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Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren Ein Streitgespräch von Abdel-Samad, Hamed (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.03.2016
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
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Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren

Die Gegensätze könnten größer kaum sein: Auf der einen Seite der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad, der Mohammed für einen Terroristen hält, und auf der anderen Seite der muslimische Theologe Mouhanad Khorchide, der für einen liberalen Islam wirbt. In dem vorliegenden Buch ringen die prominentesten Akteure der aktuellen Debatte miteinander. Persönlich schätzen sich sich, doch inhaltlich könnte der Konflikt größer nicht sein. Themen dieses Streitgesprächs sind Gewalt und Friedfertigkeit im Islam, die Rolle Mohammeds und die Herausforderung des sogenannten Islamischen Staats. Außerdem werden Fragen beantwortet, wie: Wie muss der Koran gelesen werden? Überzeugen die neuen Ansätze islamischer Theologie über Gott und den Menschen? Und welche Rolle werden Muslime in Zukunft in der deutschen Gesellschaft spielen können? Zwei prominente Publizisten diskutieren, ohne einander zu schonen, über den Weg des Islam in die Zukunft. Ein Muss für jeden, der die aktuelle Debatte um den Islam und unsere Gesellschaft verfolgt. Hamed Abdel-Samad (geb. 1972) ist Publizist. Er studierte Englisch, Französisch, Japanisch und Politik, arbeitete für die UNESCO, am Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität Erfurt und am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München. Abdel-Samad war Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Bekannt wurde er durch die Fernsehsendung "Entweder Broder". Seit 2011 ist er im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. Mouhanad Khorchide, Prof. Dr., geb. 1971 in Beirut, aufgewachsen in Saudi-Arabien, studierte Islamische Theologie und Soziologie in Beirut und Wien. Seit 2010 Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster und dort inzwischen auch Leiter des Zentrums für Islamische Theologie. Khorchide studierte in Beirut Islamische Theologie und in Wien Soziologie, wo er mit einer Studie über islamische Religionslehrer promovierte. Er hat zudem als Imam und Religionslehrer gearbeitet. Seit 2011 ist er Koordinator des Graduiertenkollegs Islamische Theologie der Stiftung Mercator und seit 2013 Principle Investigator des Exzellenzclusters "Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne" an der Universität Münster.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 08.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451809859
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 858 kBytes
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Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren

Vorwort

Der Islam steht unter Druck. Was spätestens mit dem 11. September 2001 begann, hat sich in den vergangenen beiden Jahren zugespitzt. Im Herbst 2014 haben die Landgewinne des sogenannten Islamischen Staats im Westirak und in Syrien die Aufmerksamkeit erregt, Anfang 2015 erfolgte der Anschlag auf das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo". Seitdem steht die Frage, welche Gewaltpotenziale "der" Islam aufweist, stärker im Fokus. Nicht zuletzt angesichts der mehrheitlich muslimischen Flüchtlinge, die seit dem Sommer 2015 in größerer Zahl gerade nach Deutschland gekommen sind, und jetzt der Anschläge in Paris werden die Debatten jetzt mit noch mehr Verve geführt.

Dabei hatte sich gerade in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt, ebenfalls in der Folge der Anschläge auf das World Trade Center am Beginn des neuen Jahrhunderts, ein neuer Umgang mit den Muslimen im Land herausgebildet. Die Diskussionen über Schulversuche zum islamischen Religionsunterricht und der Bau repräsentativer Moscheen in deutschen Großstädten haben den Islam als eine Religion in Deutschland stärker ins Bewusstsein gebracht. Die "Deutsche Islamkonferenz" der Bundesregierung, die es seit 2006 gibt, hatte zudem eine Studie angestoßen, deren überraschendes Ergebnis es war, dass hierzulande mit rund vier Millionen deutlich mehr Muslime leben, als man zuvor dachte.

Unmittelbar war klar, dass die bis dato nur zögerlichen Versuche, in den einzelnen Bundesländern einen islamischen Religionsunterricht zu etablieren, verstärkt werden müssten. Auch die inzwischen fünf Zentren zum Studium der Islamischen Theologie an staatlichen Universitäten in Deutschland wurden daraufhin von der Islamkonferenz angeregt, nachdem der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble 2009 erstmals eine Fakultät für Islamische Theologie an einer hiesigen Hochschule gefordert hatte. Die Etablierung dieser wissenschaftlichen Einrichtungen, bei denen eine Vielfalt im Rahmen der europäischen Wissenschaftstradition geradezu erwünscht ist, schreitet mit hohem Tempo voran.

Dabei ist momentan völlig offen, ob aus dem sogenannten Euro-Islam mehr als ein Schlagwort wird. Natürlich gibt es heute eine Reihe von Ansätzen zu einer historisch-kritischen Lesart des Korans, zum Überdenken der Geschlechterrollen bei den Muslimen, zur Weiterentwicklung des islamischen Rechts und zum Umgang mit beziehungsweise zum Leben in pluralistischen Gesellschaften. Einmal abgesehen davon, dass die muslimische Existenz in den europäischen Gesellschaften aufgrund von unterschiedlichen ethnischen und anderen kulturellen Prägungen selbst höchst vielfältig ist: Es ist jedoch noch nicht abzusehen, ob solche Versuche einer neuen Verhältnisbestimmung von Islam und Moderne die muslimische Identität in westlichen Gesellschaften in der Breite werden prägen können. Immerhin wurde von Politikern wie von Kirchenvertretern mehrfach schon mit Recht daran erinnert, dass es auch in den christlichen Kirchen vergleichsweise lange gedauert habe, bis sie sich mit den Prinzipien der aufgeklärten Moderne konstruktiv auseinandergesetzt und diese in ihr Selbstverständnis integriert hatten. Auch der Islam sei allerdings zu einem solchen historischen Lernprozess in der Lage.

Das gilt nicht zuletzt mit Blick auf die aktuelle Situation. In einer Erklärung des Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz zum "Islamischen Staat" heißt es: "Islam und ISIS sind nicht dasselbe. Vielmehr tobt in der muslimischen Welt selbst ein hitziger, manchmal erbarmungsloser und mörderischer Kampf um das rechte Verständnis der eigenen Religion und zu Recht wird immer wieder auf die große Zahl der Muslime hingewiesen, die Opfer dieses Konflikts werden." Die Stellungnahme richtet allerdings gleichzeitig auch die Frage an die überwältigende Mehrheit der friedliebenden Muslime, welche Rolle die eigene Religionsgemeinschaft bei den beängstigenden Entwicklungen spiele. Nur auf Fehler, Versäumnisse und

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