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Zukunft wagen Über den klugen Umgang mit dem Unvorhersehbaren von Horx, Matthias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.11.2013
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
eBook (ePUB)
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Zukunft wagen

Von der Kunst, an die Zukunft zu glauben Wie kommt's, dass wir die Aussichten für die Zukunft meist eher negativ bewerten? Anhand vieler anschaulicher Beispiele zeigt der bekannte Zukunftsforscher und standhafte Optimist Matthias Horx, wie wir unsere Vorstellung der Zukunft und unsere Erwartungen in Kopf und Bauch zusammensetzen und von welchen scheinbar unerschütterlichen Glaubenssätzen, Denktraditionen und Gefühlen wir uns dabei leiten lassen. Aber es geht auch anders: Den Mythen der Zukunft stellt Horx die spannenden Erkenntnisse unterschiedlichster Forschungsrichtungen entgegen, die er zu einem neuen Bild der Zukunft zusammenfügt: ein Bild, das zu kluger Gelassenheit angesichts des unablässigen Wandels aufruft. Matthias Horx, geboren 1955, ist der profilierteste und einflussreichste Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum und Autor vieler erfolgreicher Bücher. 1999 gründete er das Zukunftsinstitut, einen Prognose-Think-Tank, der heute zahlreiche europäische Unternehmen in allen Wirtschaftsbereichen berät. Seit 2007 ist er auch Dozent für Trend- und Zukunftsforschung an der Zeppelin-Universität, Friedrichshafen. Zuletzt erschien von ihm bei DVA Das Megatrend-Prinzip. Wie die Welt von morgen entsteht (2011).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 11.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641128609
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Größe: 1432 kBytes
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Zukunft wagen

Im Keller meines Vaters

Vorwort

Die Treppe hinab

Als ich das erste Mal das Gefühl habe, mit der Zukunft könnte etwas nicht in Ordnung sein, befinde ich mich im Keller meines Vaters.

Wir schreiben das Jahr 1962. Ich wohne am Rand einer westdeutschen Großstadt, wo zwischen den neuen Autobahnkreuzen überschaubare Reihenhausgärten in endlose Zuckerrübenfelder übergehen. Ich bin ein eher dünner, nervöser Zweitklässler mit Hang zu Magenweh und Albträumen. Ich bin sieben Jahre alt.

Mein Vater zeigt mir im Licht einer nackten Glühbirne lange Reihen von Konservendosen, die sich bis an die Decke stapeln. Regalmeter weiße Bohnen in Tomatensoße, Ravioli, Ananas und Pfirsiche; und diesen wunderbaren Fruchtcocktail, bei dem man immer lustig streiten kann, wer die knallroten kandierten Kirschstücke essen darf, von denen sich maximal drei in jeder Dose befinden. Stapel mit Thunfisch- und Ölsardinenkonserven, Kartoffelsäcke, Reiskartons, regalweise Zuckerpakete, Dosenmilch sowie Türme von "Kommissbrot" in glänzenden Hülsen, die wie Artilleriegeschosse aussehen, ohne Etikett.

Der ganze Raum – er ist etwa vier mal vier Meter groß und vom Heizungskeller her durch eine schwere Eisentür zu betreten – ist mit Vorräten gefüllt, die für eine Ewigkeit reichen sollten.

Für die Ewigkeit nach dem Atomkrieg.

Es ist der Oktober 1962. Auf der anderen Seite des Planeten, vor der Küstenlinie von Kuba, stehen in diesem Moment amerikanische Kriegsschiffe kurz vor einer Konfrontation mit sowjetischen Kriegsschiffen. Die Welt befindet sich am Rande eines nuklearen Krieges.

Aber all das spielt in meinem kindlichen Gemüt keine Rolle. Was zählt, ist das Hier und Jetzt.

Ich kann heute noch den Geruch des Kellers in meinem Kopf simulieren. Ich rieche die genaue molekulare Zusammensetzung von Schimmel, Staub, die süßen Ausdünstungen des Milchpulvers, der Kartoffeln und Trockenobstbeutel.

Gerüche sind wie Zeitkapseln in unserem Innern. All diese Wunder, die uns umgeben – der Klang der Jahreszeiten, das Lachen der geliebten Person, das tiefe Blau des Planeten, der Genuss eines langen Mahles, das Klingen der Stimmen über den Platz, der Geschmack der Luft am Meer –, all das ist nichts als Geruch. Und dieser Geruch im Keller war auf eine atemraubende Weise verbindlich.

In meiner Erinnerung erscheint die Szene wie ein Moment höchster Klarheit. Die Konservenregale sind wie Barrikaden gegen den Unbill der Welt. Weit und breit keine bösen Jungs wie die, die mich ständig auf dem Weg zur Schule verprügeln wollten. Dieses Reich gehört nur uns allein, und ich teile mit meinem Vater ein Geheimnis. In der gedämpften Stille des Kellers öffnet er eine Dose Ölsardinen, mit einem Schweizer Taschenmesser, das er mit Bedacht und präzise handhabt. Er hat das gelernt. Im Krieg. Wir ziehen die glitschigen Tiere mit den Fingern aus dem Öl und bekleckern uns beim Essen. Wir lachen. Wir zwinkern uns zu: Mama hätte das nicht erlaubt. Ich spüre die durchsichtigen Knochen der Fische auf der Zunge. Obwohl ich als Siebenjähriger verstehen kann, was "Krieg" bedeutet, gibt es nur ein einziges treffendes Wort für die Stimmung dort unten im Keller:

Geborgenheit.

Angst und Antizipation

Normalerweise schreiben Zukunftsforscher keine Autobiografien. Aber in diesem Buch werden immer wieder Szenen aus meinem persönlichen Leben auftauchen. Und das hat seine Gründe.

Dies ist ein Buch über den Umgang mit Angst. Über die Art und Weise, wie Angst ein Eigenleben führt. In uns selbst, der Kultur, der Gesellschaft, in unseren Zukunftsbildern. Angst i

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