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Gemeingefährlich Deutschlands schlimmste Verbrecher - ein Kommissar berichtet von Harbort, Stephan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.01.2015
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Gemeingefährlich

Das Böse ist mitten unter uns "Ich war erst in einem Waffengeschäft und wollte ein Gewehr kaufen. Damit hätte ich einiges angestellt. Dann habe ich mir bei Karstadt ein Messer gekauft. Der Gedanke, eine Frau zu töten, war wieder da. Erst wusste ich nicht, wie ich an ein Opfer rankommen sollte, dann sah ich die Frau in dem Taxi. Warum nicht, habe ich mir gedacht." Täter, die in Sicherungsverwahrung genommen wurden, gelten als die schlimmsten Verbrecher. Wird ein Triebtäter entlassen, formiert sich schnell Widerstand. So jemanden will man nicht in der Nachbarschaft haben. Solche Leute lösen Angst aus. Harbort stellt acht spektakuläre Kriminalfälle dar, das Spektrum reicht vom rechtsextremistisch bedingten Ausländermord über Sexualmord bis zum Foltermord in einer deutschen Justizvollzugsanstalt. Stephan Harbort leitet ein Kriminalkommissariat beim Polizeipräsidium Düsseldorf. Der Diplom-Verwaltungswirt ist Deutschlands bekanntester Experte für Serienmörder und das kriminalistische Profiling, außerdem langjähriger Lehrbeauftragter an der FH Düsseldorf und Dozent an der BTU Cottbus. Der Kriminalhauptkommissar entwickelte international angewandte Fahndungsmethoden zur Überführung von Serienmördern und ist Fachberater bei Kino-Filmen, TV-Dokumentationen und Krimi-Serien. Er ist öfter zu Gast in Talkshows und auch als Darsteller in TV-Dokumentationen und Reportagen zu sehen, zuletzt im Kino-Dokumentarfilm "Blick in den Abgrund". Zahlreiche Buchveröffentlichungen. <a href="

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 23.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423424301
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 783 kBytes
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Gemeingefährlich

BLUTRAUSCH

"Er ist ein netter, höflicher, lieber Junge.

Er gibt nur das weiter, was man mit ihm macht."

"Das Röcheln und Stöhnen seiner Opfer

war ihm vollkommen gleichgültig.

Es ist ein Fall, den man nicht verstehen kann.

Sorgen Sie dafür,

dass dieses Monster nie wieder freikommt!"

"Eigentlich habe ich für Leute,

die so etwas tun, immer die Todesstrafe gefordert.

Und jetzt bin ich selbst so einer."



Das Böse bekommt endlich ein Gesicht, als der Angeklagte zum Prozessauftakt in den überfüllten Schwurgerichtssaal B 25 hereingeführt wird. Sofort beginnen die Fernsehkameras zu surren, die spürbare Anspannung aller Anwesenden scheint sich im Blitzlichtgewitter der Fotografen zu entladen und macht den jungen Mann, der ungeheuerliche Verbrechen begangen haben soll, für einige Augenblicke zum Mittelpunkt des Geschehens. Man könnte meinen, ein Hollywoodstar macht seine Aufwartung, nur der rote Teppich fehlt. Faszination Verbrechen. An die Leiden der Opfer und ihrer Angehörigen denkt jetzt niemand.

Das ändert sich schlagartig, als eine halbe Stunde später die Taten des Angeklagten zur Sprache kommen, der selbst darüber lieber schweigen möchte. Erst während der Untersuchungshaft ist es ihm möglich gewesen, sich der ihn bis dahin überfordernden Wahrheit zu nähern, sein Schamgefühl zu überwinden. Er hat reinen Tisch gemacht und sämtliche Details seiner Taten minutiös und schonungslos beschrieben - ein Dokument des Grauens, das schockierende Bilder im Kopf entstehen lässt und die Frage provoziert: Wie kann ein Mensch zu so etwas fähig sein? Neunzehn quälend lange Seiten umfasst dieses vom Angeklagten übertitelte "Endgeständnis", das nun vom Vorsitzenden verlesen wird.

"Sehr geehrte Damen und Herren des Amtsgerichts Northeim. Nach langem Hin-und-her-Überlegen habe ich mich entschlossen, ein Schriftstück zu verfassen, in dem ich teilweise mein Geständnis aus den Vernehmungen ... widerrufen möchte, und detailliert über die wahren Tatgeschehnisse ... berichten möchte", heißt es einleitend. "Falls Sie sich fragen, warum ich jetzt erst darüber berichte, bei den Geschehnissen handelt es sich um Tatabläufe, für die ich mich schäme, und daher nicht in der Lage war, darüber in den Vernehmungen vor den Polizei- und Justizbeamten zu sprechen. Und insbesondere möchte ich, dass die Angehörigen des Mädchens und des Jungen die Wahrheit wissen, wie und warum die Taten passiert sind, und nicht wie die vorher von mir gestandene Teilwahrheit."

Für Letztere ist die Verlesung des schriftlichen Geständnisses eine regelrechte Tortur. Ekelerregende Details werden ausgebreitet, die einem Angst vor Menschen machen. Kein unbarmherziger Handgriff des Mörders bleibt ausgespart, wie in Zeitlupe entstehen Vorstellungen grausiger Verstümmelungen der Kinder und sprengen die Grenzen des Erträglichen. Die Augen der beisitzenden Richter bohren sich förmlich in den verkrampft wirkenden Angeklagten hinein, der die Hände in den Schoß gelegt hat und stoisch auf den Boden stiert. Gelegentlich ist im Saal ein unterdrücktes Seufzen zu hören, sonst herrscht stummes Entsetzen. Auch erfahrene Strafverteidiger und Opferanwälte können ihre Fassungslosigkeit nicht verbergen. Reihenweise eilen Zuhörer aus dem Saal, weil sie sich das Geschilderte nicht weiter zumuten möchten, aber auch fremdes Leid gewohnte Gerichtsreporter verlieren die Nerven und verlassen die unwirklich anmutende Szenerie mit Tränen in den Augen. Selbst abgehärtete Kriminalbeamte und Justizwachtmeister versteinern förmlich, ihr Blick geht ins Leere.

Die verhandelten Verbrechen wirken durch die infantil anmutende Ausdrucksweise des Täters unheilvoll lebendig und können nicht länger durch vergleichsweise nüchtern anmutende juristische Formulierungen des Staatsanwalts oder des Gerichts abstr

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