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Zuhause im Niemandsland Mein Leben im Kloster zwischen Israel und Palästina von Schnabel, Nikodemus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.01.2017
  • Verlag: Herbig
eBook (ePUB)
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Zuhause im Niemandsland

'Wer so verrückt ist, im 21. Jahrhundert Mönch zu werden, der kann es auch gleich in Jerusalem tun!' Mit nur 24 Jahren trat Pater Nikodemus Schnabel in das Benediktinerkloster Dormitio auf dem Berg Zion ein und lernte die heilige Stadt zu lieben ... und manchmal auch mit ihr zu ringen. Das Kloster liegt auf neutralem Boden zwischen Israel und Palästina - ideal für einen Blick auf die Gesamtsituation. Als Auslandsseelsorger und Pressesprecher der Abtei erlebt Pater Nikodemus Feindseligkeit ebenso wie Toleranz und echte Freundschaft. Tagtäglich wird er mit den Problemen beider Seiten konfrontiert. In diesem Buch geht er auf die häufigsten Fragen ein, auch in Bezug auf sein Leben im Kloster, und zeigt, dass es abseits der Medienwahrheit viele Zwischentöne gibt. Persönlich und auf jahrelangen Erfahrungen beruhend nimmt er uns mit in sein Jerusalem. Jerusalem ist als Brennpunkt des Nahostkonflikts beständig Thema in den Medien. Mitten in diesem Krisenherd, zwischen den widerstreitenden Religionsgemeinschaften, lebt der deutsche Mönch Pater Nikodemus Schnabel. Mit 24 Jahren trat er in das Benediktinerkloster Dormitio auf dem Berg Zion ein. Das Kloster liegt völkerrechtlich gesehen im 'Niemandsland', gehört also weder zu Israel noch zu Palästina. Auf 'neutralem Gebiet' dient es daher als Begegnungsstätte der verschiedenen Religionen und wird gerne von politischen Delegationen aus aller Welt besucht. Seit mehr als zehn Jahren erlebt Pater Nikodemus hautnah die Konflikte der Stadt und hat mittlerweile seine ganz eigene Sicht auf Jerusalem. Als Pressesprecher des Klosters wird er mit Fragen von allen Seiten konfrontiert: Was fasziniert ihn an dieser Stadt? Wie ist das Leben für die christliche Minderheit? Warum ist er Mönch geworden, noch dazu in Jerusalem? Hier gibt er die Antworten und ermöglicht eine völlig neue Perspektive auf die heilige Stadt, die nicht nur von Konflikten und Gewalt geprägt ist, sondern auch die tolerante Seite Jerusalems, die Seite des Miteinanders und des interreligiösen Dialogs zwischen Juden, Moslems und Christen, aufzeigt. Pater Nikodemus Schnabel, geboren 1978 in Stuttgart, studierte Theologie in Fulda, München, Münster und Jerusalem. 2003 trat er in die benediktinische Dormitio Abtei auf dem Berg Zion ein. 2013 wurde er zum Priester geweiht. Er leitet die theologische Bibliothek der Abtei sowie das Jerusalemer Institut der Görres-Gesellschaft. Zudem ist er einer der Schriftleiter des Theologischen Forums.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 17.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783776682007
    Verlag: Herbig
    Größe: 2525 kBytes
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Zuhause im Niemandsland

Prolog

Zuhause im Niemandsland

Im April 2003 begann ich als junger Mann, Mönch in Jerusalem zu werden, und war fasziniert von einer meiner ersten Unterrichtsstunden. Als neuer, junger Mönch, ein sogenannter "Novize", erhält man jeden Tag "Noviziatsunterricht", der eine bunte Palette von Klostergeschichte über Sprachenunterricht und Gesangsausbildung bis hin zu den Grundlagen des Mönchtums, der Spiritualität und des Kirchenrechts bietet. Dort wurde mir beigebracht, dass mein künftiger Lebensort, die deutschsprachige Benediktinerabtei Dormitio Beatae Mariae Virginis auf dem Südwesthügel Jerusalems - der den bedeutungsschwangeren Namen "Zionsberg" trägt -, völkerrechtlich gesehen im Niemandsland liegt. Ganz praktisch gesprochen: Meine neue Wahlheimat ist weder Israel noch Palästina, sondern das Niemandsland dazwischen!

Wie kann das gehen? Schließlich wird in den Nachrichten immer wieder die viel beschworene "Zwei-Staaten-Lösung" genannt. Dass es dieses Niemandsland gibt, liegt an der berühmten "Grünen Linie", die allerdings weder ein Grünstreifen noch eine Linie ist. Es handelt sich bei ihr um die international anerkannte Waffenstillstandslinie, die nach dem Krieg von 1948 vereinbart wurde. Sie bildete bis 1967 die Grenze zwischen Israel und dem von Jordanien verwalteten Westjordanland. Sie ist auch die Grundlage einer künftigen Zwei-Staaten-Lösung. Nur: Diese mit grüner Farbe in die Karten eingezeichnete Linie schließt an mehreren Stellen Gebiete in sich ein. Sie teilt sich an diesen Stellen, sodass es auf einmal zwei Linien gibt: Die eine zeigt an, wo völkerrechtlich Israel beginnt, während die andere sichtbar macht, wo nach internationalem Recht ein künftiger Staat Palästina entstehen soll. Das Gebiet zwischen diesen beiden Linien ist hingegen ungeklärt, eine Pufferzone, ein Niemandsland. Genau dort liegt mein Kloster!

Gerne nehme ich kleine Besuchergruppen auf unser Kirchendach mit, um ihnen die atemberaubende Sicht auf Jerusalem zu zeigen, das sich nach Westen und Osten erstreckt, auf die Altstadt und die Neustadt, auf die arabischen und die hebräischen Stadtviertel. Dabei sieht man auf der Nordostseite unseres Kirchendaches noch immer die Einschussstellen, welche von den Waffen der jordanischen Soldaten stammen, die 1948 von der nahe gelegenen Altstadtmauer auf unsere Kirche feuerten, während die israelischen Soldaten das Feuer von unserem Kirchendach aus erwiderten, wovon die südwestliche Altstadtmauer sichtbares Zeugnis ablegt; besonders das unserer Kirche gegenüberliegende Zionstor gleicht einem zu Stein gewordenen riesigen Schweizer Käse.

Um es noch anders auszudrücken: Ich lebe in einem Frontgebiet, das bis heute nicht zur Ruhe gefunden hat. Und genau hier lebe ich mein Leben als Mann, der zusammen mit anderen Gott sucht, gemeinsam mit ihnen betet, arbeitet, isst, studiert und lernt. Ich erlebe mich aber auch ganz konkret jeden Tag in einer nicht-kriegerischen Frontstellung, am Rande der großen Mehrheiten. Hier die große Gruppe der Juden, dort die große Gruppe der Muslime, dazwischen die kleine Gruppe der zwei Prozent Christen. Hier die große Fraktion der Palästinenser, dort die große Fraktion der Israelis, dazwischen die kleine Fraktion der permanent vor Ort lebenden Ausländer. Hier die Ausländer, die als Diplomaten, Journalisten und NGO-Mitarbeiter verstehen, vermitteln und verändern wollen, dort die Pilger und Touristen aus aller Welt, die sich für ein paar Tage religiös oder kulturell berühren lassen möchten - und dazwischen wir Mönche, die gekommen sind, um ein Leben lang in Jerusalem zu bleiben und inmitten des Chaos um uns herum Gott zu suchen.

Dieses Leben im Niemandsland hat natürlich auch ganz praktische Seiten. Zu uns kann man kommen, ohne damit ein Statement abzugeben. Wenn Politikerdelegationen uns besuchen, müssen sie immer darauf achten, dass sie bei einem offiziellen Israelbesuch nicht die grüne Linie überqueren, um keine

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