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Gott Eine Geschichte der Menschen von Aslan, Reza (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2018
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Gott

"Ich will Ihnen zeigen, woher Gott kommt." (Reza Aslan)
In seinem Bestseller "Der Zelot" legte Reza Aslan ein völlig neues Bild des Jesus von Nazareth frei. Hier geht es um noch Größeres: Um unser Bild von Gott.
Reza Aslan holt es vom Himmel zurück auf die Erde! Er erzählt ebenso unterhaltsam wie spannend die Religionsgeschichte der Menschheit und zeigt: Gott ist eine Idee der Menschen.
Und vielleicht die beste, die sie je gehabt haben!
Gibt es Gott? - Wir haben die Wahl!
Wie die Menschen Gott entdeckten - eine faszinierende Geschichte
Vom Bestsellerautor von "Der Zelot"
Die Grundlage für ein umfassendes Verständnis und einen offenen Dialog der Religionen

Reza Aslan ist Religionswissenschaftler und ein international erfolgreicher Sachbuchautor. Im Iran geboren, wuchs der Muslim mit einer evangelischen Mutter in Amerika auf. Die Wertschätzung kultureller Offenheit und religiöser Vielfalt prägt sein Denken.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 22.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641233235
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
    Originaltitel: God - A Human History
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Gott

EINFÜHRUNG

Nach unserem Ebenbild

In meiner Kindheit stellte ich mir Gott als einen großen, mächtigen alten Mann vor, der im Himmel wohnt - eine stärkere, mächtigere Version meines Vaters, ausgestattet mit Zauberkräften. Ich malte mir aus, dass Gott gut und imposant aussah, mit langen grauen Haaren, die ihm wallend auf die breiten Schultern fielen. Er saß auf einem von Wolken umgebenen Thron. Wenn er sprach, durchdrang seine gewaltige Stimme den Himmel, vor allem wenn er wütend war. Und er war oft wütend. Aber Gott war auch warmherzig und liebevoll, voller Gnade und gütig. Er lachte, wenn er glücklich war, und weinte, wenn er traurig war.

Ich weiß nicht, woher ich dieses Bild von Gott hatte. Vielleicht hatte ich es irgendwo als buntes Kirchenfenster oder abgedruckt in einem Buch gesehen. Es ist aber auch möglich, dass ich damit geboren wurde. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass es kleinen Kindern schwerfällt, zwischen dem Verhalten und den Taten von Menschen und dem Verhalten und den Taten, die Gott zugeschrieben werden, zu unterscheiden, und zwar unabhängig davon, woher die Kinder stammen oder wie religiös sie sind. Wenn man Kinder bittet, ihre Vorstellung von Gott darzulegen, beschreiben sie stets ein menschliches Wesen mit übermenschlichen Fähigkeiten. 1

Als ich älter wurde, ließ ich die meisten meiner kindlichen Ansichten hinter mir. Doch das Gottesbild blieb. Ich wuchs nicht in einer besonders religiösen Familie auf, aber immer schon faszinierten mich Religion und Spiritualität. Mir schwirrten allerlei unausgegorene Theorien darüber im Kopf herum, was Gott war und wie er aussah (und er ähnelte eigenartigerweise noch immer meinem Vater). Ich wollte aber nicht einfach nur etwas über Gott wissen; ich wollte Gott erfahren, seine Gegenwart in meinem Leben spüren. Doch immer, wenn ich das versuchte, erfasste mich unwillkürlich ein Bewusstsein von der tiefen Kluft, die sich zwischen uns auftat: Gott befand sich auf der einen und ich befand mich auf der anderen Seite, und keiner von uns war in der Lage, diesen Abgrund zu überwinden.

Als Jugendlicher konvertierte ich vom Islam, den meine aus dem Iran stammenden Eltern eher lauwarm praktizierten, zum enthusiastischen Christentum meiner amerikanischen Freunde. Sogleich fand die Neigung aus meiner Kindheit, mir Gott als mächtiges menschliches Wesen vorzustellen, in der Verehrung Jesu Christi als "Fleisch gewordener Gott" ein konkretes Objekt. Anfangs fühlte sich das an, als würde ich mich endlich an einer Stelle kratzen, an der es mich schon mein ganzes Leben lang gejuckt hatte. Jahrelang hatte ich nach einem Weg gesucht, die Kluft zwischen mir und Gott zu überwinden. Nun entdeckte ich eine Religion für mich, die behauptete, es gäbe diese Kluft überhaupt nicht. Wenn ich wissen wollte, wie Gott ist, konnte ich ihn mir nun einfach als den vollkommensten aller Menschen vorstellen.

Das ergab durchaus Sinn. Konnte es, um die Barriere zwischen den Menschen und Gott zu überwinden, einen besseren Weg geben, als Gott zu einem Menschen zu machen? Zu der Frage, warum die christliche Vorstellung von Gott so erfolgreich ist, schrieb der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach: "Das Gemüt findet nur in sich selbst, in seinem Wesen, nur in einem Gotte, der ist, wie und was das Gemüt [ist], seine Befriedigung." 2

Dieses Feuerbach-Zitat las ich zum ersten Mal auf dem College, ungefähr zu der Zeit, als ich beschloss, mein Leben dem Studium der Religionen der Welt zu widmen. Feuerbach, so sagte ich mir, meint damit offenbar, dass die nahezu universelle Attraktivität eines Gottes, der aussieht, denkt, fühlt und handelt wie wir, in unserem tiefsitzenden Bedürfnis wurzelt, das Göttliche als Spiegelbild unseres eigenen Selbst zu erleben. Diese Wahrheit traf mich wie ein Donnerschlag. War das der Grund, warum ich mich als Kind so zum Christentum hingezogen gefühlt hatte? Hatte ich mir während dieser ganz

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