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Weiß der Himmel ...? Wie ich über die Frage nach Leben und Tod stolperte und plötzlich in der Kirche saß von Prüfer, Tillmann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2018
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Weiß der Himmel ...?

"Bis vor Kurzem kam mein Leben sehr gut ohne Gott aus." (Tillmann Prüfer)
Tillmann Prüfer ist ein renommierter ZEIT-Journalist, der sich in diesem Buch mit den Themen Leben, Sterben, Tod und Sinn auseinandersetzt. Eine schwierige Lebensphase mit Krankheit und Sterben eines Freundes veranlasst den überzeugten Agnostiker, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Grundfeste seines bisherigen Lebens geraten ins Wanken, er stellt in Frage, lernt zu beten, wird zum regelmäßigen Kirchgänger und reflektiert seine Gedanken schließlich in einem Kloster ...
"Urplötzlich bin ich in eine Situation geraten, in der ich Glaube und Zuversicht dringend nötig habe." Dieses Buch schildert die glaubwürdige Suche des Autors.
Persönliche Erfahrungen eines ZEIT-Journalisten
Neue Ausfahrt: Glaube
Überraschendes zu Leben, Tod und Sinn

Tillmann Prüfer, geboren 1974, ist Stilchef und Mitglied der Chefredaktion des ZEITmagazins. Ausgezeichnet mit mehreren Journalistenpreisen schrieb er mehrere erfolgreiche Bücher. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 22.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641227647
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
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Weiß der Himmel ...?

1 M EIN F REUND

Leben.

Das denke ich, während ich vom Krankenhaus zur U-Bahn gehe. Die kalte Winterluft in meinen Lungen, der Boden unter mir gefroren, ich muss darauf achten, nicht hinzufallen, einen Schritt behutsam vor den nächsten zu setzen. Das ist Leben.

Gerade habe ich mich von meinem Freund verabschiedet, ich habe ihn auf die Stirn geküsst. Sie war fiebrig heiß. Der Körper voller Aktivität. Unvorstellbar, dass der Mensch, dem er gehört, im Begriff ist zu gehen. Dass es seine letzten Stunden sind. Unbegreiflich das alles.

Drei Monate zuvor hatten wir noch einen Spaziergang durch die letzten Tage des sich verabschiedenden Berliner Sommers gemacht. Ich versuche, das alles innerlich nachzuvollziehen, es einzuordnen, aber es gelingt mir nicht.

Vor drei Monaten hat sich die Welt verdunkelt. So lange ist die Diagnose eines bösartigen Gehirntumors im linken Schläfenlappen bei meinem Freund her.

Er war ins Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem seine Frau ihn bewusstlos in der Wohnung aufgefunden hatte. Am gleichen Tag hätten wir uns am Abend zum Essen treffen wollen.

Als ich davon erfuhr, dachte ich zunächst an zahllose Gründe, warum man ohnmächtig werden kann: Blutdruck, Hitze, Stress. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch überzeugt, dass wir uns bald wiedersehen und darüber lachen werden. Dass diese Episode sich auflösen wird wie die allermeisten Ereignisse im Leben, die bedrohlich wirken, und man auf das Beste hofft. Man irgendwie darauf vertraut, dass alles gut wird.

Später am Tag erfuhr ich, dass mein Freund nicht in die Kardiologie eingeliefert worden war, sondern in die Neurologie. Er hatte einen epileptischen Anfall gehabt. Das klang ernst, aber nach etwas, das man mit Medikamenten in den Griff kriegen kann. Dann aber berichtete seine Frau, dass die Ärzte eine "Raumforderung" im Gehirn als Ursache vermuteten. Der Begriff hörte sich auf eine bedrohliche Weise harmlos an. Ich gab ihn bei Google ein. Und sah, dass es eine Chiffre für Gehirntumor ist. Und bald darauf sollte es sich als Gewissheit herausstellen. Mein Freund war an einem der aggressivsten bösartigen Gehirntumoren überhaupt erkrankt. Bei dem es nicht die Frage ist, ob man ihn überlebt - eher die Frage, wie lange und wie gut man damit leben kann.

Die Tage waren voller schlechter Nachrichten, die jeweils von noch schlechteren Nachrichten abgelöst wurden. Der Tumor beeinträchtigte vom ersten Tag an den Mann, an den man sich gewöhnt hatte. Das Tröstende war, dass hinter allen Beschwerden immer die Persönlichkeit meines Freundes leuchtete, dass er nie seine Liebe und seine Güte verlor. Der Tumor konnte ihm so viel nehmen, aber nicht seine Menschlichkeit und nicht einmal seinen Humor.

Seine Persönlichkeit hatte mein Leben gewärmt, vom ersten Tag an, als ich ihn kennengelernt hatte. Er war ein Mann der Sprache. Der schönen Sprache. Er hatte ein Gespür für die richtigen Worte. Er liebte gute Worte und gute Bücher. Und er wusste, was die richtigen Worte bewirken können.

Wir kannten uns seit zwölf Jahren. Ich erinnere mich noch, wie er mir an dem Abend, als wir uns kennenlernten - wir waren bei ihm zu Hause - viele Fragen stellte. Aber keine diente dazu, mich abzuprüfen oder einzuordnen. Er war unvoreingenommen interessiert. Er machte keine Anstalten, sich selbst in einem möglichst positiven Licht darzustellen oder zu beeindrucken. Er war humorvoll, aber ohne jede Spur von Eitelkeit. Sondern in einer schmeichelnden und zugewandten Weise. Alles war so bestellt, dass man sich in seiner Gegenwart wohlfühlte.

Als wir an jenem Abend später beisammen saßen, holte er eine Flasche Linie Aquavit hervor. Es ist ein altmodisches Getränk. Ein Anis-Geist, der in Sherry-Fässern reift, während er im Bauch eines Containerschiffes mitfährt. Mein Freund sagte, dass für ihn der Geist der Schiffsreise im Aquavit zu sc

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