit mit den anderen Parteien zum Ausdruck bringen. Die Denkweise dieser Sympathisanten der AfD geht so: "Wenn die Volksparteien die AfD brandmarken, ist meine Stimme für die AfD umso mehr das ideale Vehikel, um meine Unzufriedenheit über diese auszudrücken. Der Feind meines Feindes ist mein bester Freund!"

Wir haben es also hier mit einem höchst emotionalen, höchs

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