text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

New Level Das ideale Computerspiel von Böhm, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2014
  • Verlag: Metrolit Verlag
eBook (ePUB)
17,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

New Level

Ein facettenreiches Grundlagenwerk zum Thema 'Computerspiel und Literatur'. Wladimir Kaminer, Sa?a Stani?i?, Aboud Saeed, Carlos Labbé, Andri Snær Magnason, Jaroslav Rudi?, Georg Klein, Ann Cotten oder Monika Rinck: Das sind nur einige Namen der an diesem außergewöhnlichen Projekt beteiligten Autorinnen und Autoren. Initiiert von Thomas Böhm (Internationales Literaturfestival Berlin) und gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, schreiben sie Entwürfe für Computerspiele - ohne Rücksicht darauf, ob diese Spiele heute technisch realisierbar sind oder nicht. So entstehen einerseits literarische Computerspiele als erhellende Herausforderung der Computerspiel-Welt, andererseits treten sie ein in einen Dialog mit führenden Wissenschaftlern und Programmierern und gehen den Fragen nach: Wie entstehen Computerspiele? Wie sehr ähneln oder unterscheiden sich beispielsweise die erzählerischen Mittel oder Plot und Dramaturgie bei der Stoffentwicklung von erfolgreichen Romanen und Computerspielen? Lassen sich komplexe literarische Inhalte in ein Spiel überführen, oder ist dies vor allem Genrestoffe vorbehalten? "New Level. Computerspiele und Literatur eröffnet einen vielversprechenden Austausch zwischen zwei Welten, die weit mehr gemeinsam haben als beiden bisher bewusst ist." WDR 3 "Ein umfangreiches Grundlagenwerk" FluxFM "Futuristisches Crossover zwischen Gaming und Literatur" Funkhaus Europa

Herausgeber Thomas Böhm, einer der "renommiertesten Literaturvermittler Deutschlands", ist Programmleiter des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Böhm leitete über 10 Jahre das Literaturhaus Köln, publizierte Bücher zu Fragen der Literaturvermittlung und bereitete das Programm des Schwerpunktes "Sagenhaftes Island" bei der Frankfurter Buchmesse und den Gastauftritt der Schweiz bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse vor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 10.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783849303617
    Verlag: Metrolit Verlag
    Größe: 5186 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

New Level

Aus dem Englischen von
Dirk Höfer

Meine Erinnerung an Deception Island ist kaum anders als die Insel selbst. Über der Antarktischen Halbinsel gelegen, ist sie eine kleine abgeschiedene Landmasse, die wie ein Kreis geformt ist. Das heißt: eine Null. Aber nicht völlig geschlossen. Durch einen engen Kanal gibt es Zugang zu einem sicheren Hafen, an dem norwegische Walfänger einst zwischen Gletschern und einem Vulkan lebten, wo sie sich von Zügelpinguinen und deren Eiern ernährten und Wasser aus den Flechten saugten, wenn die Vorräte knapp wurden. Wenn ich heute die Eisschichten wegkratze, die die Jahre zwischen mir und dem Spiel abgelagert haben, erscheinen Blau- und Grautöne, vernebelt und undeutlich. Aber es ist immer da. Dieses Gefühl. Wie eine Spinnwebe, die unbemerkt an meiner Wange haftet.

Das hat mit den Umständen zu tun, unter denen ich das Spiel kennenlernte. Meine Weisheitszähne waren gezogen worden, und der Zahnarzt hatte mir Demerol verschrieben. Ich war gerade zwölf Jahre alt, und das Medikament legte mich lahm. Es schuf eine zuckende Dumpfheit, warm und unwirklich, als ob ein Schwarm Quallen durch mein Nervensystem schwömme. Da ich mit meinen tamponierten Backen kaum essen oder trinken oder sprechen konnte, tat meine Mutter, was sie konnte, um mich mit allem, was mir sonst so gefiel, zu verwöhnen. Auf meine Bitte hin, die ich auf die Apothekenquittung kritzelte, holte sie meinen besten Freund Ioannis ab und besorgte einige Computerspiele aus der Videothek. Da wir damals nur wenig Geld hatten, musste auch die Konsole gemietet werden. Dieses Privileg, das eigentlich Geburtstagspartys oder den Nächten vorbehalten war, in denen meine Mutter nicht vor dem frühen Morgen zurückzukehren beabsichtigte, bestärkte meinen Verdacht, dass die Operation und der erlittene heftige Blutverlust eine ernste Sache darstellten und mehr als ungewöhnlich waren, obwohl meine Mutter beharrlich das Gegenteil behauptete.

Als Ioannis und meine Mutter mit der Konsole eintrafen, war ich wie von Sinnen, euphorisch und redete was weiß ich was daher. Es muss etwas leicht Beschämendes gewesen sein, denn ich spürte, wie meine Wangen rot wurden. Was auch immer es war, ich erinnere mich, wie Ioannis die Gesichtszüge entglitten, als er Blut aus meinem Mundwinkel rinnen sah. Meine Mutter wischte es weg und beschwichtigte Ioannis, dass ich dieses Wochenende wohl nicht ganz bei mir sei, er sich aber vor nichts zu fürchten brauche. Ioannis lachte nervös, fragte mich dann, wie es mir ginge. Ich murmelte irgendwas und zeigte dann auf den Nintendo. Meine Mutter meinte zu mir, ich müsse die Watte in meinem Mund wechseln, und sagte Ioannis, er möge sich doch von der Pizza auf dem Tisch nehmen. Sie führte mich ins Badezimmer und fragte nach meinem Schmerzlevel. Sieben, sagte ich. Sieben war meine Lieblingszahl. Das bedeutete, sie würde die orange Flasche öffnen und die Tablette nicht in zwei Hälften brechen. Sie würde sie mir zusammen mit einem Glas Wasser als ganze verabreichen. Es bedeutete zudem, dass sie keinen Arzt rufen würde. Ich hatte einmal den Fehler gemacht, neun zu sagen, und bekam danach vom Assistenten des Arztes einen Rüffel, weil ich zu viel Medikamente genommen hatte. Nachdem die frischen Wattekissen eingesetzt waren, gingen wir in die Küche zurück. Ioannis machte sich gierig über die Pizza her. Die nächste halbe Stunde sah ich ihm neidisch zu, während ich an einem einzigen Stück Käse hing, das ich noch nicht einmal ganz schaffte.

An diesem Wochenende mit viel zu wenig Schlaf schafften wir nur eine einzige Sache. Die ganze Zeit ließen wir uns von fantastischen, leeren Vergnügungen bespaßen und verließen das Wohnzimmer nur, um unseren Bedürfnissen nachzukommen

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen