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Meine fetten Jahre sind vorbei Wie ich meine Kindheit verdaute, um der dicke Trommler zu bleiben von Stummreiter, Reinhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.10.2018
  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
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Meine fetten Jahre sind vorbei

"Es ist schön, wenn man den Bauch ausziehen kann."
Wenn Reinhard Stummreiter heute unter tosendem Beifall die Bühne verlässt, legt er hinter den Kulissen erst die große Trommel ab und dann den dicken Kunstbauch. Der war lange Zeit echt. Knapp 300 Kilo brachte der Kabarettist auf die Waage. Bis er von seinem besorgten "Kommandanten" vor die Wahl gestellt wurde: Abnehmen oder die Altneihauser Feuerwehrkapell'n verlassen. Ein harter Schlag, denn die Auftritte sind Stummreiters Leben, und so rafft er sich auf und halbiert sein Körpergewicht: "Das Leben hat so viel zu bieten, ich möchte gerne wieder daran teilnehmen." Damit spricht er allen Dicken aus der Seele und zeigt, dass jeder das eigentlich unmöglich Geglaubte schaffen kann.

Der Oberpfälzer Kabarettist Reinhard Stummreiter ist bekannt als der "dicke Trommler" der Altneihauser Feierwehrkapell'n, die jedes Jahr bei Fastnacht in Franken gefeiert wird. Er lebt mit seiner Familie in Friedenfels in der Oberpfalz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 29.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641227234
    Verlag: Kösel
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Meine fetten Jahre sind vorbei

Das Comeback

Nachdem ich Norbert eines Tages in einem Telefonat erzählte, dass ich 42 Kilo abgenommen hatte, fragte er mich, und das war neu: "Und wie ist es mit der Luft?"

"Super", sagte ich und berichtete von meinem Sportprogramm.

"Und das macht dir Spaß?"

"Riesig", antwortete ich, ohne zu zögern. Das Gehen, Walken und Schwimmen hatte mir eine neue Perspektive eröffnet und mich so manches Mal in die schönen Zeiten meiner Kindheit versetzt. Es war ein herrliches Gefühl, sich fast ohne Einschränkungen bewegen zu können. Heute weiß ich, dass ich damals immer noch ziemlich gehandicapt war, doch im Vergleich zu 280 fühlen sich 240 Kilo schon fast federleicht an.

"Und wie viel wiegst du jetzt genau?", fragte Norbert.

"238 Kilo", sagte ich.

"Hm", machte er und dachte dann laut. "Ich muss mal mit dem Thomas reden."

Als das Gespräch beendet war, zitterten meine Hände ein klein wenig. Thomas war mein Ersatzmann bei den Altneihausern. Ein kleiner, schmaler Trommler, ebenso kurios wie ich, nur ganz anders, dünn halt. Mir war schon einige Male zugetragen worden, dass die Fans nach dem dicken Trommler gefragt hatten, obwohl Thomas seinen Job nicht schlechter machte als ich. Für die musikalische Qualität war es egal, wer den Schlegel in der Hand hielt.

Eine Woche später bekam ich von Norbert tatsächlich einen Termin für einen Auftritt. "Das ist nur eine kleine Sache, da hat der Thomas keine Zeit, lass uns mal ausprobieren, ob du es schaffst."

"Bestimmt schaff ich es!"

"Wenn du das durchstehst, schau ma weiter."

Nach fast einem halben Jahr Bühnenabstinenz fiel mir der Unterschied zu früher deutlich auf. Alles ging viel leichter, ich war auch vom Kopf her präsenter. Das Stehen auf der Bühne bereitete mir keine Probleme, meine Füße trugen mich sicher, das Gewicht der Trommel zog mich nicht zu Boden. Ich war glücklich, als ich auf meiner Position links außen auf die Trommel schlug. Ach, wie hatte ich das alles vermisst. Auch die Kameraden. Es tat so gut, wieder in ihrer Mitte zu sein. Nach dem Auftritt sagte Norbert: "Also du bleibst jetzt mal am Ball, und dann schau ma, wie sich die Sache entwickelt."

Nach wenigen Tagen buchte er mich abermals für einen Auftritt und verkündete im Anschluss: "Dann schau ma halt jetzt mal weiter."

Ich war also wieder dabei. Meine Erleichterung war riesengroß, meine Gewichtsabnahme von mittlerweile 50 Kilo auch. Weil ich mein Ziel, wieder mitzuspielen, erreicht hatte, verfuhr ich mich allerdings im Punkte- und Farbsystem von Optifast immer öfter. Nicht gravierend, aber doch ab und zu. Da ich weiter abnahm, machte ich mir darüber keine Gedanken. Sonst hätte ich gemerkt, dass ich mein Ziel noch nicht erreicht hatte. Das Optifast-Programm währte schließlich ein Jahr, nicht bloß bis zu meiner Rückkehr in die Feierwehrkapell'n. Aber war das Programm jemals mein Ziel gewesen oder nicht doch eher Norberts?

Mittlerweile wurde ich gelegentlich auf meine Gewichtsabnahme angesprochen. Das Lob für meinen Durchhaltewillen stärkte meine Motivation, doch noch weiterzumachen, genauso wie meine zunehmende Leistungsfähigkeit. Zu Anfang des Optifast-Sportprogramms wurde eine Strecke von fünf Metern abgesteckt, die wir in fünf Minuten so oft wie möglich bewältigen sollten. Anfangs schaffte ich gerade mal fünf Runden und war dann ziemlich außer Puste. Ich geriet ja schon in meinem normalen Alltag außer Atem, wenn ich beispielsweise aus dem Lkw ausstieg, weil ich tanken musste. An manchen Tagen fühlten sich sogar kleine Bewegungen so anstrengend an, als stünde ich kurz vorm Zusammenbruch. Nach einigen Wochen schaffte ich acht Runden und geriet lange nicht so außer Puste wie zu Beginn. Ich wurde immer leistungsfähiger und begann sogar wieder zu schwimmen. Das hatte ich früher so sehr geliebt, nicht umsonst bin ich in der "Teichpfanne der Oberpfalz", so heißt unsere Region im Volksmund, für die Touristen

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