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Foxtrott 4 Sechs Monate mit deutschen Soldaten in Afghanistan von Schnitt, Jonathan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.08.2012
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)
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Foxtrott 4

Authentischer Insider-Report über die wirkliche Situation der Soldaten in Afghanistan "Zehn Jahre Afghanistankrieg - ein unangenehmes, peinliches Datum", schrieb die "Zeit" im Herbst 2011 und nannte diesen Krieg eine "schwer erträgliche Last" für den Westen. Diese Last tragen seit zehn Jahren auch deutsche Soldaten. Der Journalist Jonathan Schnitt wollte sehen, hören, spüren, was das, aus der Nähe betrachtet, bedeutet - jeden Tag, jede Nacht. Er lebte ein halbes Jahr mit einem deutschen Bataillon nahe Kundus, das "an vorderster Front" Dienst tat, teilte mit den jungen Frauen und Männern Hitze, Dreck, Flöhe, Anstrengung, Angst. Er sprach mit ihnen über ihre Erlebnisse, Gefühle, Wünsche und über die Gefahr, dem Tod zu begegnen. Und er sah, wie der Krieg sie veränderte. Jonathan Schnitt rückt aus der Innenperspektive endlich die Soldaten in den Mittelpunkt und zeigt das ungeschminkte deutsche Gesicht des Afghanistankrieges - hautnah, illusionslos, berührend. Jonathan Schnitt hat Rechtswissenschaft und Journalistik studiert. Nach Stationen bei Spiegel TV, der dpa in Washington und im ARD-Studio in Tel Aviv arbeitet er seit Februar 2010 als Redakteur für die 'Fernsehmacher' und als Autor für 5/14-Film.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 27.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641073572
    Verlag: C. Bertelsmann
    Größe: 12680 kBytes
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Foxtrott 4

Einschießen bei 55 Grad

Frühmorgens und abends beobachte ich, wie die Fahrzeuge im PRT Kunduz am "Ehrenhain" - dem Sammelplatz - auffahren, um "raus" zu fahren. Der Ehrenhain hat zwei Funktionen: Zum einen ist er Sammelplatz für alle Einheiten, die "raus" fahren, zum anderen ist er Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten im Rahmen der ISAF-Mission in Afghanistan und in Kunduz im Besonderen. Er steht innerhalb eines quadratischen Schotterplatzes und besteht aus zwei rechtwinklig angeordneten Mauern. Davor steht ein Gedenkstein. Er ist mit dem Eisernen Kreuz der Bundeswehr versehen. An den Mauern sind die Gedenktafeln für die im Einsatz verstorbenen Soldaten befestigt. Auf den Gedenktafeln steht jeweils der Name, Vorname, Dienstgrad und Name der Einheit des Toten.

Hinter dem Ehrenhain stehen zehn Fahnenmasten - die sieben Flaggen der an der ISAF-Mission beteiligten Nationen, die Flagge der NATO, Afghanistans und die deutsche Flagge. Der deutsche Fahnenmast steht ganz im linken Eck des Ehrenhains.

In den Fahrzeugen: lauter junge Männer mit ernsten Gesichtern. Wenn sie in der ersten Dämmerung zurückkommen, sind ihre Gesichter so verstaubt, dass man nicht mehr erkennt, ob sie vielleicht doch gerade lächeln. Wir werden bald die nächsten sein, die am Ehrenhain auffahren.

Für die 3. Kompanie von Hauptmann Schellenberger und damit auch für den Foxtrott-Zug wird es in der nächsten Woche ernst - dann müssen sie in "Raumverantwortung", so heißt das. Sie werden im Raum Chahar Darreh als Task Force eingesetzt. Das bedeutet: Außenposten besetzen, Patrouillen durch die Dörfer, Überwachen der Verbindungswege, Suche nach Sprengfallen und Suche nach dem unsichtbaren Feind, der sich womöglich irgendwo in den Bergen oder auch in den Dörfern versteckt.

Zuvor müssen aber noch die Waffen eingeschossen werden. Dafür fährt die Kompanie auf die Westplatte, ein Sandsteinplateau westlich des Feldlagers. Eine einstündige Fahrt durch das Kunduz-Tal.

6:30 Uhr - die Dingos, die Marder-Schützenpanzer und die Fuchs-Transportpanzer fahren auf dem Sammelplatz, dem Ehrenhain, auf. Die Waffen werden soweit durchgeladen, wie es die Sicherheitsbestimmungen zulassen. Dann die herzliche Ermahnung vom Zugführer, die Soldaten sollten nicht rausfahren "wie die Pimmelfrisöre", sondern wachsam sein. Aus der TOC (Tactical Operations Center), der Einsatzzentrale, sagt er, gäbe es eine Warnung vor einem Selbstmordattentäter im Raum Kunduz. Die Schranke nach "draußen" öffnet sich.

Zum ersten Mal verlassen wir unsere Schutzburg, das Feldlager. Ich sitze in einem Transportpanzer Fuchs. Er hat Luken, aus denen man beobachten kann und auch filmen könnte. Doch zunächst sitze ich "unter Luke". Sehe nichts außer dem Inneren des Panzers. Stahl und Waffen. Oben durch die Luke kann ich ein Stück Himmel sehen, wolkenlos wie beinahe immer, und die MP 7 des stellvertretenden Zugführers, der aus der Luke heraus die Umgebung überwacht. Man hört die rauschenden Meldungen über Funk. Die Soldaten um mich wirken ruhig, abwartend, fast abwesend.

Die Kolonne rollt von der Anhöhe, auf der das Feldlager steht, hinunter in das Kunduz-Tal. Die Straße ist sogar befestigt. Wir fahren durch den Distrikt Chahar Darreh, einen von sieben Distrikten in der Provinz Kunduz. Über eine Furt geht es durch den Kunduz-Fluss. Wie Science-Fiction-Gefährte wirken die Bundeswehr-Fahrzeuge im Vergleich zur Umgebung - den kargen Feldern, den erbärmlichen Hütten und Verschlägen der afghanischen Dörfer.

Westplatte, Sandsteinplateau westlich des Feldlagers

Die Bundeswehr-Kolonne fährt auf die Anhöhe. Eine Kamelkarawane wartet geduldig, bis die Militärfahrzeuge vorbeigezogen sind. Die Sonne steht jetzt überdimensional riesig über der Westplatte. Sie nimmt die Hälfte des Horizonts ein. Hier ist es noch mal heißer und staubiger als im Feldlager. Ein Apache-Kampfhubschrauber fliegt über uns hinweg.

Schröde

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