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Mehr Mensch! Gegen die Ökonomisierung des Sozialen von Schneider, Ulrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2014
  • Verlag: Westend Verlag
eBook (ePUB)
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Mehr Mensch!

Der Mensch ist kein Renditefaktor Kindergärten, Krankenhäuser oder Pflegeheime - nicht einmal hier macht der kalte Ökonomismus halt. Wo der Mensch jedoch zum Humankapital verkommt, wo jeder seines Glückes Schmied sein soll und der Mehrwert zum wichtigsten Wert wird, muss die Menschlichkeit zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Soziales kann so nicht funktionieren. Ulrich Schneider, seit Jahrzehnten einer der führenden Manager und Lobbyisten in der Sozialwirtschaft, weiß, wovon er redet, und fordert einen Wertewandel. Eine entlarvende Erzählung, glänzende Analyse und zugleich knallharte Abrechnung mit einem neoliberalen Zeitgeist und seinen Mythen. Ulrich Schneider ist Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Berlin. Er ist Autor verschiedener Publikationen zu den Themen Armut in Deutschland, Verantwortung des Sozialstaates und soziale Gerechtigkeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864895685
    Verlag: Westend Verlag
    Größe: 408 kBytes
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Mehr Mensch!

Vorwort: Worum es (mir) geht

"With all those things we treat as eternal, that we assume will always be there - our mother's love, true friendship, sociality, humanity, belonging, the existence of the cosmos - no calculation is necessary, or even ultimately possible; insofar as there is give and take, they follow completely different principles." 1

David Graeber

Es sind zwei Anlässe, die sich glücklich fügten und mich zu diesem Buch bewegten. Der eine ist David Graebers Werk Schulden - die ersten 5 000 Jahre , das mir vor einiger Zeit in die Hände fiel. 2 Das Buch des amerikanischen Professors und Mitbegründers der Occupy-Bewegung fesselte mich sofort und gab mir wie kaum ein anderes in den letzten Jahren das Gefühl, dass ich als Leser nicht nur neue Fakten erhalte, sondern wirklich neue Sichtweisen kennenlerne und Einsichten gewinne. In seinem Versuch, die Bedeutung von Schuld und Schulden für die Menschen heute und in ihrer Geschichte zu begreifen, setzt Graeber sich mit Freundschaft, mit Herrschaft, mit Gewalt, mit Sex, mit Glauben, mit Sitten und Gesetzen, mit Menschen und mit Märkten auseinander. Seine Erzählweise ist faszinierend, da er als Anthropologe niemals abstrakt wird. Auch wenn er von Ideen, Theorien und Formen des Zusammenlebens spricht, bleibt er immer ganz nahe bei den Menschen selbst, wie sie denken und leben. Es gibt keine Wirklichkeiten und Strukturen außer denen, die von Menschen tagtäglich neu geschaffen werden, so die wichtige Botschaft zwischen den Zeilen. Es gibt keine Gesetze außer denen, die immer wieder aufs Neue befolgt oder durchgesetzt werden. Es gibt nichts außer Leben.

Graeber formuliert eine radikale Kritik an kapitalistischen Märkten und bietet Alternativen an: Formen des Zusammenlebens und gemeinsamen Wirtschaftens, die der menschlichen Natur, so wie er sie sieht, gerecht werden können; ein Zusammenleben, das darauf verzichtet, alles und jedes in Äquivalenzen umzurechnen.

Es waren Gedanken Graebers zur Natur menschlicher Beziehungen, zu Charakteristika und zur Organisation marktwirtschaftlichen Austausches, bei denen es sich geradezu aufdrängt, sie weiterzudenken für das Feld sozialer Arbeit und sozialer Dienstleistungen - oder das Feld der Sozialwirtschaft, wie es heute heißt und wo ich als Hauptgeschäftsführer eines Wohlfahrtsverbandes beruflich zu Hause bin. Das Buch des Anarchisten Graeber macht Mut, vermeintlich Gegebenes und Alternativloses radikal in Frage zu stellen. Mich hat es dazu ermuntert, in diesem Licht die letzten Jahrzehnte im Sozialen - drei davon als Pädagoge, Sozialmanager und Lobbyist - Revue passieren zu lassen. Dabei ist dieses Buch entstanden.

Der andere Anlass war die Einladung, auf einem renommierten Kongress der Sozialwirtschaft, der jährlich in Nürnberg stattfindenden ConSocial, die Auftaktrede zu halten. Und zwar zu einem verlockenden Thema: "Zwischen Grundsatz und Umsatz". Mit diesem Titel war für mich ein ebenso nachdenklich stimmendes wie ergiebiges Spannungsfeld skizziert, durchaus mit reichlich Potential zur selbstkritischen Reflexion. Immerhin standen die letztjährigen Konferenzen des Veranstalters an der Schnittstelle zwischen Profit- und Non-Profit-Sektor doch eher unter Überschriften wie "Märkte für Menschen", "Wertschöpfung durch Wertschätzung" oder auch gleich "Mehrwert des Sozialen". Die Einladung kam mir nach der Lektüre Graebers sehr recht. Gern sagte ich zu.

Von Schuberts Unvollendeter, kleiner Wäsche und Ökonomie

Spontan ruft ein Titel wie "Zwischen Grundsatz und Umsatz" im Sozialen das Bild eines schwer auszuhaltenden Spagats hervor: hier die Ethik, da der

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