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Niemals gegen das Gewissen Plädoyer des letzten Wehrmachtsdeserteurs von Baumann, Ludwig (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.06.2014
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Niemals gegen das Gewissen

Ludwig Baumann, einer der letzten lebenden Wehrmachtsdeserteure, hält ein flammendes Plädoyer gegen den Krieg. Das eindrucksvolle Vermächtnis eines bekannten Friedensaktivisten, der sich Hitler widersetzte - ein Buch mit der Kraft von Stéphane Hessels 'Empört Euch!'. Ludwig Baumann, geb. 1921, ist der letzte überlebende Wehrmachtsdeserteur. Jahrzehntelang hat er sich für die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure, gegen den Krieg und für Frieden und Gerechtigkeit eingesetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 80
    Erscheinungsdatum: 04.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451800993
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3689 kBytes
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Niemals gegen das Gewissen

Kapitel 2

1981

B onn, im Oktober. Ich liege am Flussufer und kann mich nicht sattsehen - seit Stunden strömen Menschenmassen über die Rheinbrücke zum Hofgarten. Von 300 000 Demonstranten ist die Rede. Transparente zeigen Friedenstauben oder Parolen wie "Frieden schaffen ohne Waffen" oder "Atomraketen - verschleuderte Moneten". Weit vorne am Rednerpult klebt ein Schild: "Pershing II - Cruise Missiles - NEIN!".

Altkanzler Willy Brandt spricht. Und Pfarrer Heinrich Albertz und Petra Kelly und Erhard Eppler und am Ende Heinrich Böll, den ich so sehr schätze - für seine Haltung und seine Menschlichkeit. Am Ende überbringt die Witwe von Martin Luther King Grüße und Zuspruch von den amerikanischen Pazifisten und wir singen "We shall overcome", die Hymne der Bürgerrechtler. Und wie ich dann nachts über die Rheinbrücke zurückgehe, im Strom dieser gewaltigen Friedensbewegung, und an meine Kinder denke, bin ich hochgestimmt und aufgewühlt - wir sind viele und können es vielleicht schaffen, dass Europa nie mehr zum Schlachtfeld wird.

Auf der Rückfahrt im Bus bleibe ich schlaflos und gehe morgens in Bremen direkt zur Arbeit, mit einem schönen Gefühl, das mich noch lange trägt.

Bald genügt es mir nicht mehr, nur Transparente hochzuhalten.

Eine Fahrradstunde von meiner Wohnung liegt in Garlstedt die US-Kaserne der 2nd Armoured Division aus Texas. Die Panzerbrigade nennt sich selber "Hell on wheels". Später werden 18 Soldaten von ihnen im Zweiten Irakkrieg sterben. Mit Friedensfreunden blockieren wir die Zufahrten aufs Gelände, die Stimmung ist gereizt, Panzerketten schneiden scharf an mir vorbei. Ich bleibe sitzen, ich bin kein Feigling.

In gewisser Weise werde ich nun mit 60 zum späten Einzelkämpfer und oft, wenn ich mit dem Fahrrad zu meiner Schwester nach Garlstedt fahre, schreibe ich mit dickem Filzstift auf die Schilder am Sperrzaun: AMI GO HOME! - immer auf der Hut vor Militärstreifen.

Im US-Strategiepapier "Air Land Battle" steht, von deutschen Generälen mitunterzeichnet: "Unsere Armeen müssen in einer Weise bewaffnet und ausgebildet werden, dass sie die Kampfaufträge bewältigen können, die wir ab Mitte der Neunzigerjahre auf dem mitteleuropäischen Gefechtsfeld durchzuführen haben werden."

Ich bin sicher, die Menschen in Russland wollen keinen Krieg - vor allem aber wollen sie nicht, dass er von deutschem Boden ausgeht. Ich bin verzweifelt.
1940

I m Frühjahr 1940 bestand ich mein Vorsemester am Hamburger Technikum und kam danach, wie jeder meines Jahrgangs, zum Reichsarbeitsdienst. Wir haben Deiche gebaut, an der Ostsee, bei Elbing in Ostpreußen. Der Ton war rüde und mit uns schufteten auch einige Polen. Auch wenn wir uns nicht verständigen konnten, waren sie mir sympathisch. In der Schule hatten wir Rassenlehre gehabt, da wurde uns klargemacht: Es gibt eine Herrenrasse - das sind wir - und es gibt Untermenschen, das sind vor allem die Völker im Osten. Und obwohl mir alle sagten, dass ich dumm sei, hatte ich ein kritisches Denken. Ich habe den Lehrern das nicht abgenommen. Warum sollte es Menschen geben, die weniger wert sind? Und als ich in den Wochenschauen sah, wie Hitler forderte: Lebensraum fürs deutsche Volk im Osten - da habe ich mich schon als Jugendlicher gefragt, was heißt das dann für die, die dort leben? Und ich fragte mich auch: Was wäre denn, wenn die das mit uns machen würden? Aber wenn man glaubt, dass es wertvolle Menschen gibt und wertlose, dann hat man auch kein Mitgefühl mit diesen Menschen. Ich hatte dieses Mitgefühl.

Beim Einmarsch in Polen wurde die Mehrzahl der Morde an polnischen Zivilisten von Wehrmachtssoldaten begangen. Der "glorreichen Wehrmacht".

Vier Wochen hatte der Polenfeldzug gedauert. Dänemark war in einem Tag besetzt worden, Norwegen in fünf Wochen. Und dann der Westfeldzug - Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich binnen sieben Wochen!/

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