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Kirche, Macht und Geld von Drobinski, Matthias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.12.2013
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Kirche, Macht und Geld

Wie reich und mächtig sind die Kirchen wirklich? Die Kirchen, katholisch wie evangelisch, sind die größten Institutionen in Deutschland und die zweitgrößten Arbeitgeber nach dem Öffentlichen Dienst. Ihr Einfluss ist in der Verfassung festgeschrieben. Ist ihre Stellung im Staat noch gerechtfertigt, obwohl die Zahl ihrer Mitglieder stetig abnimmt? Was wäre durch eine strikte Trennung von Staat und Kirche gewonnen? Matthias Drobinski zeigt in diesem Buch, warum es gut ist, wenn Staat und Religionen zusammenarbeiten. Voraussetzung dafür ist aber, dass sich das Verhältnis von Staat und Kirche ändert und zu einem Religionenrecht wandelt. Spielt Religion in einem säkularisierten Deutschland noch eine Rolle? Ein Buch über Probleme und Widersprüche des Staat-Kirchen-Verhältnisses Matthias Drobinski, geboren 1964, studierte Geschichte, katholische Theologie und Germanistik, bevor er eine journalistische Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg absolvierte. Ab 1993 arbeitete er als Redakteur für Publik-Forum und später für 'Die Woche' sowie für den Hessischen und den Norddeutschen Rundfunk. Seit 1997 schreibt der Journalist für die Süddeutsche Zeitung in München und ist dort als innenpolitischer Redakteur für Kirchen und Religionsgemeinschaften zuständig. Er lebt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 255
    Erscheinungsdatum: 02.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641119584
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
    Größe: 1408 kBytes
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Kirche, Macht und Geld

2. "Entweltlichung": Von den christlichen Kaisern zu den ersten modernen christlichen Politikern

Ein Kapitel, in dem es um einen Kaiser im Büßergewand geht und einen Papst, der im Gefängnis landet, um Franz von Assisi und viele andere Armutsprediger, um Martin Luther und die weltliche Gewalt, um kleine Fürstbischöfe und den großen Kaiser Napoleon, um den fast genauso großen Kaiser Joseph, zudem um Fürst von Bismarck und den guten alten Kaiser Wilhelm. Und zwischen all den großen Herrschern um das Leben der kleinen Landpfarrer.

Barfuß steht der Kaiser da und nüchtern, vom Morgen bis zum Abend; seine prachtvollen Kleider hat er abgelegt. Drei Tage lang lässt der Papst ihn warten, dann erst wird Heinrich IV. zu Gregor VII. vorgelassen, erst dann spricht der Papst den Kaiser vom Bann los, den er im Jahr zuvor über ihn verhängt hat. Die Szene des Bußgangs von Canossa im Januar 1077 hat Lampert von Hersfeld überliefert, ein Parteigänger des Papstes, dem daran gelegen war, die Unterwerfung des Kaisers besonders drastisch darzustellen. Und so kann es gut sein, dass der weltliche Herrscher sich in diesen Januartagen gar nicht so sehr der geistlichen Macht unterwirft, sondern der Bußgang Teil eines Kompromisses ist: Der Kaiser betreibt nicht mehr wie bisher die Absetzung des Papstes, der Papst nimmt dafür den Bann zurück, der Unfrieden in Heinrichs Reich gestiftet hat.

Der Bußgang ist aber ein Wendepunkt: Geistliche und weltliche Macht stehen sich gleich stark gegenüber. Als das römische Reich untergeht, muss sich der Papst eine neue Schutzmacht suchen, er findet sie bei den Franken; ihren Herrscher Karl krönt Leo III. am Weihnachtstag des Jahres 800 zum Kaiser. Er und seine Nachfolger sehen sich seitdem als die legitimen Erben der römischen Imperatoren, sie sind nicht nur die Beschützer der Kirche, sie haben selber weitreichende Befugnisse in dieser Kirche. Sie können zum Beispiel Bischöfe und Äbte einsetzen, die ihnen genehm sind. Dieses Recht macht ihnren nun, fast 300 Jahre später, Papst Leo streitig: Der Kaiser, der Staat, soll sich nicht mehr in die Kirchenangelegenheiten einmischen. Die römische Kirche ist mächtig geworden, sie muss sich keinem Beschützer mehr unterwerfen. Sie hat ein gut funktionierendes Rechtssystem entwickelt, das es starken Päpsten erlaubt, die Bischöfe zum großen Teilen hinter sich zu vereinen – ein Bannfluch ist für einen weltlichen Herrscher eine echte Herausforderung geworden. Sie hat ihren Besitz gemehrt, ihre Klöster sind wichtige Zentren der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Kultur. Die Kirchenfürsten wiederum sind selber weltliche Herrscher geworden, erfahren in politischer Taktik und in der Kriegsführung. Vor vielen hundert Jahren, 495 war es, hat Papst Gelasius dem Kaiser Anasthasios einen Brief geschrieben: Gott habe der Welt zwei Gewalten, zwei Schwerter verliehen: die potestas regalis, die königliche Gewalt, und die auctoritas pontificalis, die päpstliche Autorität – die eine regiere die weltlichen, die andere die geistlichen Dinge. Damals ist die Zwei-Schwerter-Lehre eine Abwehrstrategie gegen den Anspruch des Kaisers gewesen, im weltlichen wie im geistlichen Bereich der Höchste zu sein. Nun aber sind kirchliche und weltliche Gewalt gleich stark. Und so, wie der Kaiser beansprucht, in seinem Reich die Kirche zu beherrschen, so wird die Kirche immer mehr auch eine weltliche Macht. Ein zäher Kampf beginnt, mehr als 200 Jahre wird er dauern. Der Stauferkaiser Friedrich II. erklärt Papst Innozenz IV zum Antichristen, der wiederum spricht 1245 einen Bann über Friedrich aus. Der ideologische und der reale Kampf zwischen der Staufer- und der Papstpartei geht hin un

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