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Ein Herz für Kängurus Beutelweise Glück in Australien von Barns, Chris (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Ein Herz für Kängurus

Chris Barns lebt im Outback Australiens und zieht dort Kängurubabys auf, die ihre Familie verloren haben. Viele der Känguru-Mütter sind bei Autounfällen ums Leben gekommen. Die hilflosen kleinen Wesen werden vom "Kangaroo Dundee" liebevoll aufgepäppelt, nachts in Kissenbezüge gekuschelt und morgens gebadet und mit der Flasche gefüttert. In seinem Buch erzählt Chris Barns von seiner Liebe zu diesen verrückten kleinen Wesen und vom Kampf gegen das sinnlose Sterben der Tiere. Eine herzergreifende Geschichte, von einem besonderen Mann und seinem Leben mit Beuteltieren.

Chris Barns lebt auf einer Farm in Alice Springs, Australien, wo er sich seit 2005 in einer Aufzuchtstation um gerettete Kängurubabys kümmert. Er ist der Star der BBC-Serie Kangaroo Dundee.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 09.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843712927
    Verlag: Ullstein
    Größe: 3529kBytes
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Ein Herz für Kängurus

Kapitel 1

Manche Leute haben Fernseher, ich habe mein Feuer draußen vor der Hütte. Keine amerikanische Krimiepisode, nur knisternde Flammen, in die ich stundenlang schauen kann. Meine Gedanken verlieren sich darin. Über mir spannt sich eine Kinoleinwand: der Nachthimmel voller Sterne. Wer braucht Pyrotechnik für sündhaft viel Geld, wenn es die Milchstraße umsonst gibt? Ihr Funkeln verschlägt mir den Atem. So auch die Landschaft ringsum. Jetzt, da es dunkel ist, kann ich sie nicht sehen, aber ich fühle sie, schmecke sie, spüre sie unter meinen Stiefeln. Das Outback. Es ist ein Teil von mir. Oder bin ich ein Teil von ihm? Wie dem auch sei, ich weiß, dass ich hierhin gehöre. Dieses Land, diese enorme Weite, die überwältigend wirken kann, hat mir geholfen, zu dem zu werden, der ich bin. Momentan starre ich in die Flammen und denke über mein Leben nach, über die Reise, die mich herführte, zu dieser Zufluchtsstätte, um die ich so sehr gekämpft habe. Ich bin keiner, der das Scheinwerferlicht sucht, finde mich aber trotzdem plötzlich in Wohnzimmern auf der ganzen Welt wieder. Der einzige Grund dafür ist die Ikone Australiens, das Känguru. Roger, Ella, Abi, Monty, mein kleiner Kumpel Ned Kelly, Molly Fleur, Nigel, die arme Daisy und Hunderte mehr.

Angefangen hat alles mit einem tapferen kleinen Joey, einem Kängurujungen. Den Tag, an dem ich es entdeckte, werde ich nie vergessen.

Es war irgendwann im Jahr 2005, vielleicht im August, jedenfalls an einem herrlichen, warmen Tag mit Temperaturen um die dreißig Grad. Ich fuhr einen Bus voller Rucksacktouristen aus aller Welt, ungefähr zwanzig Personen, alle in ihren Zwanzigern. Wir waren auf dem Weg zum Uluru, einem der bekanntesten Wahrzeichen Australiens, und wollten rechtzeitig zum Sonnenuntergang dort ankommen. Dann nämlich bietet sich ein Bild, an dem ich mich nicht sattsehen kann. Die Farbe des riesigen Felsens - ein heiliger Ort für die Ureinwohner - geht von einem prunkvollen Rot in Gelb- und Orangeschattierungen über, die mit den Blau-, Rosa- und Violetttönen des Himmels zu verschmelzen scheinen. Ein magischer Moment. Viele Touristen kommen nur deswegen ins Outback. Ich begleitete meine Gruppe als Reiseführer auf einem Zwei-Tage-Trip, und obwohl den Teilnehmern nicht zugesichert worden war, dass sie Fotos vom Sonnenuntergang machen können, beeilte ich mich, meinen Leuten eine solche Gelegenheit zu bieten.

Der Tag hatte schon hektisch begonnen. Wir waren früh in Alice Springs aufgebrochen und zum dreihundert Meilen entfernten Kings Canyon gefahren, wo wir eine Wanderung machten und zu Mittag aßen. Wieder im Bus, hatten wir noch zweihundert Meilen bis zum Uluru zurückzulegen.

Mit dem Anhänger voller Gepäck schafften wir nur knapp neunzig Stundenkilometer. Hätte ich aufs Gas gedrückt, wäre mir womöglich der Keilriemen oder sonst was um die Ohren geflogen. Am Ende aber war es kein mechanischer Defekt, der uns an diesem Tag aufhielt, sondern ein Roadkill, ein überfahrenes Tier auf der Straße. Ein in Australien häufiger Anblick.

Ich hielt an, um das Tier von der Straße zu schaffen, und eilte auf das Häufchen Elend zu. Es war ein weibliches Känguru, für das, wie ich sofort sehen konnte, jede Hilfe zu spät kam. Ich checkte auch seinen Beutel. Nichts. Schweren Herzens schleifte ich den Kadaver von der Straße, wischte mir die Hände an meinen Shorts ab und stieg zurück in den Bus.

"Wär doch schön, wenn wir irgendwann am Uluru ankämen", rief jemand ruppig.

"Yeah, ich beeile mich. Aber das musste gemacht werden", antwortete ich.

Ich erklärte allen, warum ich angehalten hatte. Lag eine tote Kängurumutter auf der Straße, steckte in ihrem Beutel möglicherweise noch ein lebendiges Baby, und wer wollte, dass es leiden musste? Auf der Fahrbahn stellte das tote Tier außerdem eine Gefahr für andere Tiere dar, zum Beispiel für Keilschwanzadler, die sich gelegentlich auch über Aas hermachten.

Wir fuhren weiter

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