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Sex und Lügen Gespräche mit Frauen aus der islamischen Welt von Slimani, Leïla (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2018
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Sex und Lügen

"Leïla Slimani gibt Frauen aus der islamischen Welt eine Stimme." Le Monde
Zerrissenheit, Hoffnung, Aufbegehren. Frauen aus Marokko sprechen über Liebe, Gefühle, Sexualität. Über Heuchelei und den Wunsch nach Anerkennung. Eine berührende Sammlung sehr persönlicher Geschichten. Von der Autorin des SPIEGEL-Bestsellers "Dann schlaf auch du".
"Ergreifend und schmerzlich." Ben Jelloun
Sich zu seinen Gefühlen bekennen? Den Partner frei wählen? Alleine auf die Straße gehen? Von klein auf werden Mädchen in islamischen Ländern dazu erzogen, keine Schande über ihre Familien zu bringen. Ehebruch, Prostitution, Homosexualität werden in Marokko bis heute mit Gefängnis bestraft. Viele Frauen führen in Leïla Slimanis Geburtsland daher ein Doppelleben - zerrissen zwischen Tradition und Religion auf der einen Seite und dem Wunsch nach Selbstbestimmung auf der anderen. Sechzehn sehr persönliche Geschichten versammelt die preisgekrönte Autorin und Journalistin in diesem Band. Ebenso mutige wie berührende Bekenntnisse, die Einblick geben in den Alltag von Frauen und in eine Welt im Umbruch.
"Für mich war es wichtig, das, was mir diese Frauen erzählt haben, ungefiltert niederzuschreiben. Ihre mitreißenden und eindringlichen Worte festzuhalten, die mich erschüttert und bewegt, mich wütend gemacht und empört haben." Leïla Slimani

Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihr Roman "Dann schlaf auch du" ist ein internationaler Bestseller und wurde mit dem renommierten Prix Goncourt ausgezeichnet. Slimanis Debüt "All das zu verlieren", ebenfalls preisgekrönt, erscheint in 25 Ländern und wird derzeit verfilmt. Leïla Slimani wurde 1981 in Rabat geboren und wuchs in Marokko auf. Nach dem Studium an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po arbeitete sie zunächst als Journalistin für die Zeitschrift "Jeune Afrique". Ende 2017 ernannte sie Staatspräsident Emmanuel Macron zu seiner persönlichen Beauftragten zur Pflege des französischen Sprachraums. Sie lebt mit ihrer Familie in Paris.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 10.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641216757
    Verlag: btb
    Originaltitel: Sexe et Mensonge
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Sex und Lügen

SORAYA 1

"Denk daran!"

S ie war es, die mich ansprach. Ich saß an der Bar eines schicken Hotels in Rabat. Sie kam zu mir, legte ihre Hand auf den Stuhl neben meinem und fragte, ob sie sich setzen dürfe. Ich antwortete: "Ja, natürlich." Ich war zwar überrascht, doch ihre Selbstsicherheit gefiel mir. Sie setzte sich lächelnd und begann sofort, über alles und nichts zu reden, wohl, um keine Verlegenheit zwischen uns aufkommen zu lassen.

Sie sagte ein paar Dinge über meinen Roman, schließlich hatte er uns zusammengeführt. Sie hatte ihn gelesen und wollte ihn sich nach der Veranstaltung, die gerade in einem Saal des Hotels stattgefunden hatte, von mir noch signieren lassen. Doch sie war viel zu spät gekommen. Die Diskussion war bereits beendet, der Signiertisch abgebaut, und ich war nirgends mehr zu sehen gewesen. Einer der Verantwortlichen sagte ihr freundlicherweise, dass ich mich allein in die Bar zurückgezogen hatte. Und so saß sie nun neben mir.

Sie musste um die vierzig sein. Sie war im Grunde hübsch, aber nicht besonders gepflegt. Ihre Nägel teilweise abgebrochen, und sie rauchte viel. Doch ihr breites, unglaublich offenes und großzügiges Lächeln verwandelte sie. Manchmal schlug sie die Augen nieder und lachte ein kindliches und schelmisches Lachen. Es klang wie Blätterrascheln. Sie nahm sich überhaupt nicht wichtig, jegliches Pathos schien ihr fremd zu sein. In diesen Momenten fand ich sie unweigerlich schön.

Sie fing von ganz allein an, über sich zu erzählen. Ich wagte kaum, mich zu bewegen oder einen Schluck aus meinem Glas zu nehmen, aus Angst, die kleinste Geste könnte ihren Redefluss unterbrechen. Sie fragte mich, ob ich ein Kind hätte, was ich bejahte. "Ich habe keine bekommen. Ich konnte nicht. Das wird mir immer leidtun." Daraufhin erzählte sie mir, dass sie sehr jung einen herrischen und eifersüchtigen Mann geheiratet hatte. Jahrelang hatten sie versucht, Kinder zu bekommen. Sie hatte immer wieder Fehlgeburten, ließ sich behandeln, schließlich gab sie es auf. Darüber zerbrach auch ihre Ehe. "Aber er war sowieso nicht besonders nett" , sagt sie lachend.

Vor ihrer Hochzeit hatte sie nie etwas mit einem Mann. "Als junge Frau war ich sehr verklemmt. Ich weiß noch genau, wie ungeniert meine Freundinnen an der Uni waren. Sie sprachen von ihren Liebhabern, erzählten sogar intime Details. Das war mir immer furchtbar unangenehm. Ich war Jungfrau und ziemlich verkrampft." Nach ihrer Scheidung lernte sie ein paar Frauen kennen, mit denen sie offen und ohne Tabus über alles reden konnte. Deren Freizügigkeit, ja sogar Schlüpfrigkeit, wenn sie unter sich waren, überraschten sie und machten ihr Mut. Diese Freundinnen erklärten ihr auch, wie man Männer verführte und in den Wahnsinn trieb, notfalls mithilfe seltsamer Tränke.

"Doch bei uns zu Hause war es ganz anders" , gesteht sie mir. Dann beschreibt sie ihre Mutter. "Sie hat etwas von einer Königin. Eine starke, schöne und sehr strenge Frau" , die mit ihrem Vater eine geradezu symbiotische Beziehung führte. "Meine beiden Schwestern und ich durften praktisch nicht mit ihm reden. Sobald wir mal einen Moment mit ihm allein waren, rief sie uns in die Küche oder sonst wohin, damit wir ihr bei irgendetwas halfen. Sie ertrug es nicht, dass er außer ihr noch andere liebte."

Diese verehrte und gefürchtete Mutter legte großen Wert darauf, dass ihre Töchter gut in der Schule und sozial integriert waren. Sie verbot ihnen weder zu Geburtstagsfeiern noch abends auszugehen, ließ sie sogar bei Freundinnen übernachten. "Sie vertraute uns, glaube ich. Aber wenn sie sich verabschiedete, ehe sie mich irgendwo absetzte, lehnte sie sich immer zu mir herüber und flüsterte mir ins Ohr: 'Denk daran.'" Sie lacht, es klingt zugleich zärtlich und traurig.

"Woran sollten Sie denken?" , wage

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