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Future Sex Wie wir heute lieben. Ein Selbstversuch von Witt, Emily (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2017
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Future Sex

Emily Witts Prognose für die weibliche Sexualität lautet: selbstbewusst, frei und unerschrocken. Mit einem wachen Blick, großer Begeisterungsfähigkeit und einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe erforscht die New Yorker Journalistin die neuen Formen weiblicher Sexualität, von Tinder über Feminist Porn bis hin zur Orgasmic Meditation. Emily Witt ist Mitte dreißig, Single und lebt in Brooklyn. Die ideale Voraussetzung für ein bewegtes Liebes- und Sexleben. Könnte man meinen. Doch eigentlich hat auch Witt trotz all der schillernden Angebote ein ganz bestimmtes Ziel im Visier: Ehemann, Kinder und ein Eigenheim. Um die Möglichkeitswelt jenseits der tradierten Ideale zu erkunden, entschließt sich die Journalistin zu einer Reise nach San Francisco, der Hochburg der freien Liebe und der digitalen wie libidinösen Zukunft. Sie durchstreift die Sphären des Internetdatings, feiert auf einer Hochzeit von Polyamoristen, spricht mit der Königin eines feministischen Kinky-Porn-Unternehmens, sie sondiert und überschreitet ihre eigenen Grenzen bei dem legendären Exzessfestival "Burning Man" und begibt sich ins Zentrum der "Orgasmic Meditation". Am Ende ihrer Reise steht eine überraschende Erkenntnis. Emily Witt ist Mitte dreißig, Journalistin und Schriftstellerin und lebt in New York. Sie studierte u. a. an der Columbia University und in Cambridge. Witt schreibt für n+1, The New Yorker, The New York Times, GQ und The London Review of Books. Future Sex ist ihr erstes Buch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 250
    Erscheinungsdatum: 16.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518751381
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Future Sex. A New Kind of Free Love
    Größe: 4865 kBytes
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Future Sex

ERWARTUNGEN

Ich war Single, hetero und weiblich. Als ich 2011 dreißig wurde, stellte ich mir immer noch vor, mein Sexleben würde irgendwann eine Endstation erreichen wie die Monorail-Bahn in Disney World das Epcot Center. Ich würde aussteigen, einem anderen Menschen gegenüberstehen, und wir würden in unserer neuen Dauersituation verbleiben: in der Zukunft.

Ich war kein Single aus Überzeugung, aber Liebe ist selten und meistens unerwidert. Ohne Liebe sah ich keinen Grund, mich langfristig an einen bestimmten Ort zu binden. Liebe legte fest, wie Menschen sich im Raum arrangierten. Weil sie Personen dauerhafte Vereinbarungen bescherte, nahm meine Umgebung sie als absolutes, messianisches Endzeitereignis wahr. Meine Freunde wussten mit religiöser Bestimmtheit, dass auch für mich die Liebe kommen würde, als wäre das Universum sie jedem Einzelnen von uns schuldig und als gäbe es vor ihr kein Entrinnen.

Ich hatte durchaus meine Erfahrungen mit der Liebe gemacht, aber deshalb wusste ich auch, dass ich weder die Macht besaß, sie zu entfachen, noch die, sie auf Dauer zu erhalten. Trotzdem beharrte ich auf meiner Vorstellung der Zukunft, die ich als Standardprogramm meiner Sexualität sah, als Schicksal, nicht als Wahlmöglichkeit. Auch wenn meine tatsächlichen Erfahrungen eher stürmisch verliefen, trug ich wie ein unantastbares Juwel das kristallklare Bild eines Zielorts im Kopf. Allerdings wusste ich, dass nicht jeder an diesem Ziel ankam, und als ich älter wurde, machte ich mir Sorgen, dass auch ich es nicht tun würde.

Ein, zwei Jahre vergingen mit einem Freund, dann wieder ein, zwei ohne. Zwischendurch schlief ich manchmal mit Bekannten. Im Laufe der Zeit hatten auch viele andere aus meinem Freundeskreis miteinander geschlafen. Affären fingen so schnell an, wie sie wieder aufhörten, oder sie implodierten unter Tränen oder vorübergehender Unzurechnungsfähigkeit, verliefen im Großen und Ganzen aber friedlich. Wir waren Seelen in der Schwebe, die sich wie vertrocknete Blätter im Wind aneinanderhäuften und nach Endzeittrompeten und Hochzeitsglocken lauschten.

Die Sprache, mit der wir diese Beziehungen beschrieben, diente nicht der eindeutigen Definition. Sie zeichneten sich dadurch aus, dass wir in einer Beziehung waren und doch allein blieben, aber niemand wusste so recht, wie diese Art der Verbindung zu bezeichnen war. "Rummachen" hörte sich an, als fehlte unseren Begegnungen jegliche Feierlichkeit und Würde. "Einen Liebhaber haben" war altmodisch, und außerdem waren wir einfach mit denen befreundet, mit denen wir schliefen, wenn auch nicht "nur befreundet". Meistens nannten wir es schlicht "Dating", worunter vom One-Night-Stand bis zur mehrjährigen Beziehung alles fallen konnte. Wer datete, war Single, wenn er oder sie nicht gerade jemanden datete. Auch "Single" hatte jede Präzision verloren: Es konnte "unverheiratet" heißen wie auf der Steuererklärung, aber auch Unverheiratete waren manchmal nicht Single, sondern "in einer Beziehung"; für diese vorübergehende Verpflichtung hatten wir kein Wort parat. Freund , Freundin oder Partner bedeutete Verbindlichkeit und Zielgerichtetheit und traf deshalb nur in bestimmten Fällen zu. Ein Bekannter von mir sprach von seiner "Nicht-Ex", mit der er ein Jahr lang eine "Nichtbeziehung" geführt hatte.

Unsere Beziehungen hatten sich verändert, aber nicht unsere Bezeichnungen dafür. Wir sprachen darüber, als wäre alles wie früher, merkten aber, dass die Worte nicht passten. Viele von uns sehnten sich nach einem Arrangement, das wir benennen konnten, als wäre es dann automatisch nicht nur vertrauter, sondern auch besser. Manche von uns versuchten es mit Neologismen, aber die meisten vermieden sie. Wir waren zufällig und ungeplant in dieser Situation gelandet. Keiner aus meinem Bekanntenkreis sprach von einem "bewussten Lebensstil". Niemand b

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